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08.01.2010

11:28 Uhr

Falkensteins Weinmacher

Stoff, der Leib und Seele wärmt

VonPit Falkenstein

Stéphane Vedeau wollte ursprünglich keine Laufbahn als Winzer einschlagen. Zum Glück hat er sich besonnen. Heute besitzt der 47-Jährige einige ertragsreiche Rebgärten und Kellereien in guter Lage. Jetzt ist er in seine Heimat an der Rhône zurückgekehrt und erzeugt dort großartige Tropfen.

Pit Falkenstein empfiehlt heute den "Première Côte", Jahrgang 2007. Pressebild

Pit Falkenstein empfiehlt heute den "Première Côte", Jahrgang 2007.

Mehr als 30 000 Kilometer ist Stéphane Vedeau im abgelaufenen Jahr wieder einmal gefahren. Seine Weinberge liegen weit verstreut. Er verfügt über insgesamt 87 Hektar Reben von der Côte Rotie nahe Lyon, wo er gute Lagen von der Mutter geerbt hat, bis ins spanische Priorat hinter Tarragona.

Noch wohnt der 47-Jährige mit Frau und zwei Kindern in Caux, ganz im Süden Frankreichs nahe Béziers, aber ihn drängt es zurück an die Rhône. Dort ist er aufgewachsen, hat seine Kindheit auf dem Weingut der Mutter verbracht. Er besitzt schon einen halbfertigen Winzerhof in der Nähe von Avignon und wird wohl in nächster Zeit mit seiner Familie dahin umziehen.

Als junger Mann hat er sich kaum für den Weinbau interessiert. Er war hervorragender Leichtathlet, durchaus begabt für eine Karriere als Profisportler. Dann studierte er Naturwissenschaften und Mathematik. Die Mutter bedrängte ihn sanft, ob er sich nicht doch eine Laufbahn als Winzer vorstellen könne. Es wäre doch schön, wenn er später mal ihre Domaine an der nördlichen Rhône übernehmen könnte.

Um die Mama zu beruhigen, machte er ein Praktikum in einer Kellerei. Und fing Feuer. Er begann ein weiteres (Weinbau-)Studium. 1992 gründete er mit Freunden das Handelshaus Maurel-Vedeau in Servian bei Beziers. Sie verkauften Weine von ausgesuchten Betrieben und auch aus eigener Erzeugung. Die Firma hatte Erfolg. Jährlich stieg der Umsatz, doch damit wuchs auch eine gewisse dumpfe Unzufriedenheit. Vedeau saß zu viel im Büro. "Eigentlich wollte ich draußen sein, noch bessere Weine machen und nicht immer noch mehr Flaschen verkaufen", erzählt er.

In seiner alten Heimat wusste er eine Freundin, die im Côtes-du-Rhône-Gebiet ein Weingut betreibt. Sie sah sich für ihn um. Schließlich fand sich nahe Courthezon bei Orange eine Kellerei, von der er einen Teil des Betriebes pachten konnte. 2003 gründete er seine Ferme du Mont. Der Name ist Ausdruck seiner Vorstellung von guten Rebgärten. Er sucht Flächen in einiger Höhe an den Hängen von Bergen. "Dort reifen die Trauben länger. Die Lese ist spät, aber die Weine haben am Ende mehr Inhalt", sagt er.

Die Anteile an Maurel-Vedeau verkaufte er, behielt aber seine Weinberge im Languedoc und in Spanien, die er zusammen mit Freunden bewirtschaftet. Dass seine Weine bei Robert Parker und Jancis Robinson schon 95 Punkte (von 100 möglichen) bekommen, ist ihm nicht zu Kopf gestiegen. Er bemüht sich, hohe Qualität zu vernünftigen Preisen zu bieten. Ein Ringeltäubchen ist der 2007er "Première Côte". Die satte Frucht von Schwarzkirschen und Pflaumen wird von südländischen Kräuternoten begleitet. Kardamom und Nougat sind zu schmecken. Ein Stoff, der Leib und Seele wärmt.

Première Côte

Jahrgang 2007
Rebsorten: Grenache, Syrah, Mourvèdre
Anbaugebiet: Côtes-du-Rhône
Analyse: 13,7ll Alkohol, 5,4 g Säure, 1,7 g Restzucker
Trinken bis 2012
Preis ab: Lager 7,20 Euro
Adresse: Selezione Vini
Bahnhofstraße 13
85737 Ismaning
Tel.: 089 / 65115973
Fax: 089 / 65115974
info@selezionevini.de
www.selezionevini.de

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