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04.01.2015

13:57 Uhr

Dress for Success

Die Zukunft wird rosarotbraun

VonInge Hufschlag

Schrill war gestern: Wer im neuen Jahr den richtigen Ton treffen möchte, kann sich dabei von Farbtrendforschern inspirieren lassen. Aktuell empfiehlt Pantone einen süffigen Farbton: Marsala.

Auf Radiant Orchid folgt Marsala: Michael Kors verwendet die Farbe bereits für seine Kollektion. ap

Auf Radiant Orchid folgt Marsala: Michael Kors verwendet die Farbe bereits für seine Kollektion.

War es im gerade vergangenen Jahr 2014 mit Radiant Orchid ein leuchtendes (Frauenpower?) Lila, das vom farbautoritären amerikanischen Pantone Color Institute propagiert wurde, so ist es für das neue Jahre ein eher süffiger Farbton: Marsala. Ein gedecktes uriges rosarotbraun, das ältere Semester an die Farbe von Bohnerwachs in der Nachkriegszeit erinnert, für jüngere Semester aber einen diskreten Charme haben kann. Schrill war gestern.

Anders als der gleichfarbige Likörwein, der durchaus funkeln kann, wirkt Marsala flächig aufgetragen vielleicht etwas blass. Kann man aber auch subtil sehen. Eine dunkelhaarige Freundin, eher der Schneewittchen-Typ, der die Weinnote gut zu Gesicht stehen würde, übersetzt diesen Farbton auf deutsch mit „müde Himbeeren“.

Für Marsala gilt wohl wie für alles Alkoholische das Rezept: in Maßen genießen stimuliert und beruhigt es – zur viel beeinträchtigt die Wahrnehmung: Man sieht verschwommen. Aber man kann sich ja einen eigenen bekömmlichen Farb-Cocktail mixen, beispielsweise Marsala mit Grau- oder Gold-, im Retro- oder Biedermeier-Look gern auch mit Türkistönen.

Pantone und die Trendfarben

Pantone Color Institute

Seit über einem Jahrzehnt wählt Pantone jedes Jahr aufs Neue die Trendfarbe für das darauffolgende. Auf Vorgänger wie Radiant Orchid (2014) und Emerald Green (2013) folgt nun Marsala, ein warmes und exotisches Bordeauxrot.

Quelle: elle.de/pantone.de

Die Auswahl

Bei der Auswahl orientiert sich das Institut überwiegend an Fashion- und Beauty-Kollektionen, zudem an Orderzahlen verschiedenster Einkäufer, wirtschaftlichen Faktoren und generellen Trendbeobachtungen.

Fündig wird das Unternehmen...

...in Mode und Unterhaltungsindustrie, zum Beispiel in Filmen, die sich noch in der Produktion befinden, sowie in Kunstausstellungen und bei angesagten Künstlern, an populären Reisezielen oder bei anderen sozio-ökonomischen Gelegenheiten.

Einflüsse können auch...

...aus dem Bereich der Technologie stammen, beispielsweise von neuen Fasern und Effekten, die Farben beeinflussen, aber auch von bevorstehenden Sportveranstaltungen, die weltweites Interesse auf sich ziehen.

Die Begründung

Leatrice Eiseman, Executive Director des Farbinstituts, begründet die Wahl wie folgt: „Marsala ist eine subtile, verführerische Nuance, die uns mit ihrer Wärme umfasst. Dieser herzliche und doch stylische Ton ist im universellen Verständnis anziehend und lässt sich ganz einfach auf Mode, Beauty, Design und Interieur übertragen.“

Farbe für Frühjahr und Sommer 2015

Designerin Victoria Beckham zeigte beispielsweise einen Anzug im Stil der Siebzigerjahre in Marsala, Christopher Kane wählte die Farbe für eine Satinjacke mit üppigem Schößchen aus Tüll und Jason Wu entschied sich für ein fließendes Seidenkleid in der Weinrot-Nuance.

Geschmackvolle Raffinesse

Tiefgründig und charismatisch soll Marsala für geschmackvolle Raffinesse sorgen. Der Farbton kann in alle Pantone-Bibliotheken übersetzt werden, einschließlich Pantone Plus für den Bereich Grafikdesign.

Vielleicht wird ja eine Farbe wie Wein im Alter immer besser. Neu jedenfalls ist Marsala nicht. Auf Möbelmessen, im Wohnbereich (Beispiel: Sofa „Elm“ von Cor), vor allem aber im Hotel-Design sorgt der warme Ton schon länger für Furore. Immer wieder fand man sich bei Hotel-Eröffnungen oder –Renovierungen in cool maskulin wirkenden Zimmern, die bis zur Bettwäsche in Schwarzbraun/Aubergine beziehungsweise Marsala eingerichtet waren, aufgehellt mit schimmerndem Silbergrau, dann aber streng gestreift. Entsprechende Eleganz für Zuhause gab’s ganz schnell auch bei Zara Home oder Habitat. Marsala Mainstream sozusagen.

Pantone empfiehlt sein Weinrot auch im Grafik-Design und für die Standgestaltung. Es verleihe Verkaufsflächen „einen verführerischen Schimmer“. Wirkt irgendwie wertig. Klassiker wären marsalafarbene Buchrücken – so lange es noch welche gibt…

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle.

Wie kommen die eigentlich drauf, die Farbforscher? Fündig werden sie bei der Beobachtung von Modeströmungen, auf laufenden Filmproduktionen, Kunstausstellungen oder überhaupt im kunterbunten Multi-Kulti-Miteinander. Hat eigentlich schon mal Jemand den Einfluss von Farben auf die Konjunktur oder umgekehrt erforscht? Welche Farbe hat die Krise? Vielleicht frei nach Wilhelm Busch: „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“? Pantone jedenfalls sieht die Zukunft braunrosarot. Marsala wirke wie „satte Zufriedenheit nach einer gelungenen Mahlzeit.“ Na, dann: Prost Neujahr!

Kommentare (2)

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Herr Francesco Sinibaldi

05.01.2015, 15:21 Uhr

Une chanson pleine d'espoir.

La naturalité
des émotions
est comme une
lumière qui
remplit le matin
quand l'aube
de l'espoir
revient dans
le coeur.

Francesco Sinibaldi

Herr Francesco Sinibaldi

05.01.2015, 15:22 Uhr

Une chanson pleine d'espoir.

La naturalité
des émotions
est comme une
lumière qui
remplit le matin
quand l'aube
de l'espoir
revient dans
le coeur.

Francesco Sinibaldi

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