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19.03.2004

07:27 Uhr

Falkensteins Weinprobe

Köstlicher Abfall

Winzern ergeht es kaum anders als dem Rest der Welt: Reibungen zwischen Eltern und Kindern sind normal. Fast immer enden die Streitigkeiten schiedlich. Allein die Sorge um den Erhalt des Weingutes zwingt dazu.

Bei den Meyers im südpfälzischen Klingenmünster aber mag der Unfriede nicht weichen. Seit fünf Jahren herrscht immerhin wenigstens Waffenruhe. Sohn Frank ist jetzt offiziell Betriebsleiter. Für Keller und Weinberge überweist er dem Vater Pacht.

Ein Glücksfall war, dass ihm ein barockes Anwesen nahebei, leidlich gut erhalten und eben noch bezahlbar, angeboten wurde. Nun ist der 43-Jährige unabhängig. Die Erleichterung ist ihm anzusehen. Bekam er früher die Zähne kaum auseinander, so kann der hoch gewachsene Mann, dessen dunkles Kurzhaar von ersten feinen Silberfäden durchzogen ist, jetzt frei erzählen und lächelt dabei.

Aus dem Gröbsten ist er noch lange nicht heraus. Bis er das barocke Hofgut und die neu angeschaffte Einrichtung im Keller bezahlt hat, muss er erst noch "viele Ernten einbringen". Bei der Meisterprüfung 1983 sollte er eine Frage zur Wirksamkeit von Herbiziden beantworten. Dazu konnte er nichts sagen. Er benutze keinen Unkrautvernichter, tat er kund. Das brachte ihm eine schlechtere Note ein.

Die Welt war damals noch nicht so weit wie Frank Meyer. Bei ihm muss es zwischen den Reben blühen und sprießen. Derzeit beginnt in seinen Weingärten das Gelb vom Raps zu leuchten. Wenn Bienen summen, ist er zufrieden: "Da weiß ich, dass alles gesund ist." Vom Gault Millau WeinGuide bekam Meyers in der aktuellen Ausgabe ein besonderes Lob: Sein Portugieser sei "erneut der beste, den wir in der Pfalz finden konnten".

Es ist schon erstaunlich, wie viel Geschmack der Klingenmünsterer aus dieser zweitrangigen roten Sorte herausholt. Er gebraucht dabei einen simplen Kunstgriff: Wenn im Herbst die zerstoßenen Trauben zu gären beginnen, pumpt er einen Teil des Mostes ab. So umschwemmt weniger Flüssigkeit die Weinbeeren und wird dadurch reicher mit Farbe und Aromen gesättigt. Und aus dem vorher entfernten Saft entsteht ein angenehmer Rosé.

Dieser Abfall ist wundervoll leicht, ein Hauch von einem Wein, gefüllt mit Aromen von Erdbeeren, Minze und von jenem Lehm-Sand-Gemisch, in dem die Reben stehen. Frank Meyer hat dieses zarte Tröpfchen oft bei Gartenfesten im vergangenen Sommer eingesetzt und weiß von daher: "Der Wein verträgt Schärfe."

Ganz einfach, aber schmackhaft: Pfeffersteaks mit Kartoffelsalat (ohne Mayonnaise bitte schön, dafür mit Fleischbrühe und einem guten Öl) passen prächtig dazu.

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Leichter Pfälzer
Wein 2002er Klingenmünsterer Rosé
Rebsorte Protugieser
Anbaugebiet Pfalz, Südliche Weinstraße
Analyse 11,5º Alkohol, 6,8 g Säure, 4,9 g Restzucker (pro Liter)
Mindestens haltbar bis Ende 2004
Preis 3,80 Euro
Adresse Stiftsweingut Frank Meyer, Weinstraße 37, 76889 Klingenmünster, Tel. 06349/7446, Fax-5752, E-Mail: stiftsweingut-meyer@t-online.de

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