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05.07.2011

08:20 Uhr

Dress for Success

Die Börse zieht an. Und was der Mann?

Was ist die richtige Business-Mode zum Aufschwung? Erdfarben und elegante Linien helfen der Karriere. Denn wer bis 67 schaffen muss, soll dabei wenigstens gut aussehen.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle.

Gibt es eigentlich so etwas wie Krisenklamotten? Zieht Mann sich in schwierigen Zeiten besser oder schlechter an? Die Krise ist – vorläufig – überwunden, die Börse zieht wieder an. Und was trägt der Mann dazu? Der traut sich und dem Wirtschaftsaufschwung offensichtlich noch nicht so ganz und geht (auch) mit der Mode lieber auf Nummer sicher. In den Fußgängerzonen der Finanzmetropolen fallen immer noch die Unauffälligen auf, denen offensichtlich ein Dress(ier)-Code eine modische Tarnkappe angepasst hat. Sie wirken wie geklont, die smarten Business Boys in ihren toughen Tarnanzügen. Bevorzugte Farben? Non Colours. Kleidung ist immer auch Kommunikation. Also: Bloß keine Extravaganzen wagen – weder im Kleiderschrank noch bei den Kreditkonditionen. Sondern: Immer schön Seriosität signalisieren.

Die jungen Karrieristinnen haben sich ihren männlichen Kollegen längst angepasst: leicht antaillierter Business-Hosenanzug, weiße, vielleicht gerade noch pastellfarbene Hemdbluse, sich selbst und die Haare streng zurückgenommen. Der Hemdenspezialist van Laack hat einen korrekten dunkelblauen Damenanzug jetzt mit einem augenzwinkernden Detail ausgestattet: mit hellen, farblich kontrastierenden Stoffflecken auf den Ärmeln. Dort, wo der Ellenbogen sitzt, den frau bei aller Quotenquasselei immer noch zeigen muss, wenn sie nach oben will.

Solch kleine Details und ein bisschen mehr Flexibilität täte auch der männlichen Business-Mode gut. Wie das aussehen könnte, konnte man gerade bei den Pariser Männermodenschauen sehen. Die Silhouetten bleiben schlank, kleben aber nicht mehr am Körper, umspielen ihn eher mit lockerer Weite bei schmaler Schulter und kurzen Jackett-Längen. Ein Schuss Stretch im Gewebe gibt seinem Träger die nötige Bewegungsfreiheit beim Aufschwung. Die Gewebe wirken glatt, aber nicht glänzend. Eine elegante Mattigkeit sei zumindest an der Stoffoberfläche gestattet nach der Krise, in der viele an Gewicht verloren, aber nur wenige den Gürtel enger geschnallt haben. Bei Dior und Paul Smith saß der Hosenbund manchmal so locker auf die Hüfte, dass noch ein Colt reingepasst hätte.

Offenbar sind auch an der Seine Dienstwagen gestrichen worden. Selbst Designer von Top-Marken kommen inzwischen mit einem Ve’lip, einem Leihfahrrad ins Studio. Dafür haben sie sich schicke lange Fahrradparkas zu schmalen Hosen geschnitten. Street Spirit scheint angesagt. Als Typen dazu hat das Deutsche Mode Institut „individuelle Everyday Heroes“ ausgemacht „mit einer Prise Melancholie oder einem Schuss Darkside“. Das können schöne, ausgebrannte Erdfarben sein. Da bekommt sogar Burnout eine positive Bedeutung.

Auch Star-Designer Paul Smith kombiniert gediegene Urbanität mit leicht exotischen Tönen. Man denkt an Edelhölzer oder Sahara-Sand. Louis Vuitton verarbeitet Maissai-Muster, Lanvin lanciert Uniformjacken, die aber nicht uniform wirken. Eine besonders elegante Linie erinnert ans Hollywood der 40-er Jahre und empfiehlt sich für die Post-Praktikum-Periode: Der klassische Zweireiher mit lässiger, nach unten ausgestellter Hose. Wer bis 67 schaffen muss, sollte dabei wenigstens gut aussehen.

Nicht nur Paris zeigte mal wieder, dass Mode und Börse etwas gemeinsam haben: Ihre Zuverlässigkeit in der Beständigkeit des Wechsels. Und dass Mann im Aufschwung modisch nicht im Trübsinn stecken bleiben muss.

 

 

 

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Kommentare (3)

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deruebersWassergehenkann

05.07.2011, 10:25 Uhr

ich würde beim nächsten Friseurbesuch den Topf weglassen, das ist sowas von OUT

andycayoon

05.07.2011, 10:39 Uhr

Den Zusammenhang zwischen Krise und Klamotten habe ich nicht verstanden. In Wirklichkeit geht es den Klamottenhändlern und Herstellern doch immer nur darum, zu verkaufen. Nachvollziehbar. Aber warum plötzlich eine nach unten ausgestellte Hose oder ein Zweireiher (leicht ältlich wirkend), plötzlich entspannend sein soll und das Arbeitsleben bis 67 sicher stellen soll,bleibt wohl ein Geheimnis der Autorin. In den letzen Jahren mußten es partout enge Anzüge sein, neulich wußte einer aus der Branche, der sich selbst gern reden hörte, dass "die Leute es leid sind, sich einzwängen zu lassen". Wenn man sich die weiten Klamotten von vor einigen Jahren ansieht, kann man nur sagen: Selten so einen Blödsinn gehört. Es wundert nur, dass die immer wieder zu wissen glauben, was für die Kunden gut ist. Und ich dachte immer, der Kunde sei König und das Angebot richtet danach.

Account gelöscht!

05.07.2011, 11:44 Uhr

Dress for Beschiss: Wer an der Spitze ist, dem kann ist das doch Jacke wie Hose. Siehe: www.guardian.co.uk/news/blog/2007/jan/30/darnitwolfowi

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