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26.01.2007

14:17 Uhr

Falkensteins Weinprobe

Wunder im Kapland

VonPit Falkenstein

Marie Malan organisiert und überwacht alles bei der Stellar Organics Winery an der N7 nahe Clanwilliam, halben Weges zwischen Kapstadt und der Grenze zu Namibia gelegen. Nur dem bulligen Kellermeister Dudley Wilson redet sie nicht drein. "Der ist ein Genie", lobt sie.

Marie Malan flog im Herbst von Kapstadt nach London, um dort Kunden zu besuchen. Die kleine, rundliche Frau war ganz allein. Das will etwas bedeuten, denn die Farbige hatte erst vor wenigen Jahren begonnen, Englisch zu lernen. Die 55-Jährige arbeitet als Betriebsleiterin bei der Stellar Organics Winery an der N7 nahe Clanwilliam, halben Weges zwischen Kapstadt und der Grenze zu Namibia gelegen.

Ihre Eltern starben früh. Sie musste sich um die jüngeren Geschwister und um vier Waisenkinder aus der Nachbarschaft kümmern. Sie ging putzen - zu den Rossouws, den Großeltern ihres jetzigen Chefs Willem Rossouw.

Die weißen Farmersleute förderten die junge Frau. Bald war sie Vorarbeiterin auf der Gemüse-Plantage. Nach zehn Jahren Mitarbeit schenkte ihr der Boss Fortbildungskurse - zu Zeiten der Apartheid. Als die Kellerei entstand, lernte sie an der Hochschule in Stellenbosch Weinbau, als zweite schwarze Frau in Südafrika.

Bei Stella Organics geht es streng ökologisch zu. Fünf kleine Farmen liefern die Trauben. Die Bauern sind durchweg Farbige. Die Umstellung auf Bio-Weinbau fiel nicht allzu schwer. Das Namaqua-Land dort hat Steppenklima, in dem kaum Schädlinge auftreten. Es regnet nur im Frühjahr. Dann ist die Gegend ein einziger Blumenteppich in rauschhaften Farben.

Marie Malan organisiert und überwacht alles, von der Rebblüte bis zur Abfüllung. Nur dem bulligen Kellermeister Dudley Wilson redet sie nicht drein. "Der ist ein Genie", lobt sie. Dessen Stellvertreter ist auch ein Farbiger: Berty Jones kam 1998 zu den Rossouws. Er war damals noch Maurer und half beim Bau der Kellerei.

Dem Duo ist voriges Jahr ein rundum leckerer, samtiger Merlot gelungen, der angenehm nach dunklen Früchten, Pfeffer und Tabak duftet. Der Geschmack von Schattenmorellen füllt den Mund lange aus.

Der Wein nimmt es mit einem herzhaften Mahl auf. Ein Kilo Ochsenschwanz weich kochen, Brühe kalt stellen und entfetten. Das Fleisch von den Knochen lösen und mit einem (in der Brühe) aufgeweichten Brötchen durch den Wolf geben. Die Masse kommt mit einem halben Pfund Schweinemett, zwei Eiern, Madagaskar-Pfeffer und Meersalz in eine Terrine. Eine halbe Stunde im Ofen bei 150 Grad überbacken. Inzwischen für die Sauce zwei dicke Möhren in der Bouillon kochen, im Mixer pürieren, Sahne zugeben, mit Curcuma würzen, salzen.

Biologisch

  • Wein:2005er Stella Organics
  • Rebsorte: Merlot
  • Anbaugebiet: Western Cape/Südafrika
  • Analyse: 13,4° Alkohol, 5,1 g Säure, 1,9 g Restzucker (pro Liter)
  • Trinken bis: 2008
  • Preis: 7,20 Euro
  • Adresse: Wein & Feinkost Gisela Pöhler, Breitestraße 1, 924 21 Schwandorf; Tel. 094 31/218 07; Fax -99 06 76 feingut.poehler@t-online.de

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