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23.01.2004

07:05 Uhr

Falkensteins Weinprobe

Reichtum in Flaschen

VonPit Falkenstein (Weinredakteur beim Handelsblatt)

Wer völlige Abgeschiedenheit sucht und durch eine erregende, leidlich begehbare Wildnis stapfen möchte, der ist in Cederberg, drei Autostunden nördlich von Kapstadt, gut aufgehoben.

Die Straßenkarte weist unter dem Namen einen Ort aus, doch handelt es sich um eine Farm, nichts weiter. Nach Clanwilliam, dem nächsten Gemeinwesen, in dem es einen kleinen Supermarkt gibt, sind es 50 Kilometer über eine Schotterpiste.

Früher war Cederberg eine Poststation, neben der Obst und Tabak angebaut wurde. Heute, sechs Generationen weiter, bewirtschaftet David Nieuwoudt (sprich: niewud) dort die höchsten Weinberge Südafrikas, mehr als 1100 Meter über dem Meer. Im Winter kann es schneien.

Der 31-Jährige, ein kantig-kerniger, im Zweifel schweigsamer Bursche, der schon die ersten grauen Haare bekommt, versichert glaubwürdig, dass er in der Einsamkeit keinerlei Langeweile verspürt. "Hier gibt es so viel zu tun", lächelt er. Und auch zu schauen, zum Beispiel Schwarzadler und mit viel Glück auch einen der fast ausgestorbenen Leoparden in den Bergen. Das sei spannender als jedes Kino.

Nieuwoudt lebt mit Freundin, Eltern und 34 Familien von farbigen und schwarzen Arbeitern, deren Vorfahren auch schon auf der Farm siedelten. Vater Ernst hatte in den siebziger Jahren begonnen, zusätzlich zum Obst auch Reben zu setzen. 1977 wurde der erste Wein gefüllt. Sohn David studierte Weinbau. Mit seinem Eintritt in den elterlichen Betrieb wurde aus der Farm ein reines Weingut, inzwischen vielfach ausgezeichnet. Ein wenig Tourismus in rustikalen Hütten bessert das Budget auf. David Nieuwoudt nennt seine Erzeugnisse "Impahla". Das Wort aus der Xhosa-Sprache bedeutet Reichtum.

Sein 2002er Pinotage ist ein extraktreicher, glutvoller Tropfen, der herzhaft nach Pfefferminz duftet und Gaumen füllend nach Pflaumen schmeckt - der rechte Trunk für diese trübe Jahreszeit. Eine Andeutung von Rauch ist auch dabei, typisch für diese alte südafrikanische Kreuzung aus Pinot noir und Cinsault. Und eine kecke Säure macht den an sich schweren Wein frisch und lebendig.

Die Südafrikaner essen mit Leidenschaft Spareribs: Flache Schweinerippen mit Tomatenmark, süßem Senf, Salz und Pfeffer einreiben, in Alufolie einschlagen und in der Röhre garen. Das schmeckt gut mit gestampftem und mit Butter abgeschmecktem Rosenkohl, über den geröstete Sesam-Kerne gestreuselt werden.

Aber Vorsicht: Die Körnchen hüpfen in der Pfanne wie Flöhe.

Höhenlage
Wein 2002 Impahla

Rebsorte Pinotage

Anbaugebiet Südafrika

Analyse 14,8° Alkohol, 5,9 g Säure, 3,2 g Restzucker (pro Liter)

Mindestens haltbar bis Ende 2006

Preis 8,50 Euro

Adresse Kloos & Kloos Rinderbachstr. 19 55218 Ingelheim Tel. 06132/ 431828 Fax - 431326 E-Mail info@ afrika-wein.de

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