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15.10.2011

17:00 Uhr

Falkensteins Weinlese

Ein Tropfen nach Goethes Geschmack

VonPit Falkenstein

Die Erwartungen an den neuen Weinjahrgang sind hoch. Ein Winzer am Rhein will denen mit einem aromatischen Riesling gerecht werden. An der Mosel ist der Frust jedoch groß.

Weinkritiker Pit Falkenstein hat ein Auge für gute Tropfen. Frank Beer für Handelsblatt

Weinkritiker Pit Falkenstein hat ein Auge für gute Tropfen.

DüsseldorfNatürlich nichts, lautet nüchtern betrachtet die Antwort – aber sie ist falsch. Schließlich gibt es den „Kometenwein“ als Synonym für einen ganz hervorragenden Jahrgang. Und der ist benannt nach dem Kometen Flaugergues, von Himmelsforschern auch C/1811 F1 und von Romantikern „großer Komet von 1811“ betitelt. Fast acht Monate lang war der riesige Gesteinsbrocken im All mit bloßem Auge am Himmel zu sehen.

Im Oktober war er am hellsten – und sein Schweif bedeckte ein Drittel des Firmaments. Die Winzer bestaunten das Naturereignis beim Federweißen – und als der Jahrgang dann ein hervorragender wurde, war klar, woran das lag: Der Komet war schuld und der Kometenwein geboren.

Selbst Goethe war von dem Tröpfchen angetan: „Setze mir nicht, du Grobian, den Krug so derb vor die Nase! Wer mir Wein bringt, sehe mich freundlich an, sonst trübt sich der Eilfer im Glase“, dichtete der Herr Geheimrat 1815 – und vermutlich hatte er da schon einen im Tee. Denn gemeint war natürlich der „Elfer“ – also der Kometenwein. Der 1911er war auch ein Kometenwein – nur ohne Komet, er ging als „kaiserlicher“ Jahrhundertwein in die Geschichte ein.

Kein Wunder also, dass auf dem diesjährigen Wein ein gewisser Erwartungsdruck lastet – dem hundertjährigen Kalender zufolge müsste schließlich ein ganz edler Tropfen heranreifen.

Kurt Gabelmann jedenfalls glaubt an die Qualität seines Weins. Der Verwalter des noblen Guts Graf von Kanitz in Lorch am Rhein sagt: „Wir haben völlig gesunde, goldgelbe Trauben geerntet. Die Mostgewichte sind hoch bei guter Säure. Dieser Riesling quillt über vor Aroma.“

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