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22.09.2011

10:54 Uhr

Dress for Success

Leder und Dirndl sind Pflicht auf der Wiesn

VonInge Hufschlag

Busserl- statt Business-Look: Während des Oktoberfests gibt’s strenge Dresscodes. Tracht ist Pflicht. Ein Mode-Wegweiser

Ein Kommentar von Modeexpertin Inge Hufschlag. Alexander Basta

Ein Kommentar von Modeexpertin Inge Hufschlag.

MünchenBis zum 3. Oktober gilt: Bierbank bringt mehr als Bad Bank. Denn so lange ist München „die Maß“ aller Dinge. Die Wiesn hat einen Wirtschaftswert von einer geschätzten Milliarde Euro. Dafür sorgen über 600 Betriebe, die sechs Millionen Besuchern zigtausende Hendl servieren und  sieben Millionen Liter Bier ausschenken. Apropos Schenken: Eine Einladung zum Oktoberfest ist nie billig. Wer dabei sein möchte, wo Stars und Sternchen schunkeln, muss Tracht tragen. Die ist Pflicht.

Den drallen Dress, das duftige Dirndl und die kernige Krachlederne nebst Drunter und Drüber gibt’s wahlweise im Internet, als Billigversion bei Tchibo, Otto, C&A & Co. oder bei Spezialausstattern. Die erkennt man am klangvollen Namen wie Wiesenprinz oder Hammerschmid oder wenn die Umhängetasche Adelheid heißt.

Haben’s alles beisammen bis zum Wamserl und Waderl, den Dirndl-BH und den Folklore-Klunkern? Schön. Doch kommen Sie auf keinen Fall wie neu daher, wie ein gestriegelter preußischer Dackel mit aufgerüschter Begleitung. Den wahren Wildbock auf der Wiesn erkennt man an seinen Gebrauchsspuren. Ein glanzvoller Auftritt auf der Wiesn ist speckig. Also: vorher schon mit guter Butter abschmieren, wachsen oder – ganz zünftig – mit Melkfett einreiben, wie’s der Dirty Schuhplattler-Dancer macht, damit’s schöner klatscht. Nicht mehr zu schaffen?  Dann im Schnelldurchgang: Immer fleißig die Hendl-Finger an der neuen Hose abwischen. Egal, was die gekostet hat.

Achten Sie bei ihrer Lederhose auf Qualität: Schwein ist schön. Stilechter sind aber Hirsch und Wildbock. Luxus für Weicheier: geschmeidiges Rehleder. Darüber, für mehr Bewegungsfreiheit beim Schunkeln und so, ein weites Leinenhemd, auch Pfoad genannt.  Jungspunde (noch) ohne Bierbauch zeigen sich heuer gern im körperbetonten Vichy-Karohemd. Der Feingeistige trägt Samtweste über’m Herzl.

Das traditionelle Dirndl (ursprünglich Arbeitskleidung der Mägde, der Dearndl) besteht aus Rock mit Halbschürze, strammem Mieder und mehr weniger offenherzigem Leiberl. Ganz traditionell: Die verheiratete Frau bindet ihr Dirndl rechts, unverheiratete und solche, die auf Wiesn dafür gehalten werden möchten, sind links gebunden.

Darf Frau auf der Wiesn auch der Lederhose aufkreuzen, wie einst die Mägde auf dem Gang zur Alm. Praktisch ja, wenn’s oben rum schön weiblich bleibt. Wiesenluder sind auch schon in knappsten ledernen Hot Pants und pinkfarbenem T-Shirt mit großzügigem herzförmigen Klohäuschenfensterausschnitt gesichtet worden.

„Tracht betont sehr stark das weibliche und männliche Element“, diagnostiziert nüchtern Gestalttherapeutin Brigitte Veiz, Autorin von „Das Oktoberfest – Masse, Rausch und Ritual“. Solch kurzzeitiges Verkleiden sei so was wie „Heimat zum Anziehen“.  

Kommentare (1)

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23.09.2011, 12:16 Uhr

Wer dann mal auch zu Hause bayrisch kochen möchte, holt sich am besten die iPhone-App "Schmankerlrezepte" von und mit Wiesn-Koch Andreas Geitl. Klasse Funktionen und tolle Rezepte, sehr empfehlenswert.
http://itunes.apple.com/de/app/schmankerlrezepte-bayerisch/id466004597?l=de&ls=1&mt=8
Lasst's Euch schmecken!

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