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21.01.2005

08:00 Uhr

Falkensteins Weinprobe

Im Zeichen der Sonne

VonPit Falkenstein (Weinautor für das Handelsblatt)

Das Haus 22 in der Kirchenstraße zu Nittel gehört zu den schönsten Gebäuden an der Obermosel. Peter Frieden, ein damals wohlhabender Landwirt und Winzer, hat es kurz vor dem Ersten Weltkrieg erbaut. Sohn Johann Frieden erweiterte den Betrieb und bot schon in den Dreißigern Flaschenweine an.

Dessen Schwiegersohn wiederum, Karl Sonntag, übernahm den Hof - und brachte die Sonne ins Haus: Über der Haupttür ließ er ein weithin leuchtendes Schild anbringen, das die Wärmespenderin mit Strahlenkranz und lächelndem Gesicht zeigt.

Seit fünf Jahren leitet nun die vierte Generation den Hof: Thomas Sonntag. Als er Etiketten, Preislisten und Hausprospekt neu entwerfen ließ, entschied er, dass die Sonne Markenzeichen des Gutes sein sollte. Und unter diesem Logo wurden die Weine von Jahr zu Jahr besser.

Der 36-Jährige, mittelgroß, schlank, mit ersten Lichtungen im dunklen Haar, beherrscht sein Handwerk. "Meine Freundin kocht gerne und gut. Da darf der Wein nicht schlecht sein", sagt er lachend. Dabei wollte er ursprünglich gar nicht Winzer werden. Als Junge fand er wenig Spaß daran, dem Vater bei der Arbeit zu helfen. "Im Sommer stand ich im Weinberg, und meine Freunde waren alle im Schwimmbad", erinnert sich Thomas Sonntag. Also machte er Abitur, war beim Bund und studierte Betriebswirtschaft.

Zäh, aber mit abnehmender Lust zog er das Studium durch bis zum Diplom. Mit jedem Besuch zu Hause freundete er sich mehr mit dem Gedanken an, es doch mit dem Weinbau zu versuchen. Er sattelte eine Winzerlehre aufs Diplom auf. 1997 stiegt er in den Betrieb ein. Seit 2000 ist er Herr im Haus mit der Sonne.

Sonntag hatte in jüngster Zeit Probleme mit Korken: Der Wein in der Flasche litt, schmeckte nach dem Naturverschluss. Jetzt ist es der Winzer leid. Nach und nach will er geschmackssichere Schraubkapseln einführen. Um zu zeigen, dass er dies nicht als eine billige Lösung ansieht, hat er zuerst seinen besten Wein mit Drehverschluss ausgestattet.

Mit dieser trockenen Riesling-Spätlese von der Lage Leiterchen verblüfft er selbst Kenner: Weich, hochreif, fast cremig, nach gutem Golden Delicious schmeckend und noch herzhafter nach jenen Kalkfelsen duftend, unter denen er gewachsen ist, erscheint der Wein alles andere als typisch für die Mosel - und ist dennoch ein Hochgenuss.

Dazu passt folgendes Gericht: In Butter gebratene Filets vom Heilbutt, kombiniert mit Gemüse aus Mohrrüben und Keniabohnen, das mit einem Glas Riesling und reichlich Sahne gegart sowie mit frischem Knoblauch und Koriander gewürzt wird. Mit Basmatireis anrichten.

Vom Kalkfelsen
Wein 2003er Nitteler Leiterchen Spätlese trocken
Rebsorte Riesling
Anbaugebiet Obermosel
Analyse 12,4 ° Alkohol, 5,6 g Säure, 7,4 g Restzucker (pro Liter)
Mindestens haltbar bis Ende 2008
Preis 5 Euro
Adresse Weingut Karl Sonntag, Kirchenweg 22, 54 453 Nittel, Tel. 06584/7139, Fax 7126
E-Mail info@weingut-sonntag.de

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