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03.11.2014

16:25 Uhr

Frauen über 40

Ein Plädoyer gegen das Freudlose

VonJessica Schwarzer

Mit gutem Auftreten und Outfits kennt Sabina Wachtel sich aus, schließlich berät sie Spitzenmanager. Mit „Goldschnitte“ hat sie jetzt ein Buch vorgelegt für alle Frauen 40 plus – witzig, schrill und unterhaltsam.

Alt oder Goldschnitte? Getty Images

Alt oder Goldschnitte?

DüsseldorfEines vorweg: Dies ist kein Buch, über das Handelsblatt Online typischerweise schreiben würde. Es geht nicht um Börsen- oder Managementstrategien, um Wirtschaftsirrtümer oder politische Vermächtnisse. Es geht um Frauen, genauer genommen um Frauen ab vierzig. „Goldschnitte. Für alle Frauen, die sich mit 40 plus noch nicht erschießen wollen.“, so heißt das neue Buch von Sabina Wachtel. Und ihr Werk ist so witzig, wahr, unterhaltsam und trifft den Nerv der Autorin dieser Rezension (Anmerkung der Redaktion: Jessica Schwarzer ist selber gerade 40 geworden), dass wir eben doch darüber berichten.

Normalerweise berät die Inhaberin der Frankfurter Beratung Expert Executive Spitzenmanagerinnen und Spitzenmanager aus Wirtschaft, Politik und Sport in allen Fragen vom perfekten Outfit bis zum sicheren Auftritt. Doch die Frauen um Sabina Wachtel – selber Jahrgang 1967 – herum haben sie wohl zu diesem etwas ungewöhnlichen Sachbuch inspiriert. „Ab vierzig fangen wir an zu malen, tendieren zu Einheitsblond und stellen unsere Ernährung um? Wir tragen nur noch grau-beige, und Yoga ist Pflicht? Bitte nicht“, schreit sie ihren Leserin fast entgegen. Auf rund 200 Seiten erhebt sie Einspruch gegen das Freudlose. Sie plädiert für Wagemut und Spaß für „Gas geben statt Aufgeben“. 

So stylt sich Frau ab 40 (Teil I)

Vergessen Sie das Mittelmaß. Immer!

Was wirklich schräg ist, dass uns mit vierzig plus Mittelmaß aufgezwungen wird, wir sollen darin versinken  – mittellange Röcke, mittellange Haare, mittellange Fingernägel, mittellange Mäntel … nicht weit bis zur Mittelohrentzündung, sage ich immer. Also dieses Mittelmaß-Gedöns sollte die Vierzig-plus-Frau mal schön ignorieren! Meine Botschaft ist: Haare zurückschmeißen, Schultern gerade, Blick nach vorn und Gas geben!

Quelle: Goldschnitte von Sabina Wachtel

Von wegen lange Haare sind verboten!

Wir könnten Bomben-Ausstrahlungs-Monster werden. Wenn wir uns nicht einreden lassen, dass wir diesen frechen praktischen Kurzhaarschnitt brauchen oder das ‚Altenblond‘. Beides soll angeblich auf Anhieb jünger machen. Wenn Sie schöne, lange Haare haben, tragen Sie sie bitte weiterhin so! Jünger werden wir weder durch einen Haarschnitt noch durch eine Haarfarbe und erst recht nicht über die Haarlänge. Machen Sie es, wie Sie es wollen. Lang, kurz, wellig, glatt, neue Farbe, keine Farbe. Aber bitte, bitte eines nicht: Tragen Sie niemals zwei Zöpfe. Hier hört die Freundschaft auf.

Nein, blond macht nicht jünger!

Er ist ein Phänomen dieser Blondwahn, ich nenne ihn gern den Ute-Ohoven-Ton, Dotterkopf oder Altenblond. Blond macht angeblich jung. Und deshalb wollen so viele ab vierzig blond werden. Aber Frau Natur hat leider das sexy Blond den wenigsten Menschen in die Wiege gelegt, weshalb so wenige richtig gut damit aussehen. Vierzig-plus-Frauen werden erst grau, dann dotterblond und wenig später unsichtbar! Wenn Sie sich trotzdem nicht vom "erblonden wollen" abbringen lassen, weil Sie sich damit wohler fühlen, dann schneiden Sie Fotos von Dolly Parton aus oder von Heino und Hannelore und sagen Sie dem Friseur: „Solch eine Farbe auf keinen Fall.“ Das Gegenteil geht aber auch nicht. Pechschwarz - das geht nur, wenn man Cher heißt.

Beautymanagement! Lächerlich?

