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05.04.2015

10:06 Uhr

Dress for success

Das unartig dekorierte Schanghai-Girl

VonInge Hufschlag

High Fashion aus China ist weder eine Kopie westlichen Stils noch Folklore, sondern eine elegante und erfolgreiche Verbindung von „East meets West“. Beste Beispiele dafür: Designer Lu Kun oder die Fotografin Chen Man.

Sinnlich und elegant: Der Designer Lu Kun versucht nicht, die Stile westlicher Designer zu kopieren. Inge Hufschlag

Mode aus China

Sinnlich und elegant: Der Designer Lu Kun versucht nicht, die Stile westlicher Designer zu kopieren.

SchanghaiEs waren die wilden 20er und 30er Jahre, als Schanghai als „Paris des Ostens“ galt. Damen und Dandys pflegten in der Stadt am Delta des Yangtse-Flusses einen ausschweifenden Lebensstil bis hin zur Dekadenz. Davon künden heute noch die kolonialen Prachtbauten an der berühmten Uferpromenade Bund ebenso wie die in lauschigen Gärten versteckten Villen und Pavillons in der ehemaligen Französischen Konzession.

Auch China hat seine Generation Y, die diesen lasziven Lebensstil in Mode und Möbeln, Hotels, Restaurants, Klubs wieder aufleben lässt. Das legendäre Schanghai erfindet sich neu. Seinen elegant-frivolen Mode-Stil findet man mit etwas Glück noch auf verblassenden Bildern inmitten von altem Hausrat auf Trödelmärkten am Rande der City – oder neu interpretiert im Mode-Atelier von Lu Kun. Für den bereits vielfach ausgezeichneten Designer ist Fashion irgendwie auch Art Deco – eine Art Dekoration eines idealen Frauenkörpers. Mit seinen auch mal unartig dekorierten Schanghai-Girls gilt der 34-jährige Modemacher als „chinesischer Galliano“.

Die Mode-Trends 2015

Safari

Chanel, Ralph Lauren und Rag & Bone begeben sich jenseits von Afrika auf Stilsafari und kombinieren Khakifarben zu Erdtönen und glamourösem Gold, langen Mänteln und Sandalen. Edle Stoffe wie Seide und Wildleder geben dem Look eine besondere Note. Toll dazu: Ethno-Accessoires.

Quelle: brigitte.de

New Denim

Auf den Fashion Weeks waren die Designer plötzlich alle verliebt in Denim von Kopf bis Fuß. Farblich lautet das Motto für 2015: Back to Basic. Die Töne reichen von Mittelblau bis zu dunklem Raw Denim, dabei verzichten die Designer auf Waschungen oder Dekor. Was die Schnitte und Formen angeht, wird Denim vielseitig: Jeansröcke in Mini- und Midilänge, weite Jeans-Culottes, Jeans mit Schlag, Jeansjacken, -Overalls und -Kleider. Alles ist erlaubt, solange Farbe und Waschung schlicht ist.

Clogs

Die Schuhe mit Holzsohle sind zurück – egal, ob als Sandale, Schlappen oder klassisch. Auf dem Laufsteg waren Clogs zum Beispiel bei Prada – in Kombination mit Söckchen – zu sehen. Günstigere Alternativen finden sich zum Beispiel bei Moheda, dem Klassiker aus Schweden, oder bei Softclox.

Niedliche Accessoires

Kulleraugen, Comic-Gesichter, Emoticons, und Sticker – überall ist es plötzlich niedlich, bunt und lustig. Schließlich darf man Mode mit Humor nehmen und nichts verpasst Ihrem Look so schnell ein Augenzwinkern wie bunte Ledersticker auf Ihrer Handtasche oder ein Portemonnaie im „Monster-Look“.

Siebziger

Was im letzten Jahr schon ordentlich Fahrt aufnahm, ist jetzt nicht mehr zu stoppen: die Schlaghose ist als „neue“ Hosenform quasi gesetzt, hippieske und bodenlange Kleider bestimmen den Sommer, Fransen, Silbersandalen und Blümchenblusen spielen die oscarverdächtigen Nebenrollen.

Gelb

Gelb ist auch im Frühjahr 2015 ein stilsicherer Begleiter in Richtung Sommer. Denn die Gute-Laune-Farbe bringt modische Mitspieler erst so richtig schön zur Geltung und ist ein beliebtes Kontrastmittel – sei es ein sonnengelber Rock zum dunkelblauen Jeanshemd oder ein zitrusfarbener Mantel zum Khaki-Look.

Overall

Bereits letzte Saison der heimliche Liebling der Designer, avanciert der Overall nun zum lässigen Sommerstar. Und zeigt sich vielseitig wie nie. Ob zarte Nude-Töne oder maskuliner Workwear-Look: mit hohen Schuhen, Taillenbetonung, Schmuck und roten Lippen bleibt’s trotzdem schön weiblich.

