Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.01.2007

18:37 Uhr

Falkensteins Weinprobe

Badisch konsequent

VonPit Falkenstein

Hermann Dörflinger, Winzer im südbadischen Müllheim, hat als Junge den Vater innig geliebt. Und er verehrt ihn heute, 20 Jahre nach dessen Tod, immer noch. "Er ist nicht auf der süßen Welle mitgeschwommen", erzählt er, "auch wenn es manchmal hieß, dem seine Weine kann man nicht trinken, die sind zu sauer."

Der alte Dörflinger, auch ein Hermann, nahm es gelassen hin, dass ihn die Nachbarn als hoffnungslos altmodisch ansahen. In Baden wie auch anderswo hatten die Winzer begonnen, ihre Weine mit Süßreserve aufzuhübschen, mit pasteurisiertem Traubensaft also. Dörflinger aber ließ jeglichen Most völlig durchgären.



1973 übernahm der Sohn die Leitung des Gutes und blieb beim trockenen Stil - auch wenn es damals nicht einfach war, Kunden dafür zu begeistern. Das Durchhalten wurde belohnt - der Winzer zum Geheimtipp unter Liebhabern herber Genüsse. So kam der Absatz allmählich auf Trab.



Hermann Dörflinger, 56 Jahre alt, ein kerniger Kerl mit leicht angegrautem Blondschopf, hat den Betrieb erweitert, Rebland dazugekauft, den Keller ausgebaut. Es gibt die alten Holzfässer noch, doch ergänzt durch Edelstahl. Die Weine schmecken heute eleganter als ehedem.



Die nächste Generation tritt bald an. Der 26-jährige Sohn, der dritte Hermann, schließt jetzt das Weinbau-Studium ab und will sich noch im Ausland umschauen. Dann wird er den Hof übernehmen und alle Weine ebenso konsequent durchgären lassen wie Vater und Großvater.



Eine besondere Labe ist der trockene Weißburgunder Kabinett. Der Wein duftet nach Sommerwiese, nach Äpfeln und frischem Weißbrot, vor allem nach dem kalkigen Löss, auf dem er gewachsen ist. Vielfältige Fruchtaromen blühen auf: Birne, Mirabelle, ja sogar Aprikose.



Ein alemannischer Eintopf kommt gerade recht. Hähnchenschenkel kochen, Fleisch von den Knochen lösen, Brühe kalt stellen, bis sie etwas geliert. So lässt sich leicht das Fett ablöffeln. Aufkochen, Scheibchen von Mohrrüben, Stücke von mehligen Kartoffeln und klein geschnittene grüne Bohnen zugeben. Mit nicht zu knapp Sahne abrunden; mit Estragon, Chilisauce, Kräutersalz, einem Schuss von dem Weißburgunder würzen.



Dann kommen Spätzle hinein. Die aus dem Supermarkt gehen, doch was ein echter badischer Koch ist, der rührt den Teig selbst (100 g Mehl, zwei Eier) und schabt die Spätzle vom Brett. Grob gehackte Petersilie drüber streuen.



Durchgegoren

  • Wein:2005 Müllheimer Reggenhag Kabinett trocken
  • Rebsorte: Weißburgunder
  • Anbaugebiet: Baden/Markgräflerland
  • Analyse: 12,5° Alkohol, 5,8 g Säure, 2,2 g Restzucker (pro Liter)
  • Trinken bis: 2008
  • Preis: 6,70 Euro
  • Adresse: Weingut Hermann Dörflinger Mühlenstraße 7; 79 379 Müllheim, Tel. 076 31/22 07, Fax - 41 95;

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×