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27.07.2014

14:48 Uhr

Dress For Success

Very Important Patient

VonInge Hufschlag

Wer kennt das nicht? Kofferpacken kann Kopfzerbrechen machen. Nicht nur vor dem Urlaub, auch beim Einchecken im Krankenhaus. Im Notfall hält aber das Krankenhaus ein Outfit bereit – auch in Form eines Kampfanzugs.

Ken wird Chef-Arzt und der Patient trägt Engelchen-Hemdchen in Modefarbe.

Ken wird Chef-Arzt und der Patient trägt Engelchen-Hemdchen in Modefarbe.

DüsseldorfEs gibt so etwas wie Anlassmode. Das ist nicht etwa das Gegenteil von Ausziehmode. Darunter versteht man Kleidung für besondere Gelegenheiten, Lebensabschnitte wie vier Hochzeiten und ein Todesfall. Oder, wenn man ins Krankenhaus „eingeliefert“ wird. Dann spielen Dress Codes eigentlich keine Rolle. Ausgenommen vielleicht für werdende Mütter. Doch die sind meist schon Wochen vor dem freudigen Ereignis mit griffbereit gepacktem Köfferchen im Stand-by-Modus.

Kleidung als zweite Haut. Hier hat das überstrapazierte Wort Wellness wirklich Bedeutung. Gerade, wenn man sich nicht wohl fühlt. Außerdem schadet es nichts, in solchen Situationen gepflegt auszusehen. Unvorhergesehene Nebenwirkungen können nur positiv sein. Wichtig ist, dass man sich in solchen Situationen weiter als Mensch fühlt, ein Gefühl, das einem an der Krankenhaus-Pforte schon mal abgenommen, von manchen aber auch freiwillig abgegeben wird.

Klar, eine Klinik ist kein Catwalk. Dennoch kommt man sich als Patient mit engem Untersuchungsterminkalender schon mal leicht vor, wie Backstage im Show-Programm: Shooting in der Röntgenabteilung, Auspellen im Salben-Raum, Fertigmachen zur Visite…

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle.

Und dann die Aufführung. Hauptrolle: Very Important Patient. Dieser weißhaarige Sugar-Daddy aus der First Class: Er trägt seinen Paisley-Seidenmorgenrock mit Einstecktuch und Grandezza, behält den Siegelring an, setzt bei der Visite sein Gönner-Gesicht auf, dass der Chefarzt schon fast das Gefühl haben muss, ihm werde eine Audienz gewährt. Muss aber auch schlimm sein, wenn man als ehemaliger Top-Manager plötzlich nur noch „die Niere von Zimmer 105“ ist.

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