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18.01.2015

16:37 Uhr

Dress for Success

Kann denn Mode Sünde sein?

VonInge Hufschlag

Die Jogginghose wird salonfähig: Immer mehr Designer entdecken das weite und formlose Beinkleid mit Gummizug und erklären es zum alltagstauglichen Kleidungsstück. Ein Designer stand zunächst gar nicht zu diesem Trend.

Hat Lagerfeld die Kontrolle verloren? In einem „Supermarkt“ präsentierte er den Cindy-aus-Marzahn-Look für Chanel. AFP

Hat Lagerfeld die Kontrolle verloren? In einem „Supermarkt“ präsentierte er den Cindy-aus-Marzahn-Look für Chanel.

Karl der Große redet ja meist Klartext, wenn’s um Mode geht. So auch, als er in der Talk-Show von Markus Lanz erklärte: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Den besten Gegenbeweis lieferte Lagerfeld selbst mit seiner Chanel-Kollektion für Herbst/Winter 2015 in einer Supermarkt-Kulisse. Was trugen seine mürrischen Models bei der Paris Fashion Week auf dem Catwalk? Lockere Leggings, pumpige pinkfarbige Sweat-Pants, zum Teil modisch durchlöchert. Cindy von Marzahn in kleinen Größen.

So eine Jogging-Hose hat ja bekanntlich famose Vorteile, auch bei der Vermarktung: Es gibt so gut wie keine Passform-Probleme. Der Grund: Nicht nur diese Bein-Freiheit, sondern auch das dieses tolle Bündchen (Nein, nicht Gisele, das super-sexy Top-Model, sondern der super-elastische Gummizug).

Jogginghose und Mode: Pro und Kontra

Die Jogginghose

Auf den Laufstegen in Paris und Mailand ist die Jogginghose längst kein Tabu mehr. Designer wie Stella McCartney bieten den Schlabber-Klassiker für 2014 als Teil stadttauglicher Glamour-Sport-Outfits an. Und wer die Jogginghose in vollem Ausmaß würdigen will, nimmt außerdem am 21. Januar am „Internationalen Jogginghosentag“ teil. Vier Gründe, warum es in Ordnung ist, in Jogginghosen öffentlich herumzuspazieren – und vier Gründe, warum das gar nicht geht.

Quelle: abendblatt.de

Pro 1

Es gibt kaum ein bequemeres Kleidungsstück. „Entspann Dich und trag die Jogginghose einfach den ganzen Tag, egal ob in der Schule oder bei der Arbeit“, appellieren die Initiatoren des „Internationalen Jogginghosentags“. Auf Facebook haben bereits Zehntausende „Freunde des bequemen Beinkleides“ ihre Zustimmung signalisiert.

Pro 2

Jogginghosen sind unkonventionell. Jogginghosen seien immer ein stückweit Provokation, sagt außerdem der Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts, Gerd Müller-Thomkins.

Pro 3

Jogginghosen können stilvoll wirken – bei Frauen. „Wer in der Öffentlichkeit angezogen wirken möchte, sollte dazu aber hohe, elegante Schuhe tragen“, sagt Stilberaterin Ines Meyrose. „In Branchen, deren Dresscode kein Kostüm vorschreibt, können ,Jogpants' stylisch wirken, wenn sie zum Beispiel noch mit einem Blazer kombiniert werden“.

Pro 4

Jogginghosen sind Ausdruck von Individualität. Gerade in kreativen Branchen könnten Frauen sich mit eleganten Designermodellen hervorheben, sagt Meyrose, die Mitglied im Interessenverband deutscher Farb- und Stilberater ist.

Kontra 1

Jede Kleidung hat ihren Zweck und ihre Daseinsberechtigung – und Jogginghosen sind nur zum Sporttreiben da. „Jogginghose bleibt Jogginghose, auch wenn sie von einem Designer stammt“, sagt Agnes Jarosch, Leiterin des Deutschen Knigge-Rates. „Im Fitnessstudio, in der Freizeit, dort gehört sie hin.“

Kontra 2

Jogginghosen haftet immer noch etwas Proletenhaftes an. „Die Jogginghose stammt ja ursprünglich aus der Eisenbieger-Szene, dem Vorläufer der Fitnesskultur“, sagt Müller-Thomkins.

Kontra 3

Wer als Mann in Ballonseide durch die Fußgängerzonen flaniert, wirkt ungepflegt. Wenn Männer in der Öffentlichkeit gemütlichere Hosen tragen wollten, sollten sie im Sommer zu weiten, luftigen Leinenhosen greifen.

Kontra 4

Jogginghosen sind beleidigend. „Kleidung ist eine Wertschätzung des Anlasses und des Gastgebers“, sagt Jarosch. Wer zum Beispiel auf einer schicken Hochzeit in Jogginghosen auftaucht, verhalte sich respektlos.

So ein elastisches Teil kann man gut und gerne den ganzen Tag tragen. Sogar des Nachts. Dachten sich sicher auch die vier jungen Österreicher, als sie via Facebook den 21. Januar als den „Tag der Jogginghose“ ins Leben riefen gegen die Diskriminierung bolleriger Beinkleider. Das gefiel spontan fast 50.000 Followers. Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Hilft die Hose mittels Schleifchen vorm Bauch doch Manchem, die Plätzchen-Plautze von Weihnachten zu kaschieren.

Getadelt und geadelt: Der Schlabber-Look

Von Lagerfeld getadelt, von Yohji Yamamoto für Adidas längst geadelt: Der Schlabber-Look. Nachdem der japanische Avantgardist 2000 beim Sportschuhhersteller Schuhe für seine Fashion-Show bestellt hatte, entstand die Idee der Kooperation von zwei Kultmarken. Ihr Name: Y – 3, Y für Yamamoto, 3 für die berühmten drei Streifen.

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