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29.01.2010

13:24 Uhr

Falkensteins Weinmacher

Ein feuriger Spanier

VonPit Falkenstein

Der Deutsch-Spanier Oscar Zapke Rodriguez machte ein uraltes Rebland in Andalusien nahe Sevilla wieder urbar. Das Land um Sevilla ist normalerweise nicht das Qualitätswein-Gebiet schlechthin. Rodriguez sind trotzdem einige hervorragende Tropfen gelungen - wie etwa sein jüngster Rotwein "Fuente Reina".

Pit Falkenstein empfiehlt heute einen Wein aus Andalusien. Pressebild

Pit Falkenstein empfiehlt heute einen Wein aus Andalusien.

KÖLN. Oscar Zapke Rodriguez ist, wie er scherzt, eine „gespaltene Persönlichkeit“: Wenn der 49-Jährige auf seiner andalusischen Finca weilt, den Cowboy-Hut ins Genick schiebt und mit einem museumsreifen Landrover seine Weinberge abfährt, sieht er sehr verwegen aus. Wieder daheim in San Sebastián zwängt er sich in seinen Geschäftsanzug, um seinen vorzüglichen Fuente Reina zu verkaufen.

Wenigstens einmal im Monat pendelt er zwischen der baskischen Metropole und dem Landgut in den Bergen nördlich von Sevilla. Fast 1 000 Kilometer misst eine Strecke. Warum zieht er nicht ganz in den Süden? „Ich bin nun mal Großstädter“, sagt er, als müsste er sich entschuldigen.

Sein Gut liegt im Naturpark Sierra Norte de Sevilla. Den Platz hat er „eher zufällig“ gefunden. Er suchte eigentlich ein Ferienhaus und entdeckte abseits jeder Bewohnung ein verfallenes Anwesen. Drinnen fand er mannshohe Tonkrüge, wie sie früher zum Lagern von Wein verwendet wurde. Auf einem Behälter sah er die Jahreszahl 1647. „Das hat mich nicht mehr losgelassen“, weiß er noch.

Er erfuhr, dass die Ruine einst eine Bodega war. Schon der Name klang wie aus einem alten Buch: Purisima Concepción. Früher hatte es in der Gegend reichlich Weinbau gegeben, der aber, weil immer weniger lohnend, nach und nach verschwand. Dabei sind die Bedingungen für die Reben ideal: 600 Meter Höhe, karge, steinige Böden, heiße Sommertage, kalte Nächte, für südspanische Verhältnisse viel Regen, im Winter sogar Schnee.

1998 kaufte er das Gemäuer samt 40 Hektar Land für wenig Geld. Und so wurde aus Oscar Zapke Rodriguez, der bis dahin die spanische Generalvertretung für Knorr-Bremsen geleitet hatte, ein Winzer.

Berührungen mit Wein hatte es schon immer gegeben. Sein Vater aus Solingen ist mit einer Spanierin verheiratet, deren Bruder wiederum eine Bodega in der Rioja hat. Für Klein-Oscar war es ein Spaß, wenn er im Herbst bei Onkel Jaime Rodriguez Trauben treten durfte. 1989 ehelichte er Mónica Ucin, die Tochter eines Stahl-Industriellen, der nach Verkauf seiner Hütten die namhafte Bodega Ollara in Logroño gegründet hatte.

Zapke richtete die Purisima Concepción wieder her. Sieben Hektar Weinberge ließ er pflanzen und packte selbst beherzt mit an. Wenn Zapke in San Sebastián weilt, kümmert sich sein Verwalter Pascual Ruiz um Reben und Keller. Es gibt zwei Weine, einen schlichten Tafelschoppen für die Gastronomie der Umgebung und den gehobenen Rotwein Fuente Reina, benannt nach der Landschaft.

Das Land um Sevilla ist kein Qualitätswein-Gebiet. Das hatte für Zapke den Vorteil, dass er nicht an bestimmte Rebsorten gebunden war. „Mir schwebte der Stil der klassischen Rioja-Weine vor“, berichtet er. Und der war mit Merlot und Cabernet-Sauvignon neben dem nordspanischen Tempranillo am besten zu erreichen. So ist also seine Cuvee ein Landwein mit der amtlichen Bezeichnung: Vino con Indicaçión de Origen de la Tierra de la Sierra Norte de Sevilla.

Der 2006-er ist gerade gefüllt worden. Er verwöhnt mit reichen Düften und einer Vielfalt von immer neu aufblühenden Aromen. Brombeeren, Cassis und rote Johannisbeeren tänzeln auf der Zunge. Neben feinerdigen Tönen sind Nougat, Karamell und Kaffee, auch Schwarzbrot zu ahnen. Der Rotwein ist noch sehr jung. Umfüllen in eine Karaffe tut ihm gut. Wenn's zu Weihnachten keine Gänsekeulen gegeben hat, dann böte dieser feurige Spanier jetzt den rechten Anlass dazu.

Fuente Reina
Jahrgang 2006
Rebsorten: Merlot, Cabernet-Sauvignon, Tempranillo
Anbaugebiet: Sevilla -Spanien
Analyse: 14,1ll Alkohol, 5,0 g Säure, 2,7 g Restzucker (pro Liter), Trinken bis 2012
Preis ab Lager: 12,50 Euro
Adresse: Bodegas Rioja
Lennershofstraße 156, Tel. 0234/9789567, Fax 0234/9789568 Mail info@bodegas-rioja.de
www.bodegas-rioja.de

Kommentare (1)

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wbeiss

23.09.2010, 11:00 Uhr

Mein Kommentar zum 2003 Crianza Fuente Reina, den ich (Önologe) am gestrigen Abend erstmals trank: rund, saftig, fruchtig (rote/blaue Waldbeeren), barrique sehr gut eingebunden, keinerlei Rauhheit, dezenter Schokoladen- und Mokkageschmack; sehr gut und bestens zu empfehlen!!

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