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28.04.2012

14:11 Uhr

Dress for Success

Mao-Look und ein Hauch von räudigem Nerd

VonInge Hufschlag

Wie eine Partei in Mode kommt, ohne viel (aus sich) zu machen: Die Piraten verwechseln Lässigkeit beim äußeren Erscheinungsbild mit Nachlässigkeit.

So richtig Mühe geben sich die wenigsten Piraten, wenn es um ein modisches Auftreten geht. dpa

So richtig Mühe geben sich die wenigsten Piraten, wenn es um ein modisches Auftreten geht.

Wie sieht ein Pirat aus? Wie ein Playmobil-Männchen? Gegen den Vergleich hat sich der Spielzeug-Hersteller schon gewehrt. Wie Johnny Depp im „Fluch der Karibik“ oder einst Errol Flynn als „Herr der sieben Meere“? Politik mit Hakenhand und Augenklappe, das hat uns gerade noch gefehlt.

Nicht doch! Ein Blick in die Runde des Bundesparteitages der Piraten offenbart ein Sammelsurium wie aus einer Altkleider-Schatzkiste: ein buntes Bild, aber beileibe kein modisches. Die Lieblingsteile der jungen Freibeuter sind schnell ausgemacht: Kapuzen-Jacke mit ausgeleierten Langärmeln überm Themen-T-Shirt (scheint Kult-Kluft bei den Piraten zu sein), Ringelpullis (gern grau), Karo-Hemden (oft mit nur halbem Arm).

U-40 mit Jeans, Ü-60 (setzen Piraten gern als U-Boote zur Verteidigung ein) immer noch oder schon wieder mit ausgebeulten Cordhosen. Dazwischen ist stilmäßig alles möglich: Hare Krishna und Spät-Hippie, Arbeiter- und Bauern-Staat, Mao-Look und Springer-Stiefel, hier und da ein Hauch von räudigem Nerd.

Übrigens: Die Mädels halten mit. Auf der Suche nach Netzwärme wollen sie besser nicht anders aussehen als die Jungs mit Hütchen und Pferdeschwanz oder beidem (Anmache: „Hasse ma’n Haargummi?“). Fraktionsgeschäftsführer Delius (gehört zur Schwänzchen-Fraktion) übt schon mal den schmaleren Til-Schweiger-Look mit schlicht-schwarzem T-Shirt unter einem Sakko, das sitzt.

Kommentare (8)

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uk971

28.04.2012, 15:56 Uhr

Ein selten dämlicher Artikel - wohl eher eine neurotische Vorstellung, dass jeder nach der Pfeife irgendwelcher Modezaren tanzen muss. Wer Rückgrat hat, entscheidet für sich selbst. Im übrigen sollte es beim Parteitag um Inhalte gehen, nicht um Mode.

Kojote

28.04.2012, 16:37 Uhr

Modisches Einerlei, saisonale Kleidungsmonokultur - diktiert von selbsternannten Modepäpsten, Stylingexperten, überflüssigen Dresscodes, durchgeknallten Designern, Boulevard- und Klatschpresse, unbekannten Z-Promis, magersüchtigen Models, überflüssigen Kritikern, die sich in ihrer Selbstverliebtheit gerne als Meinungs- und Stilbildner sehen und doch nur eitle Selbstdarsteller sind - ach nein, das ist ja so langweilig. Das ewige "hippe Geschäft" der Mode besteht darin, eine Verkleidung zur Selbstkaschierung zu erfinden, dessen Look sich jährlich saisonal verändert, damit der Umsatz stimmt. Der Sinn dieser zwanghaften modischen Selbstinzinierung ist Blendertum und eitles Gehabe - "Kleider machen Leute". Und was für welche!

Der ewige merkelsche Hosenanzug, die Einheitsanzüge aus dem Baukastenset der männlichen Kollegen - so abgedroschen, so verlogen. Alle sehen gleich aus und alle plappern das gleiche politische Pseudogequatsche.

Jetzt kommen plötzlich "normale Homo sapiens" um die Ecke, machen Politik, verstellen und verkleiden sich nicht und haben auch noch unerwarteten Erfolg. Dieser Erfolg der Piraten ist sicherlich auch ihrem unbekümmerten Auftreten zuzurechnen. Den ihr nicht vorhandenes modischen Auftreten spielt für diesen Erfolg überhaupt keine Rolle. Mode ist in diesem Business überflüssig!!! Sie haben das, was die etablierten politischen Monokultur-Darsteller längst verloren haben - Authentizität.

Wir brauchen keine modischen Möchtegern-Politiker, wir brauchen Menschen, die diesem heruntergekommenem, einfallslosen und visionslosem politischen System wieder mehr Farbe geben. Sind wir da etwa wieder bei der Mode?

Account gelöscht!

28.04.2012, 17:18 Uhr

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