Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.09.2011

14:21 Uhr

Fashion fürs Flugzeug

Diese(r) dämliche Flight Mode

VonInge Hufschlag

Was zieht Mann an, wenn man die Nacht mit Wildfremden auf Tuchfühlung verbringen muss, dem Himmel so nah. Es gilt eine einfache Regel: Je unbequemer der Flugzeugsitz, desto bequemer sollte die Kleidung sein.

Ein Besatzungsmitglied der Lufthansa in der Economy Class. dpa

Ein Besatzungsmitglied der Lufthansa in der Economy Class.

„Hallo, wie kann ich diesen dämlichen Flight Mode deaktivieren?“ fragt ein Passagier im Flieger von Asien nach Europa verzweifelt die freundliche Stewardess. (S)ein Audio-Problem. Er möchte Musik hören. Seine eigene. Flight Mode ist kein Dress Code. Den könnte man vielleicht Flight Fashion nennen, wenn er nicht meist das Gegenteil davon wäre. 

Beim Anblick seiner Mit-Passagiere möchte man auch schon mal gerne abschalten können. Am besten gleich die Schlafbrille aufsetzen. Mit der Nase wird’s schon schwieriger. Wenn’s eng wird,  erschnüffelt die schon mal zwangsweise, ob der Nebenmann gestern Abend beim Italiener oder im Thai-Imbiss war, weil sein ungewechselter Anzug permanent olfaktorische Botschaften aussendet. Besonders betörend in dem Augenblick, wenn er sein Handgepäck in den oberen Gepäckfächern verstaut. 

Also, liebe Vielflieger, nehmt bitte, bitte etwas mehr Rücksicht auf die Mitreisenden und was zum Wechseln mit. Auch und gerade, wenn die Company nicht mehr Business bezahlt oder gar Erste Klasse. Da bekam man immer so einen feinen Marken-Schlafanzug bekam, nicht nur zum Anziehen, sondern sogar zum Behalten. Das waren noch Zeiten . . . 

Aber auch ohne solche Luxusgaben kann man es sich auf Fern- und Nachtflügen bequem(er) machen. In Kleidung aus leichter Naturfaser, die nicht einengt. Gegen Temperaturschwankungen im meist kühlen Flieger hilft einen leichten kuscheligen Pullover (aus Fleece oder Kaschmir) im Handgepäck zu haben. Einen, der bis über die Nieren reicht. Den kann man auch als Schal oder Schultertuch oder um die Hüften wickeln, wenn man einen der begehrten Plätze am Notausgang ergattert hat, an denen es aber nicht selten empfindlich zieht. 

Jeans sind weniger geeignet an Bord, weil sie meist zu dick und zu eng sind. Der Gürtel stört. Besser bewegen kann man sich in leichten Baumwollhosen mit Bindeband oder gut geschnittenen Trainingshosen in gedeckten Farben. 

Auf Fernflügen unbedingt die Schuhe ausziehen, sonst gibt’s dicke Füße. Also Sneakers oder leichte Schnürschuhe anziehen, in feste Lederschuhe kommt man vielleicht nach der Landung nicht mehr rein. Strumpfwirker bieten für weite Flüge spezielle Thrombose-Strümpfe und -Strumpfhosen an, auch als Kniestrümpfe für Herren. Nicht bei allen Gesellschaften bekommt man noch Socken, also besser gleich selber welche dabei haben. 

Karriere-Frauen sollten auf’s Schaulaufen im Flughafen und in der Lounge verzichten und das Business-Kostüm ebenso im Gepäck lassen wie die High Heels. Damen haben’s mit dem Reise-Outfit ja im doppelten Wortsinn leichter. Es gibt inzwischen so schicke Yoga-Klamotten, in denen frau gut angezogen ist, obwohl sie an Bord wohl kaum Platz für einen Kopfstand oder die ausladende Übung des „Sonnengruß“ hat. Dafür aber vielleicht für den „Baumkratzer“ (sich die Rückenlehne als knorrigen Stamm vorstellen, an dem man sich reiben kann, mit kleinen Bewegungen. Lockert die Wirbelsäule). Wenn das nichts nutzt, der Nebenmann nervt, bleibt noch der „Große Seufzer“: Aufrecht sitzen, Füsse flach auf den Boden stellen, Ellbogen seitwärts wegstrecken, Hände kräftig gegeneinander drücken und einfach Luft ablassen: „Fffffffffffffffft“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×