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22.06.2017

12:07 Uhr

Gefährliches Spielzeug

Verbraucherschützer warnen vor dem Fidget Spinner

VonThomas Schmitt

Der Hype um das Trendspielzeug Fidget Spinner lockt Geschäftemacher an. Billigversionen werden in den Markt gedrückt. Gefährlich für Kinder, die Teile verschlucken oder sich verletzen können. Verbraucherschützer warnen.

Hunderttausende der Handkreisel sind trotz Lieferengpässen bundesweit bereits verkauft worden. Reuters

Fidget Spinner

Hunderttausende der Handkreisel sind trotz Lieferengpässen bundesweit bereits verkauft worden.

DüsseldorfLetztes Jahr löste das Smartphone-Spiel „Pokémon Go“ einen Hype aus. In diesem Jahr ist der Fidget Spinner das Phänomen des Sommers. Das Drehspielzeug, einen Mischung aus Propeller und Ninja-Wurfstern, verkauft sich so gut, dass es mancherorts bereits ausverkauft ist. Die Folge: Geschäftsmacher drängen mit gefährlichen Billigversionen ins Land.

Es gibt die rasanten Kreisel in immer verrückteren Ausführungen, und in zahlreichen Youtube-Videos erhalten Jung und Alt ultimative Tuning-Tipps. „Aber Achtung: Nicht alle Spinner sind auch für Kinder geeignet“, warnt der TÜV-Rheinland. Viele Geräte gehörten wegen verschluckbarer Kleinteile nicht in die Hände von Kleinkindern, rät Ralf Diekmann, Experte für Produktsicherheit beim TÜV Rheinland.

Kleine magnetische Teile oder frei zugängliche Knopf-Batterien für eine LED-Beleuchtung sollten daher tabu für Kinder unter drei Jahre sein. Wenn sie sich lösen und verschluckt werden, könne es zu sehr gefährlichen inneren Verletzungen kommen. Erst kürzlich musste der Zoll deshalb große Mengen unerlaubter Fidget Spinner aus dem Verkehr ziehen und vernichten.

Wie Eltern ihre Kinder vor gefährlichem Spielzeug schützen können

Welche Voraussetzungen muss Spielzeug laut Gesetz erfüllen?

Spielzeuge dürfen unter anderem keine scharfen Kanten oder verschluckbaren Teile haben. Elektrische Spielzeuge dürfen nur mit einer bestimmten Spannung betrieben werden, zahlreiche Schadstoffe sind verboten. Die Regelungen sind aber uneinheitlich und lückenhaft – viele Schadstoffe etwa sind weiter erlaubt.

Wie sehe ich, ob ein Spielzeug wenigstens die gesetzlichen Vorgaben erfüllt?

Das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit wird von unabhängigen Stellen, etwa dem TÜV, für die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben vergeben. Darüber hinaus gibt es private Prüfzeichen wie das TÜV Rheinland Proof-Siegel mit dem Teddybär als Erkennungszeichen. Diese Zeichen garantieren die Kontrolle durch Dritte. Laut Stiftung Warentest ist auf die Prüfzeichen allerdings nicht hundertprozentig Verlass – so enthielten zahlreiche gekennzeichnete Spielzeuge im Test trotzdem Schadstoffe.

An welchen Siegeln können sich Verbraucher sonst orientieren?

Es gibt noch eine Reihe hilfreicher Spezialsiegel etwa für Textilqualität (ÖkoTex Standard 100), elektrische Sicherheit (VDE) oder pädagogische Eignung (Spiel gut). Das CE-Siegel der EU dagegen, das auf vielen Spielzeugen prangt, ist keine Hilfe, weil es nicht unabhängig kontrolliert wird.

Ist Holzspielzeug generell unbedenklich?

Nein. Auch Holzspielzeug kann Schadstoffe enthalten. Verbraucher sollten zu unlackiertem, gewachstem Holz greifen. Vollholz ist besser als geklebtes Holz aus Pressspan oder Sperrholz, das ebenfalls Schadstoffe enthalten kann.

Was ist bei Kunststoff-Spielzeug zu beachten?

Plastik-Spielzeug sollte frei sein von PVC und Weichmachern (Phtalaten). Diese Stoffe können schädlich für das Kind sein, wenn es sie verschluckt oder das Spielzeug in den Mund nimmt. Besser sind PP (Poly-Propylen) oder PE (Poly-Ethylen). Oft ist die Kunststoffart mit Zahlen von 1 bis 7 in einem Dreieck auf dem Produkt verschlüsselt. Hier steht die 3 für PVC. Die Kunststoffe der anderen Zahlen gelten als kaum bedenklich.

Wie sehe ich, woher das Spielzeug kommt?

Mehr als die Hälfte der Spielwaren in Deutschland stammt aus China. Hersteller müssen nicht angeben, wo ein Spielzeug produziert wurde. Vertrauenswürdige Firmen aber geben meist neben ihrer Adresse auch das Ursprungsland auf der Verpackung an. Produkte ohne Herstellerangabe sollten nicht gekauft werden.

Was kann ich im Laden sonst noch tun?

Verbraucherschützer empfehlen, auch auf eigene Faust zu testen. So könnten Käufer überprüfen, ob ein Spielzeug auf der Haut abfärbt oder ob es unangenehm riecht. Beides kann ein Hinweis auf Schadstoffbelastung sein. Auch sollte geprüft werden, ob sich Kleinteile leicht ablösen.

Was kann ich tun, wenn ich gefährliche Mängel bei einem Spielzeug feststelle?

Wer einen Defekt feststellt, sollte zum betreffenden Händler gehen. Bei Spielzeugen, die gegen die rechtlichen Regelungen verstoßen, können Kunden den Kaufpreis zurückverlangen. Wer glaubt, von einem Spielzeug gehe ganz generell eine Gefahr aus, kann dies bei den Gewerbeaufsichtsämtern melden.

Im Mai wurden insgesamt 35 Tonnen dieser Fingerdrehkreisel aus China beim Zollamt Fracht am Frankfurter Flughafen zur Einfuhrabfertigung angemeldet. Die Überprüfung ergab: Viele dieser Produkte mussten als unsicher eingestuft werden. „Dieses Spielzeug hätte gerade für kleine Kinder eine Gefahr bedeuten können“, erklärte Christine Straß vom Hauptzollamt Frankfurt am Main.

Nicht nur das: Es fehlten auch die zum Schutz der Verbraucher vorgeschriebenen CE Kennzeichnungen, lesbare Gebrauchsanweisungen sowie Modellnummern zur näheren Beschreibung und Identifizierung des Spielzeugs. Es habe auch keine Hinweise auf Firmen oder Personen gegeben, die für das Produkt verantwortlich sind, weder auf der Verpackung, bemängelten Prüfer.

Der Hype um die Fidget Spinner war Ende April losgegangen, als Youtube-Videos aus den USA und Großbritannien eine Lawine der Begeisterung bei den hiesigen Kids ausgelöst haben, wie Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbandes des Spielwaren-Einzelhandels in Köln, der Deutschen Presse-Agentur weiß. Die Folge: Eine rasant steigende Nachfrage im Handel – mit unerwünschten Folgen.

Kommentare (1)

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Frau Annette Bollmohr

22.06.2017, 13:03 Uhr

Letztes Jahr war's Pokémon Go, dieses Jahr der Fidget Spinner, die Welt braucht Ablenkung. Wovon eigentlich?

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