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02.03.2014

08:31 Uhr

Dress for Success

Arbeitsalltag als Kostümprobe

VonInge Hufschlag

Der Mensch verkleidet sich nicht nur an den tollen Tagen zum Fasching oder Karneval. Auch in den übrigen Jahreszeiten spielen Mann und Frau oft eine Rolle – und das so gut wie tagtäglich.

Darth Vader muss mal: Verkleiden ist an tollen Tagen ein menschliches Bedürfnis. dpa

Darth Vader muss mal: Verkleiden ist an tollen Tagen ein menschliches Bedürfnis.

DüsseldorfWenn eine Frau ein Kostüm anzieht, dann macht sie sich in der Regel fein für einen formellen Besuch oder für die Arbeit im Büro. Ein Damenkostüm, quasi das Pendant zum Herrenanzug, darunter versteht man Jacke und Rock.

Das kann ein Klassiker sein, siehe das zeitlose Chanel-Kostüm, ein Designer-Teil mit individuellen Details oder ein Standard-Schnitt von der Stange. Verordnete oder vermeintlich Dress Codes haben leider in den letzten Jahren dazu geführt, dass Modemacher – außerhalb des Catwalks - immer mehr zu Kostümbildnern für die Arbeitswelt geworden sind.

Überall der gleiche Look, der einheitliche Schnitt, der höchstens um ein paar Zentimeter in der Rock- und/oder Jacken-Länge variiert, meist in nebelhaften Tönen, die die Trägerin fast unsichtbar in der Masse untergehen lassen. Gleichmaß gibt eben eine gewisse Sicherheit. 

Karneval: Das närrische Spektakel in Zahlen

Helau vs. Alaaf

Der Ruf Helau gilt nicht nur in Düsseldorf, in vielen Karnevalshochburgen wird er gebraucht und ist der bekannteste unter den Narrenrufen. Die Entstehung des Lobes ist unklar, es kann ein Hirtenruf gewesen sein, oder es stammt von Halleluja ab, eine Quelle greift aber auf eine Herkunftsgeschichte vom 13. Jahrhundert zurück, als ein Mainzer Kaufmann sich gegen das Stapelrecht in Köln wehrte, und nicht bereit war ihre Waren zu einem Vorzugspreis den Kölnern anzubieten. Er rief angeblich „Ich vil he lau fahrn“, auf Hochdeutsch: Ich will hier ohne weiteres durchfahren, die Kölner erwiderten darauf „Al aaflade, ihr sollt all aaflade“, zu deutsch: „Alles abladen!“ Diese Geschichte würde auch erklären, weshalb sich Helau mit Alaaf nie versöhnen kann.

Umsatzzahlen: Köln vs. Düsseldorf

Der Wirtschaftskraft des Kölner Karnevals beträgt rund 460 Millionen Euro, wie 2009 von Boston Consulting festgestellt wurde. Aktuellere Zahlen gibt es nicht, weil die Veranstaltung ehrenamtlich organisiert wird, und man keine Mittel hat Jahr für Jahr die Ergebnisse auszuwerten, sagt Sigrid Krebs, Pressesprecherin des Kölner Veranstalters.

In Düsseldorf wurden bisher 240 bis 250 Millionen Euro umgesetzt, und für die kommende Session wird ein ähnliches Ergebnis erwartet, berichtet Hans-Peter Suchand, Pressesprecher des Comitee Düsseldorfer Carneval e.V.

Besucherzahlen

Zum Hoppeditz-Erwachen in Düsseldorf wurden 8.000 Menschen vor dem Rathaus erwartet. Am Kölner Heumarkt schätzten diverse Berichterstatter die Zahl der Jecken auf 80.000.

Trivia

540.000 Taxifahrten, 204.000 Frisörbesuche und 1,5 Millionen Kostüme werden in Köln zur Karnevalzeit gebucht. Den größten Umsatz machen aber die Kneipen, von den 460 Millionen Gesamtumsatz werden 165 Millionen der Gastronomie zugeordnet.

Karnevalshasser

Die Kontrahenten des Karnevals begründen ihre Abneigung zum Beispiel damit, dass die Jecken eine Minderheit darstellen, die die Mehrheit nerven. Bundesweit bekennt sich nur jeder Dritte zur kalendarisch verordneten „Witzischkeit“. Ein anderer Contra zum Karneval lautet, dass das Spektakel der Wirtschaft schaden soll: spätestens ab 11.11 Uhr geht in den Büros in Köln, Düsseldorf und andernorts nichts mehr. Außerhalb der Karnevalshochburgen kann das niemand nachvollziehen.

Pro Karneval

Viel mehr Argumente sprechen aber für den Karneval: er verkörpert Tradition, fördert soziale Projekte, dient als Plattform für die kulturelle und gesellschaftliche Integration. Er hat ferner eine Netzwerk- und Botschafterfunktion zwischen Altersgruppen, aber auch innerhalb Deutschlands, heißt es in der Auswertung von Boston Consulting.

Bis auf eine Ausnahme, gerade wieder an diesem Wochenende: Es ist Karneval am Rhein bzw. Fasching in München, Budenzauber in Berlin. Da schlüpft frau für kurze Zeit in eine andere Rolle: Ist Prinzessin oder Hexe, Kammerkätzchen, Krankenschwester, Marktfrau, Nonne oder Sexbombe.

An Altweiterfastnacht darf, soll, muss sie sogar Runzeln, Warzen, einen Buckel haben und Männern den Schlips abschneiden. Einmal so richtig aus der Reihe tanzen, sich von äußeren und inneren Zwängen befreien - bis am Aschermittwoch wieder mal alles vorbei ist.

Auch die Herren verkleiden sich nicht nur in der fünften närrischen Jahreszeit, sondern eigentlich tagtäglich (Manche tun’s noch nicht mal selbst.) Nicht umsonst wird gemeinhin von einem gestandenen Mannsbild behauptet: Der stellt was dar. Meist handelt es sich dabei um honorige Persönlichkeiten, Politiker, Manager, Amts- und Würdenträger.

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