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01.02.2008

18:44 Uhr

Falkensteins Weinprobe

Ärztin im Weinberg

VonPit Falkenstein

Maria von Othegraven war eine kleine, zierliche und höchst eigenwillige Dame. Als ihr Mann 1968 starb, übernahm sie überstürzt die Leitung des ruhmreichen Familiengutes in Kanzem an der Saar und hatte es gleich mit einem erbärmlichen Jahrgang zu tun: Sommer und Herbst völlig verregnet.

Doch sie setzte alles daran, einen ordentlichen Wein in den Keller zu bringen. Ende November, als die Sonne endlich durchbrach, wurde gelesen. Ihrem Mann zu Ehren, der knochentrockene Tropfen schätzte, ließ sie die beste Partie völlig durchgären.

Als sie diesen Tropfen bei einer Versteigerung der Nobelwinzer-Vereinigung "Großer Ring" in Trier anbot, war die Sensation perfekt: Inmitten einer Flut von edelsüßen Tröpfchen stand diese unerhört herbe Auslese. Neugierige Kollegen kamen an ihren Tisch, kosteten, lobten, bezweifelten aber, dass sich dieser Trunk verkaufen ließe. Der Gegenbeweis: 600 Flaschen gingen rasch zu einem guten Preis weg.

Maria von Othegraven starb 1995. Sie hatte sich gewünscht, dass ihre Nichte das Gut weiterführen sollte. Doch Heidi Kegel zögerte. Die Ärztin leitete damals das Agatha-Krankenhaus in Köln-Niehl. Erst als sie an ihre Kindheit in Kanzem zurückdachte, an das Gutshaus inmitten eines prächtigen Parks, brachte sie es nicht übers Herz, das alles in fremde Hände zu geben.

Also packte sie an und baute den marode gewordenen Betrieb wieder auf. Die benachbarten Kollegen hatten Unterstützung zugesagt, hielten sich jedoch letztlich zurück - bis auf Bernhard Breuer, damals der beste Winzer im Rheingau.

Heidi Kegel, 69 Jahre, eine mütterlich wirkende Frau, die im Ernstfall energisch zupacken kann, zählt heute zur Spitze an der Saar, obwohl sie das Wein-Machen nie richtig gelernt hat. Sie kann sich auf eine ihr treu ergebene Mannschaft verlassen.

Das Angebot ist klar gegliedert. Zwischen Gutsriesling und Großen Gewächsen liegt der Maximus, ein gehobener Wein vom Kanzemer Altenberg, von der Reife her meist eine Spätlese und mit einem Hauch Süße abgerundet.

Der 2006er hat, typisch für die Lage, eine steinige, fast metallisch anmutende Note. Langsam öffnet sich die saftige Pfirsichfrucht. Eine Andeutung von Honig ist dabei, die von edelfaulen Beeren herrührt. Der Riesling ist noch viel zu jung. Also morgens entkorken, abends trinken. Das letzte Glas schmeckt am besten. Es passt ein witziges, unkompliziertes Gericht: Schenkel von der Maispoularde kochen. In der Brühe grüne Bohnen garen. Weiße und rote Bohnen aus der Dose untermischen. Etwas Riesling und Sahne zugießen, mit Maisstärke binden. Würzen mit Kräutersalz, Bohnenkraut und scharfem Paprika. Dazu die knusprig gebratenen Hühnerbeine.

Maximus

  • Jahrgang: 2006
  • Rebsorte: Riesling
  • Anbaugebiet: Saar
  • Analyse: 11,5ll Alkohol, 6,1 g Säure, 14,9 g Restzucker (pro Liter)
  • Trinken bis: 2010
  • Preis ab Gut: 9,50 Euro

Adresse:
Weingut von Othegraven
Weinstraße 1
54441 Kanzem
Tel. 065 01/15 00 42
Fax - 188 79
von-othegraven@t-online.de
» www.von-othegraven.de

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