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02.01.2007

16:30 Uhr

Fluglotsen-Streik

6 000 Flieger sollen am Boden bleiben

Der erste Streik von Fluglotsen in Deutschland steht nach Angaben der Gewerkschaft der Flugsicherung unmittelbar bevor. Hunderttausende Passagiere müssen in diesem Fall mit massiven Verspätungen und Flugausfällen rechnen. Doch der Streik kann noch abgewendet werden.

Stillstand: Angeblich steht der erste Fluglotsen-Streik in Deutschland unmittelbar bevor. Foto: dpa dpa

Stillstand: Angeblich steht der erste Fluglotsen-Streik in Deutschland unmittelbar bevor. Foto: dpa

HB FRANKFURT. „Es ist alles vorbereitet. Der Streikbeginn ist nur noch eine Frage von Tagen, nicht von Wochen“, sagte der Sprecher der Lotsen-Gewerkschaft GdF, Marek Kluzniak, am Dienstag in Frankfurt. Der genaue Termin stehe bereits fest, werde aber wie geplant erst 24 Stunden vorher bekannt gegeben.

Nur ein Viertel aller täglich rund 8 000 Starts, Landungen und Überflüge über Deutschland sollen bei einem Streik stattfinden. Besonders betroffen wäre die Deutsche Lufthansa als größte deutsche Fluggesellschaft. Auslöser des Arbeitskampfes sind die seit November festgefahrenen Tarifverhandlungen der Lotsen-Gewerkschaft mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) für deren gut 5 000 Beschäftigte, darunter 1 800 Fluglotsen. Das bundeseigene Unternehmen lehnt die Forderungen nach je vier Prozent mehr Gehalt für dieses und nächstes Jahr ab, hat aber bislang noch kein Angebot vorgelegt.

Auch die DFS schloss am Dienstag einen Arbeitskampf nicht mehr aus. Allerdings beriet die Tarifkommission des Unternehmens noch einmal das weitere Vorgehen. „Wir hoffen weiterhin, den Streik noch abwenden zu können, aber sicher nicht um jeden Preis“, sagte ein DFS-Sprecher. Zu einem möglichen Angebot oder anderen Schritten wollte er sich nicht äußern. „Das muss die Tarifkommission entscheiden.“ Die Gehaltsforderungen bedeuten für die DFS unmittelbare Mehrkosten bei den Gehältern von gut 80 Millionen Euro in zwei Jahren. Die DFS rechnet allerdings zusätzliche Rückstellungen für die Altersversorgung ein und kommt auf 230 Millionen Euro Mehrbelastung.

Streik könnte noch verhindert werden

Verhindern könnte die DFS einen Streik auch, indem sie kurzfristig offiziell die Schlichtung des Tarifstreits beantragt. Dann müsste die Gewerkschaft erneut die seit dem 1. Januar abgelaufene Friedenspflicht einhalten. Im Falle eines Streiks sieht eine Notfallvereinbarung vor, dass 25 Prozent aller Flüge stattfinden.

Lufthansa hält die Gehaltsforderungen bei der DFS angesichts des harten Wettbewerbs in der Luftfahrt für zu hoch. „Wir hoffen, dass der Tarifstreit nicht auf Rücken der Fluggäste ausgetragen wird“, sagte ein Sprecher. Im Falle eines Streiks werde das Unternehmen versuchen, für die möglichen Flüge möglichst große Maschinen einzusetzen und Umbuchungsmöglichkeiten anbieten. Nach Berechnungen der Lotsen-Gewerkschaft würden um vier Prozent höhere Gehälter ein Flugticket in Deutschland um 30 bis 40 Cent verteuern.

Fluglotsen haben - anders als vielen anderen Ländern - in Deutschland bislang noch nie die Arbeit niedergelegt. Anfang der 70er Jahre gab es lediglich einen so genannten Bummelstreik der damals noch beamteten Lotsen. Die Maßnahme erwies sich allerdings als unrechtmäßig, der damalige Verband der Fluglotsen wurde von Fluggesellschaften auf Schadenersatz verklagt. „Diesmal ist der Streik rechtmäßig. Wir haben alle Fristen eingehalten“, sagte Kluzniak.

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