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26.04.2015

12:43 Uhr

Dress for Success

Nicht die Größe ist entscheidend

VonInge Hufschlag

Wie sieht der perfekte Busen aus? Der britische Chirurg Patrick Mallucci hat das erforscht. Aus wissenschaftlicher Sicht, versteht sich. Und tatsächlich gibt es einen entscheidenden Faktor, der die Schönheit bestimmt.

Es kommt auf die Proportionen an, nicht auf die Größe, sagt Chirurg Patrick Mallucci. Oberhalb der horizontalen Linie, die durch die Brustwarze führt, sollte rund 45 Prozent und unterhalb rund 55 Prozent des Brustvolumens liegen.

Die perfekte Brust

Es kommt auf die Proportionen an, nicht auf die Größe, sagt Chirurg Patrick Mallucci. Oberhalb der horizontalen Linie, die durch die Brustwarze führt, sollte rund 45 Prozent und unterhalb rund 55 Prozent des Brustvolumens liegen.

DüsseldorfDie Herren im Salon des Interconti-Hotel an der Düsseldorfer Kö sind elegant gekleidet. Heraus sticht eine junge Dame im weißen Damenmantel. Sie ist als Brust-Model geladen. Agnes Guacinski macht das schon zum vierten Mal, erzählt sie.

Diesmal auf einer Pressekonferenz zum 3rd International Breast Symposium (IBSD), zu dem mehr als 300 Experten aus Europa und Übersee angereist sind. Das herausragende Thema: Die perfekte Form der weiblichen Brust. Aus wissenschaftlicher Sicht, versteht sich.

Chronologie des Brustimplantate-Skandals

2009

Die in Frankreich für die Sicherheit von Gesundheitsprodukten zuständige Behörde Afssaps erhält anonym einen Hinweis darauf, dass die Firma Poly Implant Prothèse (PIP) bei der Herstellung ihrer weltweit verkauften Brustimplantate aus Silikongel illegale Methoden verwenden könnte. Erste Nachforschungen bestätigen den Verdacht zunächst aber nicht.

März 2010

Nach einer weiteren Kontrolle lässt die Afssaps die von PIP hergestellten Brustimplantate vom Markt nehmen. Als Grund nennt sie die vergleichsweise hohe Reißanfälligkeit der Produkte. Es sei zudem festgestellt worden, dass Implantate nicht mit dem Gel gefüllt waren, das die Firma in den Herstellungsunterlagen angegeben hatte. PIP muss Konkurs anmelden.

April-Juli 2010

Die französische Justiz beginnt erste Ermittlungen wegen des Verdachts des schweren Betrugs und Gesundheitsgefährdung. Die ersten Zivilklagen gehen ein.

November 2010

Ein Opferverband reicht eine Zivilklage gegen den TÜV Rheinland ein, der die PIP-Implantate zertifiziert hat.

Dezember 2011

Die französische Justiz leitet Vorermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und Tötung ein. Hintergrund ist die Anzeige einer Mutter, deren Tochter PIP-Implantate trug und an Krebs starb. Zwei Wochen später, am 23. Dezember, empfehlen die französischen Behörden in einer beispiellosen Aktion 30.000 französischen Frauen eine vorsorgliche Entfernung ihrer PIP-Brustimplantate – andere Länder wie Venezuela folgen. Kurz vor Neujahr wird bekannt, dass mindestens 20 Frauen mit Billig-Silikonbusen an Krebs erkrankt sind. Die Afssaps betont allerdings, dass kein Zusammenhang zwischen Tumorentstehung und Implantaten bewiesen sei.

Dezember 2013

Der PIP-Gründer wird in Marseille wegen Betrugs und Verbrauchertäuschung zu vier Jahren Haft und einer Geldstrafe von 75.000 Euro verurteilt. Ein Berufungsgericht bestätigt im Mai 2016 die Haftstrafe.

April 2015

Der Bundesgerichtshof legt dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg Fragen zur Auslegung europäischer Vorgaben bei der Kontrolle von Medizinprodukten vor, zu denen auch Silikonimplantate gehören. Hintergrund ist die Schmerzensgeldklage einer Frau aus der Vorderpfalz. Sie wirft dem TÜV Rheinland vor, das Unternehmen PIP nicht ausreichend überwacht zu haben und verlangt 40.000 Euro Schmerzensgeld.

Juli 2015

Ein Berufungsgericht in Aix-en-Provence bescheinigt dem TÜV Rheinland, seine Verpflichtungen bei der Zertifizierung der PIP-Produkte erfüllt zu haben. Es hebt damit ein Urteil eines Gerichts in Toulon vom November 2013 auf, demzufolge die Prüforganisation seine Pflicht zur Kontrolle verletzt hatte und Importeure sowie Opfer entschädigen sollte.

Januar 2017

Das Handelsgericht in Toulon verurteilt den TÜV Rheinland erneut zu Schadenersatz in Höhe von insgesamt etwa 60 Millionen Euro, die es rund 20.000 Klägerinnen zuspricht.

Februar 2017

Der Europäische Gerichtshof urteilt, dass Stellen wie der TÜV nicht grundsätzlich verpflichtet sind, Medizinprodukte wie Implantate selbst zu prüfen oder unangekündigte Kontrollen bei den Herstellern durchzuführen. Damit können Frauen kaum noch auf Schmerzensgeld vom TÜV Rheinland hoffen.

Professor Christoph Andree, Chefarzt Plastische und Ästhetische Chirurgie und Ärztlicher Direktor der Sana Kliniken Düsseldorf, betont: „Die Proportionen bestimmen die Schönheit, nicht die Größe.“ Wie die im Idealfall sein sollten, erläutert Dr. Patrick Mallucci von der Londoner Cadogan Clinic.

Er hat dazu eine Studie durchgeführt. Dafür analysierte er Fotos von 100 Models mit nacktem (nicht operiertem!) Oberkörper. Als Vorlage diente dabei die berühmt-berüchtigte Seite drei des britischen Boulevard-Blatts „Sun“.

 

Mittels eines Computerprogramms legte der Professor an die Brüste der abgebildeten Top-Girls jeweils eine Linie auf Höhe der Brustwarzen. Zwei weitere Linien platzierte er am oberen und unteren Brustrand, um den „Goldenen Schnitt“ zu ermitteln.

Das Ergebnis: Eine Brust wird allgemein als schön empfunden, wenn „oberhalb des Nippelmeridians, der durch die Brustwarze führenden Linie, rund 45 Prozent des Brustvolumens liegen und unterhalb rund 55 Prozent“. Dazwischen sollte die Brustwarze in einem mittleren Winkel von 20 Grad leicht nach oben zeigen.

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