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22.09.2012

11:33 Uhr

Dress for Success

Richtig schicke Möbel

VonInge Hufschlag

Stühle tragen Kapuzen, Sofas Daunenjacken, Sessel und Kühlschränke Jeans. Kleider machen nicht nur Leute, auch Möbel gehen mit der Mode.

Kleidsame Möbel werden zum neuen Trend.

Kleidsame Möbel werden zum neuen Trend.

„Guck mal, ist der cool“, Nachbar Ingo zeigt begeistert ins Schaufenster, wo sich ein ziemlich kompakter Jeansträger breit macht. „Muss er wohl, is’ ja ein Kühlschrank“, gebe ich unbeeindruckt zurück. Ich frage mich ohnehin immer, wenn ich an diesem schicken Küchenladen vorbei komme, was bei den Preisen noch für’s Kochen übrig bleibt.

Zugegeben, der coole Typ ist ein Hingucker. Kein Wunder, er ist Italiener. Eine spezielle Plasma-Behandlung schützt seine Jeans vor Feuchtigkeit, Flecken und Küchengerüchen. Nun ist die Kultmarke Smeg ohnehin meist auf der Höhe der modernen Eiszeit, wenn’s um’s Outfit ihrer Produkte angeht. Die waren schon bonbonfarben, als alle anderen noch getreu dem Gattungsbegriff „weiße Ware“ die Farbe der Unschuld trugen. Das limitierte Jeans-Modell des Fifties-Kultkühlschranks - weltweit wird’s nur 500 geben - entstand in Kooperation mit dem Label Italia Independent des Fiat-Erben Lapo Elkann.. Der Preis dafür: 1900 Euro.

Kleider machen eben nicht nur Leute, auch Möbel und Haushaltsgeräte gehen mit der Mode. Gerade Denim scheint da unverwüstlich. So wirkt jedenfalls der knuffige Sessel „Cloudscape“ vom Modemacher Diesel (ca. 2200 Euro). Bequemer als eine Röhren-Jeans ist er allemal. Der Trend im Wohnbereich geht ohnehin zu weichen und voluminösen Formen. Das zeigte sowohl die internationale Möbelmesse in Mailand als auch die richtungweisende Maison & Objet in Paris.

Jeansstoff - nicht nur für den Menschen kleidsam.

Jeansstoff - nicht nur für den Menschen kleidsam.

Warum immer gleich neue Möbel kaufen, man kann doch die alten neu anziehen, sagte sich Designerin Anke Bernotat und verpasste einem unbequem aussehenden Hochlehner eine Kapuzenjacke. Anfangs war’s reine Ironie, dann wurde schicke „Chear wear“ draus – in limitierter Auflage. Rekombinieren nennt es die Designerin, wenn sie alte, teil vergessene Lösungen für heutige Probleme und Bedürfnisse (wieder)findet. Sieht toll aus und ist dabei auch noch bequem.

In Mailand sahen manche Sofas aus, als hätte man ihnen Daunenjacken übergezogen. Solche Kuschel-Oasen hat beispielsweise Ligne Roset im Programm. Da kosten sie über 3000 Euro. Für ein Zehntel dieses Preises gibt es Anziehsachen für die Auszieh-Couch bei Ikea. Bestes Beispiel ist das tausendfach bewährte Klappsofa Beddinge im Steppjacken-Look. Wenn der verschlissen ist, wird er einfach gewechselt. Nach Lust und Laune auch die Farbe.

Inge Hufschlag ist Modekritikerin. Alexander Basta

Inge Hufschlag ist Modekritikerin.

Wie in der Mode wiederholen sich auch Wohn-Trends von Zeit zu Zeit. Gerade ist wieder mal Patchwork angesagt. Mal ganz edel, als sei’s von Kenzo oder Missoni, nicht weit davon als Billig-Version in Kruschel-Stores, die bekannt sind für diversen Tropen-Kitsch.

Man braucht nur an die alten Studentenbuden zu denken, dann ahnt man schon, was als nächstes kommt: das gute alte strapazierfähige Cord-Sofa. In Paris ging der Trend gerade in die Hose …

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