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13.09.2011

15:01 Uhr

Frisur, Tattoo, Stimme

Warum Charlotte Roche bei „3 nach 9“ keine Chance hatte

Lange wurde darüber spekuliert, warum Charlotte Roche im Jahr 2009 die Co-Moderation NDR-Talkshow „3 nach 9“ aufgegeben hat. Am Rande einer Lesung verriet die Autorin erstmals mehr - es ging offenbar um Äußerlichkeiten.

Charlotte Roche bei einer „Schoßgebete“-Lesung. dpa

Charlotte Roche bei einer „Schoßgebete“-Lesung.

DüsseldorfRund zwei Jahre hat Autorin und TV-Moderatorin Charlotte Roche geschwiegen, was ihre Demission als Moderatorin der NDR-Talkshow „3 nach 9“ betrifft - gemäß der Vereinbarung, die Roche damals mit dem produzierenden Radio Bremen getroffen hat. Angesichts der Veröffentlichung ihres neuen Romans „Schoßgebete“, der seit Start die Bestsellerlisten anführt, ist die wegen der expliziten und sexuellen Inhalte ihrer Bücher umstrittene 33-jährige auf Lesereise durch Deutschland. Eine Fragerunde beim Halt im Hamburger Schmidt-Theater führte jedoch nach Angaben der Hamburger Morgenpost dazu, dass das Schweigen gebrochen wurde.

„Meinen Lesern beantworte ich alles“, zitiert das hanseatische Boulevardblatt die Autorin. Als die Sprache auf ihr bisher letztes TV-Engagement kommt, blieb sie dieser Linie treu. Die Gründe, die Roche am Sonntag in Hamburg anführte und von der „Mopo“ niedergeschrieben wurden, lassen kein gutes Licht auf die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt fallen. Es sei um Äußerlichkeiten gegangen, berichtet die Moderatorin, die als Nachfolgerin Amelie Frieds rund vier Monate bei der wöchentlichen Talkshow gemeinsam mit Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo das Zepter geschwungen hatte.

„Ich habe mich vor der Sendung zurechtgemacht. Aber dann hieß es: So willst du doch wohl nicht auftreten?“ heißt es in der Quelle. Besonders zwei Dinge passten den Verantwortlichen nicht in den Kram: Roches Frisur und ihre Tätowierungen. „Das waren vor allem Diskussionen mit Leuten, die gar keine Haare haben“, zitiert die Zeitung die einstige Kultmoderatorin von Viva2. Die Richtung, die die Aussagen einschlagen, ist damit klar. Um die Tattoos an ihren Armen zu bedecken, sei Roche zudem angehalten worden, nur langärmelige Oberbekleidung zu tragen.

Ein Rätsel sei es für Roche dabei vor allem, dass die Macher bei Radio Bremen ihre Bedenken nicht vorab geäußert hätten. Die Tätowierungen seien bekannt gewesen. Und in der Tat ist Charlotte Roche alles andere als eine unbekannte Größe - unabhängig von ihren Erfolgen mit dem Skandalroman „Feuchtgebiete“. Von 1998 bis 2004 war sie als Moderatorin der Musiksendung „Fast Forward“ bei Viva und Viva2 zu sehen, auch danach blieb sie mit der Sendereihe „Charlotte Roche trifft...“ einem ähnlichen Format treu. Eindeutige Sprache und keine thematische Scheu bewies sie dann 2008 auch in ihrem Literaturdebüt. Bei einer bundesweiten und sehr erfolgreichen Lesereihe trug sie 2005 zudem gemeinsam mit Christoph Maria Herbst aus einer Dissertation mit dem Titel „Penisverletzungen bei der Masturbation mit Staubsaugern“ vor. Radio Bremen und der NDR konnten folglich durchaus wissen, wen sie sich dort vor die Kamera holen.

Natürlich auch stimmlich - und selbst hier hatten die Verantwortlichen sich offenbar etwas anderes vorgestellt: „Viele Zuschauer hatten geschrieben, dass sie meine Stimme nicht ertragen können“, erklärte die 33-jährige in der Hamburger Morgenpost, „da hieß es, ich muss ein Stimmtraining machen. Aber die Redaktion wusste doch schon vorher, wie ich spreche!“ Die Differenzen gingen der Quelle zufolge so weit, dass Roche eine Migräneattacke bekam. Der entscheidende Punkt, an dem sie entschied, sich von der Diskussion und dem Job nicht krank machen zu lassen. Radio Bremen kommentierte die Aussagen auf Nachfrage der Morgenpost nicht - und verwies stattdessen auf eingangs erwähnte Verschwiegenheitsklausel.

Von

alm

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

13.09.2011, 15:39 Uhr

Na,irgendwo muss ja der Grund für das erbärmliche Niveau liegen.Wenn sich Verantwortliche von solch grotesken Kritiken wie der einer unerträglichen Stimme kirre machen lassen,dann ist Hopfen und Malz verloren.
Im Übrigen sollten die Zeiten von "Verschwiegenheitsklauseln"
der Vergangenheit angehören.Sowas ist vom Grundsatz her abzulehnen.Wenn jemand öffentlich nicht zu dem stehen kann,was er hinter der Kamera anderen abverlangt,dann sollte man ihn schleunigst von dieser Verantwortung entbinden.

soso

13.09.2011, 16:11 Uhr

An was dachte der Redakteur?
Der Roman von Charlotte Roche hat den Titel "Schoßgebete"
Weshalb heisst der hier "Stoßgebete"?

Profus

13.09.2011, 16:16 Uhr

" ... Angesichts der Veröffentlichung ihres neuen Romans „Stoßgebete“, ..." Das ist gut, da hat sich aber ein netter Versprecher eingeschlichen *lach*

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