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23.03.2013

16:05 Uhr

Farbwelt

Wie aus dem Osterei gepellt

VonInge Hufschlag

Der Winter war lange genug grau-in-grau – so wie der Einheits-Look in den Büroetagen. Vorbei. Mann sieht rot oder schillert wie ein Mistkäfer. Mode-Vorbilder sind die farbenprächtigen Männchen aus der Tierwelt.

Mann bekennt Farbe  - nicht nur bei Jean-Paul Gaultier. dapd

Mann bekennt Farbe  - nicht nur bei Jean-Paul Gaultier.

Tierischer Trend auf den Laufstegen in Paris, Mailand, auch in Berlin: Die Männchen geben sich oft farbenprächtiger als die Weibchen. Egal ob Prada oder Gucci, Boss oder Burberry, die Jungs waren vor Ostern wohl alle in der Häschenschule in den Farbpott gefallen. Mal von oben bis unten in rot oder blau, dann wieder wild gemustert oder abgesetzt in beißendem Colorblocking. Putzt ungemein, aber eigentlich nur Männer, die keinen blassen Schimmer von diesem Winter haben, sondern gerade sonnengebräunt aus der Karibik oder vom Helikopter-Ski in Sonst wo kommen.

Zur farblichen Orientierung – nicht nur vor der Bundestagswahl: Grün ist die Farbe des Jahres, genauer gesagt Emerald, ein angenehmer Smaragd-Ton. Also nicht ostergrasgrün, sondern eher ein ins türkis spielende ruhigerer Farbton (wer’s ganz genau wissen will: Code 17-4641). Er löst das laute Orangerot Tangerine Tango aus dem vergangenen Jahr ab.

Heißt das nun Schluss mit dem eintönig mausgrauen Look in den Büro- und Banketagen? Wohl kaum. Besonders nicht in Krisenzeiten, in denen die meisten Männchen mehr auf Anpassung (= Tarnung) machen als auf individuelle modische Abgrenzung. Aber man könnte ja zumindest mal etwas mehr Farbe in die Freizeit wagen. Das kann ein farbiges Hemd oder Jacket sein, eine Jeans mal nicht im üblichen blau, ein Halstuch als Farbklecks. Oder die Farben brechen: Statt Kanarien- ein mildes Senfgelb wählen, statt Knallrot lieber sanftes Bordeaux.

Die Männermode treibt's bunt in diesem Sommer. dapd

Die Männermode treibt's bunt in diesem Sommer.

Tipp für den Einstieg in die Farbwelt von unten: mit farbigen Schuhen in klassischer Form zum gedeckten Anzug. Passen prima auch zu Jeans. Sehen flott aus, ohne (zu) laut zu sein. Noch zu auffällig, zu aufwändig? Dann polieren Sie ihre alten schwarzen oder braunen Treter auf Hochglanz und ziehen neue rote Schnürsenkel durch.

Modefarbforscher Niels Holger Wien - persönliches Kennzeichen Karottenkopf – schwärmte beim jüngsten Fashion Day des Deutschen Mode-Instituts in Düsseldorf von neuen, schimmernden Materialien: „… wie schillernde Mistkäfer oder fluoreszierende Nacktschnecken“. In der Tierwelt hat Farbe Signalcharakter: Täuschen, Tarnen, Anlocken. Sie lockt Weibchen an, schützt vor Nebenbuhlern oder Fressfeinden – manchmal alles zusammen gleichzeitig.

Beispiel Modefarbe 2013: Giftgrün, der Name ist Programm: Besser nicht beißen, könnte gefährlich werden. Heuschrecken können ihr Grün ihrem Lebensraum anpassen. Klassisch ist auch die Kombi schwarz-gelb bei Wespen und Bienen wie auch beim Feuersalamander: Vorsicht, giftig. Schon mal vom Unkenreflex gehört? Die Gelbbauchunke hat – wie der Name schon sagt – eine dottergelbe Vorderseite. Droht Gefahr, geht sie ins Hohlkreuz, und zeigt dem Feind „die gelbe Karte“.

Doch jeder Trend erzeugt praktisch einen Gegentrend. Wer weder wie ein Erpel schillern noch wie ein Pfau ein Rad schlagen mag, dem bleibt immer noch die klassische Alternative: Schwarz-Weiß. Avantgardisten wählen sie sogar für ihre Bio-Ostereier: Lassen einfach alle unschuldig weiß und legen dazu ein pechschwarzes in den Korb.

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