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05.03.2004

07:14 Uhr

Falkensteins Weinprobe

Der Wein der alten Dame

VonPit Falkenstein (Weinredakteur beim Handelsblatt)

Das Etikett zeigt das Bildnis einer zarten Frau. Claudio Bravo, den die Chilenen als einen ihrer größten Maler feiern, hat es 1958 gezeichnet. Damals war Laura Hartwig 40 Jahre alt.

Die zierliche Dame ist wohlauf und lebt glücklich mit ihrem Ehemann, dem die 80 Jahre augenscheinlich nichts anhaben können.

Alejandro Hartwig ist hoch gewachsen, kein bisschen gebeugt. Das weiße Haar trägt er straff zurückgekämmt. Er spricht fließend Deutsch. Sein Großvater war aus Kassel nach Chile ausgewandert. Seine Frau stammt aus dem Weinbau. Die Viña Bisquertt ihrer Eltern ist eine der größten Kellereien im Colchagua-Tal 150 Kilometer südlich von Santiago de Chile. Die beiden lernten sich in der Hauptstadt kennen, wo er Ingenieurwesen studierte.

Als sie heirateten, war Alejandro Hartwig bei einer Mine angestellt. 1971 ging er nach Kanada - als Amerika-Repräsentant von Böhringer Ingelheim. Zehn Jahre später erbte Laura Hartwig Land in ihrer Heimat. Auf dem Areal weideten Rinder. Er, ein Weinkenner, schlug vor, Reben zu pflanzen.

Was zuerst nach einem Hobby für den Ruhestand aussah, entwickelte sich bald zu einem handfesten Geschäft. Von seinen ersten Weinen verkaufte er recht viele Flaschen nach Nordamerika. Bald entstand die Viña Santa Laura, benannt nach der Flur, auf der sie steht. Laura Hartwig protestierte vergeblich, als der Gemahl ihren Namen und ihr Bild auf die Etiketten drucken ließ. Ihr gehöre doch das Rebland, argumentierte er. Die nahe liegende Bezeichnung "Santa Laura" mochte er nicht, weil die meisten Weine in Chile Namen von Heiligen tragen.

Der Betrieb nahe der Stadt Santa Cruz zählt heute zu den besten Gütern im Lande, geleitet vom Sohn. Der 40-Jährige heißt wie sein Vater Alejandro, ist aber anders als er stämmig und schwarz gelockt, ein echter Chilene. Zwei Drittel der Ernte von 80 Hektar werden verkauft. Nur die besten Trauben sind gut genug für die eigenen Weine, ausschließlich Reservados. Billige Schoppen gibt es bei Santa Laura nicht.

Der angenehmste Tropfen derzeit ist der Merlot von 2000, ein wundervoll warmer, samtiger Wein, der den Mund mit reicher Frucht von Kirschen und Pflaumen ausfüllt. In das Bukett von Lorbeer, Rosmarin und Minze mischt sich ein Hauch Eukalyptus, typisch für gute Weine aus Chile.

Bei einem Essen anlässlich des Besuchs von Bundespräsident Johannes Rau in Santiago de Chile Ende vorigen Jahres wurde zum Fleischgang "Laura Hartwig" gereicht. Das Gericht ist leicht nachzukochen: Chicoree in Butter und Weißwein dünsten; Polenta rühren, mit frischem Basilikum würzen und mit nassen Händen zu kleinen Klößen rollen; Medaillons aus dem Rinderfilet so braten, dass sie innen rosa bleiben.

Roter aus Chile

Wein 2000er Merlot Laura Hartwig

Rebsorte Merlot

Anbaugebiet Chile - Colchagua Valley

Analyse 14,5° Alkohol, 5,0 g Säure, 2,5 g Restzucker (pro Liter)

Mindestens haltbar bis Ende 2005

Preis 9,80 Euro

Adresse Chile Wein Contor, Bergheimer Str. 1, 53909 Zülpich, Tel. 02252/407382, E-Mail info@cwc.de

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