Das waren noch Zeiten als das Wort Beautyfarm groß rauskam. Jetzt müssen wir selbst ran. Aber keine Panik. Aber  wichtig ist zu wissen, dass Kaviarcreme mit Gold niemals den gleichen Stellenwert haben wird wie zum Beispiel Haarfärbemittel. Und, dass wir wissen, was wir tun. Eigentlich ganz einfach - zu viel des Guten ist kontraproduktiv und macht alt. Gar nichts? Geht nicht! Mit zwanzig haben wir noch nicht mal ungeschminkt den Müll rausgebracht und jetzt schlottern wir manchmal ganz schön rum. Die Goldschnitte nimmt sich nicht nur Raum und Zeit für Schuhe, sondern auch für eine Foundation und etwas Wimperntusche. Und: ein roter Lippenstift macht immer einen schlanken Fuß. Einfach! Also bitte!

Achten Sie auf Ihre Augenbrauen!

Augenbrauen sind ein wirkliches Indiz für das Alter. Gucken Sie mal den Frauen ab vierzig auf die Augenbrauen. Machen Sie das mal. Kaum eine bekommt diese Partie noch in den Griff. Verzupft, unkontrollierte Härchen, komische Farben oder gar nix. Das ist doch ätzend. Investieren Sie hier wirklich mal ein paar Euro! Lassen sie Ihre Augenbrauen wenigstens ab und zu vom Profi zupfen, damit sie, die Augenbrauen, und SIE in der Spur bleiben. Wir haben doch wirklich schon genug um die Ohren! Da regen wir uns wenigstens über eine Sache weniger auf.

(Grelle) Farben sind kein Tabu.

Im Alter soll ja Beige das neue Schwarz sein, und dann ist es nur noch ein Katzensprung zum beigefarbenen Anorak und den Gesundheitsschuhen. Wer mit zwanzig schon grelle Farben geliebt hat, der weiß auch, wie grell ab vierzig funktioniert. Machen Sie auf keinen Fall schlapp. Wenn Sie immer schon Farben mochten, dann soll das auch so bleiben. Lieber einmal danebengegriffen, als den beigen Anorak zu kaufen. Zur Not tun es auch bunte Schnürsenkel oder quietschgrüne Strümpfe. Im Detail liegt die Würze.

Nur noch Cashmere und Seide! Im Gegenteil!

Nur 1a-Qualtität ist gut und schön, aber nicht immer machbar. Von allem nur das Beste, sprich Teuerste, in Bezug auf Klamotten ist falsch. Der Mix macht es. H&M und Konsorten liefern die Basics, die auch nicht, wie oft behauptet, nach einem Mal waschen aus allen Nähten fliegen. T-Shirts, Hosen, Mäntel, Tanktops -super günstig sind absolut in Ordnung. Eine knackige Jeans, dazu einen tollen Oversize-Pullover gehen immer. Billig mit teuer zu kombinieren, oder generell günstige Kleidung teuer aussehen zu lassen ist die Kunst, die es zu beherrschen gilt.

Das mag natürlich ein wenig zugespitzt sein, aber wer kennt sie nicht? Sätze à la: „Das kann man in unserem Alter nicht mehr tragen.“ Oder: „Lange Haare gehen ab 40 eigentlich nicht mehr.“ Oder: „Ab einem bestimmten Alter sollte man nur noch Qualität kaufen, H&M ist was für Teenies.“ Blödsinn, würde Sabina Wachtel wohl sagen. „Sich gut fühlen, mutig und vor allem lebendig sein – das macht Frauen zu Goldschnitten“, schreibt sie. 

Sie liefert viele Anekdoten, beschreibt, wie ihre Freundinnen mit Job, Aussehen, Privatleben und natürlich ihrem Alter hadern. Das tut sie mit viel Humor und einer gehörigen Portion Selbstironie. Die brauchen übrigens auch ihre Leserinnen, die sich sicher immer mal wieder selbst erkennen werden. 

Manchmal erinnern die Szenen, die Sabina Wachtel mit ihren Freundinnen – natürlich viele in den Vierzigern – erlebt hat, ein bisschen an „Sex and the City“. In der US-Kultserie treffen sich Carrie und ihre drei besten Freundinnen regelmäßig in einem Café und analysieren sehr pointiert ihr Leben und Leid. Ähnliche Dialoge führen die Goldschnitten. Oft sehr witzig, oft mit Tiefgang. Aber immer wieder treffen sie den Nerv der (betroffenen) Leserin.

Kommentare (1)

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Herr Horst Hamacher

03.11.2014, 17:52 Uhr

Meine Botschaft ist: Haare zurückschmeißen, Schultern gerade, Blick nach vorn (wohin sonst?) und Gas geben!
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Genau so verhalten sich all die lieben PowerFrauchen,
die keinen mehr mitkriegen weil sie ständig so viele
Haare zurückschmeißen, den stierenden Blick nach vorne richten und eine Gangart trainiert haben, die jedes Leichttraben mit einem Araberhengst in den Schatten stellt. Peinlich, einfach nur peinlich .... diese Mädels!

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