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14.01.2005

08:09 Uhr

Falkensteins Weiprobe

Karger Boden - voller Wein

VonPit Falkenstein (Weinautor für das Handelsblatt)

Château Planères ist nur über ein steiles, windungsreiches Sträßchen zu erreichen. Das Anwesen, im alten katalanischen Stil aus roten Ziegeln erbaut, liegt inmitten von Reben auf einem Plateau hoch über dem französischen Ort Saint Jean Lasseille.

Die Aussicht dort ist überwältigend: Von weitem grüßen das Mittelmeer und die ersten Gipfel der Pyrenäen. Zur spanischen Grenze sind es gerade mal zehn Kilometer.

Planères steht für eine kleine sprachliche Eigenheit: Das "s" wird mitgesprochen. Das passt zu dem eigenwilligen Ort, der die Erfüllung eines Traums ist, der schon vor 35 Jahren begann. Damals kämpften Francis Jaubert und Gilbert Noury, zwei Visionäre im Roussillon, um eine Anerkennung ihrer Provinz als Qualitätsweingebiet. Dazu mussten sie aber erst die eigenen Winzer von der Notwendigkeit überzeugen, Massenreben auszuhauen, die Erntemengen zu drosseln und die Keller zu erneuern.

Es folgten Jahre der Entbehrungen, weil die Händler nicht gleich mehr für den Wein bezahlten. Der Lohn kam dann 1977 mit der Appellation d?Origine Contrôlée. Seitdem gehört der Roussillon zum oberen Fünftel des französischen Weinbaus.

1986 erwarben die beiden Pioniere das Hofgut Planères, das heute von den Söhnen bewirtschaftet wird. Ein munteres Quartett: Roland Noury, groß und schon leicht angegraut, und die jüngeren Jaubert-Brüder Claude, Gilles und Guy, knackige Katalanen mit schwarzem Wuschelhaar, haben sich die Aufgaben im Betrieb vernünftig aufgeteilt. Die Weingärten bewirtschaften sie gemeinsam. "Wir haben mehr als hundert Hektar", sagt Gilles Jaubert, "da wird jede Hand gebraucht."

Die Arbeit fordert. Das Gelände ist wellig, teils sogar steil. Die Böden sind karg und steinig, von Felsbrocken durchzogen. Erntemaschinen kommen da nicht durch. Die Reben müssen ihre Wurzeln tief in den Untergrund schicken, um an Wasser und Nahrung zu gelangen. Das Ergebnis sind ausdrucksstarke Weine.

"Terroir et Authenticité" heißt das Motto des Betriebs. Das trifft auf die kraftvollen, eigenwilligen Gewächse sicher zu. Die rote Sélection Chantaïl von 2002 ist von bestem Landadel. Die Schlieren am Glas lassen schon den Reichtum an Inhaltsstoffen erahnen. Der Wein riecht kräftig nach Wild und Sellerie. Der Geschmack kommt in Wellen: Pflaumen, Mandeln, mediterrane Kräuter und reichlich Erde.

Nach fetten Tagen und bei derzeit trüber Wetterlage passt dazu Eintopf: Lammfüße scharf anbraten, mit Wasser bedecken und weich kochen. Fleisch auslösen, Brühe kalt stellen und entfetten. Dann grüne Bohnen und Würfel von Kartoffeln mit dem Fleisch kochen, eine Pastinakenwurzel reiben, alles mit Knoblauch, weißem Pfeffer und Bohnenkraut würzen, mit einem Teelöffel Honig abrunden.

Vom Mittelmeer
Wein 2002er Château Planères Sélection Chantaïl
Rebsorte Syrah, Carignan, Grenache
Anbaugebiet Côtes du Roussillon Analyse 13,4 ° Alkohol, 3,3 g Säure, 1,3 g Restzucker (pro Liter)
Mindestens haltbar bis Ende 2006
Preis 4,95 Euro
Adresse Gérards Wein-Markt Bergische Landstraße 618, 40629 Düsseldorf Tel. 02104/95 940, Fax 95 94 22
E-Mail vinoxy@aol.com

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