Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.07.2017

09:46 Uhr

Einführung in den Champagner-Markt

„Ein legales Kartell, von der EU toleriert“

VonAlexander Möthe

Warum ist Champagner so teuer? Um diese und andere Fragen rund um edle Tropfen ging es bei einer Veranstaltung des Handelsblatt Wirtschaftsclubs. Klar wurde auch: Dieser Schaumwein hat hierzulande ein weiteres Problem.

Der Repräsentant des Comité Champagne für Österreich und Deutschland wusste mit seinem Fachwissen die Mitglieder des Handelsblatt Wirtschaftsclubs in seinen Bann zu ziehen. Uta Wagner

Christian Josephi

Der Repräsentant des Comité Champagne für Österreich und Deutschland wusste mit seinem Fachwissen die Mitglieder des Handelsblatt Wirtschaftsclubs in seinen Bann zu ziehen.

Düsseldorf„Wir sind Produzenten von Glück“, sagte Pierre-Emmanuel Taittinger, Chef des gleichnamigen Champagner-Hauses, einmal. Macht Schaumwein glücklich? Zumindest versprüht er ein Lebensgefühl, was auf einer Woge aus Feierlichkeit und Genuss dahingleitet. So auch am Mittwochabend auf der Terrasse des Düsseldorfer Verlagsgebäudes des Handelsblatts.

Im Rahmen des Handelsblatt Wirtschaftsclubs führten Christian Josephi, Repräsentant des Comité Champagne für Österreich und Deutschland, und Jürgen Röder, Finanzredakteur und Weinprofi beim Handelsblatt, in die Welt des französischen Edelgetränks ein. „Faszination Champagne“ lautete der Oberbegriff und der Inhalt hielt, was das Etikett versprach.

Begriffe aus der Champagnerwelt

Assemblage

Den Prozess der Zusammenstellung der Cuvées aus den verschiedenen Rebsorten nennt man Assemblage. Nach der Festlegung welche Grundweine in welchen Anteilen in die jeweiligen Champagner eingehen, werden diese in große Tanks zusammengeführt und dann auf Flaschen gefüllt. Quellen: Eichelmann Champagnerführer, Bureau du Champagne

Tirage

Jede Flasche erhält dann den sogenannten „Liquer de Tirage“, eine Mischung aus Zucker und Hefen. Dieser „Liquer de Tirage“ bewirkt, dass die Weine eine zweite Gärung durchlaufen, durch die aus profanem Wein Champagner wird. Denn die Kohlensäure, die bei dieser zweiten Gärung freigesetzt wird, bleibt in der Flasche.

Das Rütteln

Durch die zweite Gärung entsteht in der Flasche ein Depot, das aus abgestorbenen Hefen besteht. Dieses Depot muss wieder aus der Flasche entfernt werden. Diesem Zweck diente das Rütteln der Flaschen – dadurch sammelt sich dieses Depot unter dem Korken. Heutzutage erfolgt dieser Prozess überwiegend computergesteuert.

Degorgement

Sind die Flaschen gerüttelt, wird der Flaschenhals kurz vereist. Dann wird die Flasche entkorkt und das Hefedepot herauskatapultiert. Durch das Degorgieren wird also die abgestorbene Hefe aus der Flasche entfernt, aufgefüllt wird mit einem so genannten „Liqueur de Dosage“, auch Liqueur d’Expedition genannt. Wie dieser erzeugt wird, ist oft Geheimnis des Hauses. Dafür verwendet werden beispielsweise Reserveweine, Traubensaftkonzentrat oder konzentrierten Zuckersirup aus Traubenmost.

Dosage

Nach der Höhe der Dosage, dem Zuckergehalt pro Liter Wein, unterscheidet man verschiedene Champagnertypen. Die meisten Champagner werden heute „brut“ angeboten, immer beliebt werden Brut Nature (ohne Dosage) und Extra Brut.

Brut ohne Jahrgang – der wichtigste Champagner

Der Gros der Produktion macht der Brut ohne Jahrgang aus, der in der Regel aus zwei oder drei verschiedenen Rebsorten und aus verschiedenen Jahrgängen erzeugt wird. Ziel der großen Häuser ist es, den Stil ihres Brut ohne Jahrgang über Jahre hinweg konstant zu halten. Es ist der Einstiegschampagner jedes Hauses, in der Regel auch der preisgünstigste.

Blanc de Blancs

Der Blanc de Blancs ist ein Champagner, der ausschließlich aus weißen Trauben hergestellt wird, das heißt im Normalfall Chardonnay.

Jahrgangschampagner

Dabei stammt der Grundwein aus einem einzigen Jahr. Jahrgangschampagner müssen mindestens drei Jahre auf der Hefe lagern, bevor sie in den Verkauf kommen dürfen. Früher hat man Jahrgangschampagner durchschnittlich in drei von zehn Jahren erzeugt, heute gibt es Produzenten, die fast jedes Jahr Jahrgangschampagner herstellen.

Prestigecuvées

Jeder Erzeuger kann seinen Champagner Prestigecuvées nennen. In der Regel bezeichnet man damit die Spitzenchampagner der großen Häuser, die sich durch einen Spitzenpreis auszeichnen. Die meisten davon haben auch eine Jahrgangsbezeichnung.

Denn auch wenn ein solcher Abend nicht ohne eine Verkostung auskommt, im Mittelpunkt stand über den Köpfen der führenden Wirtschaftsredaktionen des Landes, natürlich, der wirtschaftliche Aspekt. Eine der Kernfragen: Warum ist Champagner eigentlich so teuer? Es ist der Punkt, an dem Josephi, dem die Leidenschaft für sein Produkt an jeder Stelle anzumerken war, am weitesten ausholen muss. „Es handelt sich um ein legales Kartell, von der EU toleriert“, hielt der Schaumweinprofi ganz offen fest. Das ist erklärungsbedürftig.

Übernommen hat Josephi den Begriff von deutschen Weinkontrolleuren. Legal heißt in diesem Fall: Nicht anders zu lösen. „Es gibt eine gegenseitige Abhängigkeit von Champagnerhäusern und Winzern“, sagte Josephi. Das Anbaugebiet ist streng reglementiert, jede Traube, die für Herstellung des Schaumweins verwendet wird, muss aus der Champagne kommen. Rund 34.000 Hektar sind das derzeit, mit nur etwa 100 Hektar ungenutzter Reservefläche. Die Häuser oder Händler, wie der Champagnerexperte präzisiert, kaufen große Teile der Ernte unabhängiger Weinbauern zu.

Genau nahmen diese jungen Damen während der Verkostung die jeweiligen Champagner unter die Lupe. Uta Wagner

Champagner-Verkostung

Genau nahmen diese jungen Damen während der Verkostung die jeweiligen Champagner unter die Lupe.

Das war schon 1724 so, als das erste Haus gegründet wurde. „Es ist das einzige Weinanbaugebiet der Welt, wo der Absatz vor dem Anbau kam“, erklärte Josephi. Mancher Händler baut gar nicht selber an. Da aber der Champagner wiederum innerhalb seines Ursprungsgebiet reifen und abgefüllt werden muss, brauchen auch viele Winzer die großen Häuser als direkte Käufer ihrer Trauben. Dazwischen wiederum stecken die kleinen Weinbauern und Genossenschaften, die in viel kleineren Mengen selbst produzieren.

Seit 1994, sagt Josephi, sind die Weinbauern zwar frei, ihre Preise selbst zu verhandeln; ein echtes Preiskartell gibt es also nicht. Doch die Anbau- und Pressmengen bleiben durch die Anbaufläche stark limitiert – und gut kalkulierbar.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×