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06.04.2017

12:44 Uhr

Entertainment zu sehr im Fokus

TV-Köchin Cornelia Poletto kritisiert TV-Kochshows

VonThomas Tuma

Die Hamburgerin hadert damit, dass zunehmend der Respekt vor Lebensmitteln zu Gunsten des Entertainment verloren geht. Zugleich stellen sie und ihre Kollegen Eckart Witzigmann und Kevin Fehling mit Blick auf die Sterne-Gastronomie fest: Je exquisiter die Küche, umso schwieriger werde es, sich  damit über Wasser zu halten.

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Sterneköche treffen Chefredakteur – eine wirkliche „Ess-Klasse“

Handelsblatt Magazin exklusiv: Sterneköche treffen Chefredakteur – eine wirkliche „Ess-Klasse“

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DüsseldorfSie gilt als bekannteste TV-Köchin der Republik: Cornelia Poletto, Jurorin bei „The Taste“ auf Sat 1 und aus vielen anderen Koch-Formaten bekannt. Den ungebrochenen Boom sieht sie durchaus kritisch: „Wennʼs nur noch ums Entertainment geht und der Respekt vor dem Lebensmittel verloren geht, hadere ich selbst damit“, sagte sie jetzt. „Und ganz ehrlich: Ich erlebe da immer wieder hochdekorierte Kollegen, die sich null vorbereiten.“

Das „Handelsblatt Magazin“ bat die 45-jährige Hamburgerin gemeinsam mit ihren berühmten Kollegen Eckart Witzigmann und Kevin Fehling („The Table“) zu Tisch, um über die Ökonomie von Sterne-Küche zu diskutieren, den deutschen Gast, dieses ambivalente Wesen zwischen Aldi-Geiz und Premium-Anspruch, sowie die Bedeutung der Kochshows für die Zunft. Witzigmann kommen viele davon mittlerweile „wie Talkshows mit Gas- und Wasseranschluss vor. Übers Produkt lernt man als Zuschauer fast nie was. Leider treibt dieser Fernsehzweig manchmal auch schrille Blüten.“

Themen im Handelsblatt Magazin N° 2 – April 2017 u.a.:

Die Ess-Klasse: Drei Star-Köche über Geld, Sterne- und TV-Ruhm, Foodblogger und die Marotten ihrer Gäste.
Wolfsburg – Silistra: Das Europa der zwei Geschwindigkeiten in eindrucksvollen Bildern
Ortstermin: Brüssels Geheimnisse
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Immerhin - wenn man Poletto fragt, womit sie heute ihr Geld verdient, dann antwortet die 45-Jährige: „Nicht mit dem Restaurant.“ Eher mit TV-Auftritten, Werbepartnern  und Büchern. Nach jedem Auftritt brumme das Geschäft. Ihr bitteres Urteil: Der wahre Koch-Job ist trotz allen Fernseh-Glamours immer noch sehr hart, schlecht bezahlt und „schlicht familienfeindlich“. Poletto weiter: „Es ist wahnsinnig schwer geworden, überhaupt noch Menschen zu finden, die Lust auf eine Karriere in der Gastronomie haben. Andererseits bringt es nichts, wenn bei mir jemand eine Lehre als ‚TV-Koch‘ starten möchte, was durchaus schon vorkam. Mit der Realität hat dessen Vorstellung dann leider auch nichts zu tun.“

Fazit der drei Koch-Stars: Je exquisiter die Küche, umso schwieriger werde es, sich  damit über Wasser zu halten. Witzigmann, einst der erste Drei-Sterne-Koch in Deutschland: „Schauen Sie sich an, wie viele Drei-Sterne-Restaurants mittlerweile nur noch unter den Fittichen eines Mäzens oder einer finanzstarken Hotelkette gedeihen können!“ Fehling kennt auch einen der Gründe: „Bei vielen Kollegen stimmt die Kalkulation einfach nicht, denn ausgebucht sind viele Häuser ja oft nur an den Wochenenden. An anderen Tagen steht das Personal dann gelangweilt rum.“

Sterneköche über ihre Zunft: „Wir müssen alles sein – Betriebswirt, Entertainer, Psychologe“

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Premium „Wir müssen alles sein – Betriebswirt, Entertainer, Psychologe“

Wie ökonomisch ist Sterneküche? Was bringt TV-Ruhm? Und muss gutes Essen teuer sein? Die Starköche Cornelia Poletto, Eckart Witzigmann und Kevin Fehling diskutieren Gegenwart und Zukunft ihrer Zunft – und die Marotten ihrer Gäste.

Und das ist nicht das einzige Problem: Man müsse heute neben den klassischen Gastro-Kritikern auch noch mit einer wachsenden Zahl von Food-Bloggern klar kommen, die Poletto „schnell ‚gefährlich‘“ findet, „weil sie einfach sofort online irgendeine Frechheit raushauen können, die dann ewig Bestand hat. Vielen fehlt gerade im Food-Bereich das Wissen, um überhaupt ein Urteil abgeben zu können.“ Fehling sieht das ähnlich: „Manche sind schlicht feige und verstecken sich hinter ihren Texten. Bei mir im Restaurant sind sie noch wahnsinnig freundlich, später kritteln sie dann rum, haben nicht gerade die größte Expertise, halten sich aber selbst oft für Stars, obwohl es natürlich auch einige seriöse gibt.“

Was Kevin Fehling partout nicht essen kann, was Cornelia Poletto an Macho-Gehabe und Sexismus in Top-Küchen erlebt hat und warum Eckart Witzigmann „Ratatouille“ für einen der besten Filme übers Kochen hält, lesen Sie im neuen „Handelsblatt Magazin“.

 

 

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