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19.01.2009

11:06 Uhr

Falkensteins Weinmacher

Ein Badener wagt den Neuanfang

VonPit Falkenstein

Winzer Emil Kopp, ehemaliger Geschäftsführer der Genossenschaft in Varnhalt bei Baden-Baden, wagt den Schritt in die Unabhängigkeit. In ein paar Jahren will Kopp, dessen Bruder ihm als berufliches Vorbild dient, sein eigenes biologisches Weingut bewirtschaften.

KÖLN. Nachdem er im vergangenen Herbst seine Trauben geerntet und bei der Genossenschaft in Varnhalt bei Baden-Baden abgeliefert hatte, ging Winzer Emil Kopp, wie er sagt, mit sich selbst „in Klausur“. Er ist zwar noch nicht am Ende mit seinen Überlegungen. Doch in etwa weiß er nun, wie es bei ihm beruflich weitergehen soll. Auf lange Sicht wird der Winzer ein eigenes Weingut bewirtschaften, streng biologisch, das steht fest.

Das Zeug dazu hat er. Der rundliche, fast südländisch wirkende Mann ist studierter Weinbautechniker und verfügt derzeit über 22 Hektar Reben. Das ist schon eine beachtliche Fläche. Auch wenn er die Menge um der Qualität willen stark drosselt, reicht das für 150 000 bis 200 000 Flaschen jährlich. Doch dafür muss er einen Keller einrichten mit Pressen, Fässern und Edelstahltanks, alles klimatisiert. Büroräume und eine Probierstube werden nötig. Das dürfte ihn rund 800 000 Euro kosten. Und dann gilt es, sich rasch Kundschaft aufzubauen. Nun gut, Baden-Baden mit seiner kaufkräftigen Bevölkerung liegt gleich nebenan. Ein Abenteuer wird’s auf jeden Fall.

Es gibt ein leuchtendes Vorbild: Sein Bruder Ewald im benachbarten Sinzheim hat sich schon vor Jahren von einer Genossenschaft gelöst und mit einem Weingut selbstständig gemacht. „Auch wenn wir einander nicht gerade herzlich zugetan sind“, meint der Ältere, „so muss ich doch zugeben, dass er seine Sache sehr ordentlich macht.“

Emil Kopp ist schon 53 Jahre alt. Wenn er jetzt kündigt, muss er noch zwei Jahre in der Genossenschaft bleiben. Andernfalls wird Strafgeld fällig. Und, das ist herauszuhören, er hängt ja an dem Verein, in den er 1978 eingetreten ist. Zwölf Jahre lang war er Geschäftsführer dort. Doch dann hatte es Streit gegeben, nachdem ein Großauftrag von Lidl weggebrochen war. Kopp beschwor die Genossen, nun ja nicht mit noch niedrigeren Preisen unter den Rock eines anderen Discounters zu kriechen. „Wir müssen mehr in Richtung Weingut denken und uns um anspruchsvolle Kunden bemühen“, tat er immer wieder kund.

Das hätte großer Anstrengungen bedurft. Sicher wären anfänglich die Auszahlungen schmaler gewesen, doch mit Aussicht auf höhere Gewinne später. Alle Argumente fruchteten nichts. „Das Rudel mochte dem Leitwolf nicht folgen“, seufzt er. Also legte er sein Amt nieder und wurde wieder einfaches Mitglied.

Kopps beste Lage ist das Fremersberg Feigenwäldchen. Die Randstreifen sind mit alten Rosen bepflanzt. Im Juni duften dort Blumen und Rebblüten um die Wette – ein rauschhaftes Erlebnis. Inmitten des uralten Wingerts, der neben dem Baden-Badener Golfplatz liegt, befindet sich ein ehemaliges Klostergut. Dort wirkten einst Franziskaner-Mönche, Kopp hat das gute Stück gepachtet. Der Rebberg ist hauptsächlich mit Riesling bestockt. Es gibt auch eine Parzelle mit der seltenen Sorte Muskat-Ottonel. Mit den Trauben, die Kopp gesondert anlieferte, gab sich Lothar Jäger, Kellermeister der Varnhalter Genossenschaft, viel Mühe. Er fertigte daraus ein blütenblattleichtes Tröpfchen. Es duftet verführerisch nach Rosen und Aprikosen. Der Mund ist ausgefüllt mit Frucht. Eine Andeutung von Süße unterstreicht die saftigen Aromen. Das schmeckt köstlich zu Wildleber-Pastete oder Ziegenkäse.

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