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30.01.2004

07:16 Uhr

Falkensteins Weinprobe

Vom Weinberg des Königs

Wenn Klaus Zimmerling aus seinem bewegten Leben berichtet, dann ändert sich seine Sprechweise ständig. Sächsisch wechselt mit Berliner Einsprengseln.

Der gebürtige Leipziger studierte in der Hauptstadt Maschinenbau und arbeitete dann in Dresden als Konstrukteur. Wann und wie er "vom Weinbazillus befallen" wurde, kann er nicht mehr genau einordnen. Schon als Student experimentierte er mit Fruchtwein.

Es war während der Wende, als er in Pillnitz oberhalb von Dresden Weinberge sah, um die sich niemand zu kümmern schien. Er fragte nach, bekam abschlägige Antworten, ließ aber nicht locker. "Man muss lästig sein wie eine Schmeißfliege, dann klappt?s am Ende", erzählt er. Heute ist er Eigner von vier Hektar Reben-Terrassen inmitten des Königlichen Weinberges, der einst zum Hofe August des Starken gehörte.

Um das Rüstzeug zum Winzer zu erlernen, ging Zimmerling für ein Jahr in die Wachau. "Das Klima wie dort haben wir nicht. Hier beginnt der Frühling spät. Um einen vollreifen Wein zu bekommen, muss man gnadenlos reduzieren", doziert er. So erntet er denkbar wenig. Die fünffache Menge wäre zulässig. "Mir schmeckt der Wein nur so", lächelt er.

Der 44-Jährige, mittelgroß, drahtig, mit blondem Wuschelhaar und Sechstagebart ausgestattet, hat keine Angst davor, als Außenseiter zu gelten. Bei ihm heißt alles "Sächsischer Landwein", auch wenn es sich um veritable Auslesen handelt. Dass er ökologisch arbeitet, erwähnt er nicht weiter. Auf schöne Etiketten legt er aber Wert. Die zeigen strenge, wehmütige Skulpturen seiner Frau Malgorzata Chodakowska, einer polnischen Bildhauerin.

Beim Gewürztraminer gab es nur eine Traube pro Stock. Der Ertrag von einem Quadratmeter reichte eben, um ein Glas zu füllen. Ein solcher Schatz kann nicht billig sein. Doch für das Geld bekommt der Genießer randvoll Aromen eingeschenkt, intensive Frucht, raffinierte Würze, feine Erdtöne. Das tänzelt auf der Zunge und füllt den Gaumen lange aus. Da müssen sich die Elsässer sehr anstrengen, um einen ähnlich erregenden "Gewurz" hinzubekommen.

Zimmerlings Hochgenuss beglückt solo zur blauen Stunde (vielleicht mit Brahms? letzten Klavierstücken, von Lars Vogt zum Träumen schön gespielt). Oder er passt zu folgender Quiche: Eine Backform mit Mürbeteig aus zwei Teilen Mehl und einem Teil Butter, etwas Wasser und Eigelb auslegen; für die Füllung Gorgonzola in heiße Milch rühren, gekochte Kartoffeln einstampfen, alles sehr cremig aufschlagen; Speckwürfel, Schnittlauch untermengen; mit fein geriebenem Emmentaler bedecken,

ausbacken. Würze ohne Ende

Wein 2002er Sächsischer Landwein

Rebsorte Gewürztraminer

Anbaugebiet Sachsen

Analyse 14,0° Alkohol, 4,0 g Säure, 6,9 g Restzucker (pro Liter)

Mindestens haltbar bis Ende 2005

Preis 12 Euro (0,5-Liter- Flasche)

Adresse Klaus Zimmerling Bergweg 26 01326 Dresden-Pillnitz Tel./Fax 0351/2618752

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