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13.07.2013

12:30 Uhr

Dress for Success

Bin ich ein Berliner?

VonInge Hufschlag

Der Berliner arbeitet sich ab an seiner Stadt. Die Wege sind weit, die Nächte sind lang, das Leben ist hart. Nicht leicht, hier seine eigene Mode-Mitte zu finden. Zwischen arm und sexy – oder beidem.

In Orange am Türsteher vorbei – Männermode aus Berlin von Michael Michalsky. dpa - picture-alliance

In Orange am Türsteher vorbei – Männermode aus Berlin von Michael Michalsky.

DüsseldorfWie sieht er eigentlich aus – wenn es ihn überhaupt gibt – dieser nicht mehr ganz junge Herr der Augenringe? Den Berliner, wo trifft man ihn? Auf der Alten Schönhauser Straße, im Literatur-Café, am Müggel-See oder irgendwo in der Neuköllner Newcomer-Szene?

Die jüngste Fashion Week brachte es mal wieder an den Tag. Sie bescherte der Stadt ein Straßenbild wie das Spiegelbild ihrer Architektur. Die verändert sich ja auch schon fast wie die Mode im Saison-Takt: Bruchbuden, deren Fenster wie verheultes Make-up ausschauen, Wand an Wand mit eleganten, glasglatten Townhouse-Fassaden. Davor: Bärtige Altrocker oder ganzkörperrasierte Milchbubis Hand in Hand mit kichernden Girlies im Fifties-Look oder Neo-Hippie-Mädchen. My Boy Lollipop! Der trägt souverän kostspielige Skateboard-Mode eines (noch) unbekannten lokalen Labels. Carhartt hängt im Second-Hand-Shop nebenan.

Die Galeries Lafayette haben pünktlich zum Modetermin ihre Herrenabteilung auf 400 Quadratmeter erweitert. Da bekommt man jetzt nicht nur Klassiker wie Boss, Ralph Lauren, sondern auch Tiger of Sweden oder Trendlabel aus Paris. 

Der Berliner steht ja auch auf Vintage-Look. Der begegnet einem in Berlin auf Schritt und Tritt. Schwer zu entziffern in dieser Stadt: Ist das nun Hartz IV oder Hilfiger? Auf jeden Fall phantasievoller kombiniert als anderswo. Ein authentischer Retro-Typ radelt entspannt durch Wedding. Silbern blinkt sein Schmuckstück: eine Fahrradklammer in der abgewetzten Feincordhose. Damit alles rund läuft und nichts verklemmt. Hat nicht jeder. Und ist vielleicht sogar smarter als ein iPhone.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle.

Selbst die neuen Alten sehen in der neuen Mitte anders aus. Irgendwie irgendwas zwischen Zille und Zegna. Mehr Hosen- als Bedenkenträger. Aus alt mach neu? In den coolen Kollektionen der lokalen Modemacher heißen solche Sachen auch nicht mehr Recycling, sondern Upcycling.

Echt schräg die Berliner Männerwelt! Wenn auch sicher nicht so extrem, wie sie Designer Michael Michalsky im lokalen Trend-Magazin „Vue“ beschreibt: „Es klingt verlockend, in einer Stadt ohne Grenzen zu leben, in der man in den coolsten Clubs der Welt mit abgerockten Sneakers am Türsteher vorbeikommt. Oder wenn man als Otto-Normal-Papi morgens die Kids in die Waldorf-Schule bringt und sich abends als Hobby-Transe ins Nachtleben stürzt.“

Übrigens: Die Diskussion über einen Kampf der Modemetropolen Berlin und Düsseldorf ist so was von out. Es geht ja auch nicht mehr um Entweder-oder sondern vielmehr um Sowohl-als-auch. Der Düsseldorfer kauft sich gern mal Klamotten in Berlin, damit er am Rhein nicht ganz so grau aussieht. Und die Düsseldorferin findet hier leichter Sachen, die Freundinnen neidisch machen.

In die über die Stadt verteilten abgefahrenen Locations der diversen Modemessen in Berlin – darunter auch eine aus Düsseldorf – kommen allerdings nur Fachbesucher. Macht nichts. Der Berliner und seine Besucher pfeifen drauf. Im Sommer wird ohnehin die ganze Stadt zum Laufsteg. Mode-Blogger aus aller Welt dokumentieren Streetwear in Wedding und anderswo. Der Berliner und seine Besucher pfeifen drauf. Die gehen längst wieder lieber in den Laden als ins Netz. Hier gibt’s sogar Zalando mit Zugang, auf der Köpenicker Straße in Kreuzberg. Da fällt schon mal der lästige Umtausch weg.

Kommentare (1)

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bama286

14.07.2013, 12:00 Uhr

Es heißt "Der Wedding". Also auch "im Wedding" oder ganz genau sogar "auf dem Wedding". Sagt ja auch niemand: "In St. Pauli" sondern immer "auf St. Pauli".

Da bekommt man ja Augenkrebs beim Lesen.

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