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29.09.2011

12:20 Uhr

Dress for Success

Der Möödemacher – ein modernes Märchen

VonInge Hufschlag

Dress for Success gilt auch für Modemacher. Doch gerade wer Dress Codes aufstellt, kann sie auch umschmeißen. Schrägstes Beispiel: Harald Glööckler.

Der Modedesigner Harald Glööckler liebt die große Bühne: Die hat er wieder am Sonntag beim Deutschen Fernsehpreis. picture alliance

Der Modedesigner Harald Glööckler liebt die große Bühne: Die hat er wieder am Sonntag beim Deutschen Fernsehpreis.

MünchenWie sieht Deutschlands erfolgreichster Modemacher aus? Wie Karl Lagerfeld, ganz in schwarz mit Sonnenbrille und gepudertem Zöpfchen? No. Der gilt längst als Franzose. Wolfgang Joop? Als gelifteter Wolf im legeren Dress? I, wo. Der hat doch seinen Namen verkauft wie Schlemihl seinen Schatten. Deutschlands erfolgreichster Modemacher heißt Harald Glööckler.

Manche meinen, der Mann sähe unbeschreiblich aus. Andere haben ihn versucht zu beschreiben: Prinz Karneval der Modebranche, deutsche Antwort auf Versace, Mischung aus Zarah Leander und Elvis, Coco Chanel auf LSD oder Kevin Kuranyi unter Starkstrom.

Kann so einer auch noch „Der Freund der reifen Damen“ sein? Kann er. Ist er. Sie lieben ihn, beten und schreiben ihn an. Der Prince of Fashion zitiert aus seiner Fanpost: „Die Frauen schreiben: Sie haben mein Leben verändert, ja, sie haben es gerettet.“ Mit Mode.  

Statt des Vermögens verdoppelte er sein ö im Namen

Und das kam so: Am Anfang, so geht die Mär, stand ein Missverständnis. Glööcklers wünschte sich mehr Verkaufsraum und eine eigene Fernsehshow. Eine gute Fee verquirlte das mit ihrem Zauberstab zu Teleshopping. Das ist seitdem Glööcklers Bühne, auf der er sich mit seiner pompöösen Mode mit Schößchen und Volants, beflügelten Stickereien und Krönchen aus Strasssteinchen immer wieder neu produziert. Zuerst für HSE 24, jetzt für den Marktführer QVC. Längst liegen Anfragen aus Frankreich, Italien, Korea, Russland, den Arabischen Emiraten und USA vor, er möge doch auch für sie auf Sendung sein.

Das lief nicht von Anfang an so. Statt des Vermögens verdoppelte der geborene Glöckler erstmal das ö in seinem Namen und damit schon mal seinen Bekanntheitsgrad. Der liegt nach eigener Angabe inzwischen bei 80 Prozent. Mit jedem exzentrischem Auftritt, rüschenbesetzt, schmuckbehangen, zog das Geschäft an, verzog das missgünstige Modevölkchen sein Gesicht. Der Möödemacher wurde und wird belächelt, verspottet und: beneidet. Doch nach verflixten sieben Jahren findet keiner mehr die Story primitiv.

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