Marsala

Marsala heißt die Pantone-Trendfarbe fürs neue Jahr und ist – wie der gleichnamige sizilianische Likör – ein Mix aus Rostbraun und Dunkelrot. Die eigentlich eher herbstlich anmutende Farbe ist das Schlüsselelement vieler aktueller Sommerkollektionen und lässt sich von Kopf bis Fuß tragen. Aber auch Nude-und Erdtöne, Weiß, Grau oder Schwarz sind eindrucksvolle Gegenspieler.

Spitze

Ein Frühling, in dem Spitze kein Trend war, gibt es vermutlich nicht. Zumal die neue Hochzeitssaison vor der Tür steht und die Dessins gar nicht zart genug sein können. Trotzdem, Spitze ist spitze und getragen wird sie diese Saison entweder pur oder im raffinierten Stilmix mit groben Stoffen wie Strick, Wolle oder Leder.

Orange

Sie ist mutig und lässt in diesem Frühjahr und Sommer leuchten: orange ist eine der neuen Trendfarben 2015 und macht bereits jetzt Lust auf die Sonne. Ob als Rüschen-Top mit blaugrauem A-Linien-Rock oder als Allover-Look – Orange sind 2015 fast keine Grenzen gesetzt. Wer es lieber langsam angehen möchte, kombiniert einen orangefarbenen Blazer mit einem weißen Top und einer zartblauen Stoffhose. Auch harte Kontraste sind erlaubt. So bilden Modefarbe Orange und Dauerbrenner Schwarz ein ideales Paar. Cremetöne sind ebenfalls erlaubt, wenn es der Teint hergibt. Dazu goldener Schmuck.

Lu Kun ist in Schanghai geboren. Sein Vater war ein einfacher Arbeiter, seine Mutter fegte Straßen. Und dachte dabei praktisch, wenn es um die Berufswahl des Sohnes ging, der sich früh für die schönen Dinge des Lebens interessierte und gerne malte: „Make up brauchen die Leute nicht unbedingt, auch nicht Deine Ideen für Innenarchitektur. Aber Kleider. Werde Schneider, da brauchst Du nur eine Nähmaschine.“ Nicht ganz. Auch ein Händchen für den Stoff, aus dem Modeträume sind. Schöne Kleider aus zarten, fließenden Stoffen, oft reich verziert mit Pailletten und Glitzersteinchen, raffiniert in ihren körperbetonten Schnitten, bühnenreif – aber auch mal ironisch im Bling-Bling-Tarn-Look.

Mode, die Begehrlichkeiten weckt, doch nicht so leicht zu finden ist in der Millionen-Stadt. Deshalb gehört ein Besuch in Lu Kuns verstecktem Atelier in einer alten Uhrenfabrik auch zum Programm der Peninsula Academy, mit dem das Luxus-Hotel seinen Gästen Touren und Besichtigungen abseits der Touristen-Ströme offeriert, auch unter dem Titel „Art in Focus“ Orientierungshilfe im Labyrinth der überall sprießenden Kunst-Galerien.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag posiert mit Designer Lu Kun. Er gilt als coolster Modedesigner Chinas und gehört zu den wenigen Kreativen aus der Volksrepublik, die sich auch im Westen einen Namen machen konnten. Inge Hufschlag

Der coolste Designer Chinas

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag posiert mit Designer Lu Kun. Er gilt als coolster Modedesigner Chinas und gehört zu den wenigen Kreativen aus der Volksrepublik, die sich auch im Westen einen Namen machen konnten.

Die Idee zu „Modern Shanghai Chic“ entstand bei einer Foto-Session in den Art Deco-Kulissen des Hotels. In seinem kunterbunten Atelier erklärt Lu Kun seinen Gästen gern seine Kollektionen, in denen er „the Best from East and West“ zu großen Roben verbindet. Er entwirft und fertigt in Schanghai, denn wie seine westlichen Kollegen weiß er: „Wenn die Fabrikation zu weit weg ist, wird es schwer, die Qualität zu kontrollieren.“ Der Kenner sieht’s deutlich, wenn er die Mode mal auf links dreht. Oder die einzelnen Knöpfe bestaunt.

Auch Paris Hilton hat schon Lu Kun für sich entdeckt. Die deutsche Designerin Susanne Wiebe, lud ihn nach München ein. Ein früheres Angebot von Dolce & Gabbana hat der Shooting Star aus Schanghai ausgeschlagen, sein eigenes Label war ihm wichtiger: „Ich habe meine Lektion gelernt: Geh deinen eigenen Weg.“

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