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27.08.2011

15:25 Uhr

Hohenzollern-Hochzeit

Prinz Georg-Friedrich ist unter der Haube

Hätte Deutschland noch eine Monarchie, wäre Georg Friedrich Prinz von Preußen Staatsoberhaupt. Am Samstag feierte der Angehörige des Hauses Hohenzollern Traumhochzeit mit seiner Prinzessin - und viel Prominenz.

PotsdamGeorg Friedrich Prinz von Preußen (35) und seine Braut Sophie Prinzessin von Isenburg (33) sind am Samstag in Potsdam getraut worden. Zwei Tage nach der standesamtlichen Hochzeit gaben sie sich bei einem ökumenischen Gottesdienst in der Friedenskirche in Potsdam das Ja-Wort. Im offenen, nachtblauen Landauer ging es dann - gezogen von sechs Pferden - durch die Innenstadt zu den Neuen Kammern im Schlosspark Sanssouci. Die rund 650 Gäste, Adelige wie Prominenz, gingen dagegen meist zu Fuß durch den Park zu dem Empfang. Am Abend war ein Galadinner im privateren Stil in die Orangerie geplant.

Die Hohenzollern

Herkunft

Ihre Wurzeln haben die Hohenzollern in Schwaben. Die Wege des Fürstengeschlechts trennten sich um 1214, als die Brüder Konrad und Friedrich das Erbe aufteilten. Friedrich begründete die schwäbische Linie - Konrad die fränkische Linie in Nürnberg. Bis heute haben beide Linien des Adelshauses ihren gemeinsamen Stammsitz auf der Burg Hohenzollern bei Hechingen in Baden-Württemberg.

Die fränkischen Hohenzollern

Die fränkischen Hohenzollern dehnten ihre Macht im Laufe der Jahrhunderte bis nach Brandenburg aus, wurden Kurfürsten und schließlich 1701 Könige von Preußen. Mit Wilhelm II. musste 1918 der letzte Hohenzollern-Kaiser abdanken. Heute ist der 35-jährige Georg Friedrich Prinz von Preußen der Chef des Hauses Hohenzollern.

Die schwäbischen Hohenzollern

Die schwäbischen Hohenzollern sind heute in Sigmaringen an der Donau ansässig. Nach dem Tod von Friedrich Wilhelm Fürst von Hohenzollern im vergangenen Jahr ist sein Sohn offiziell an die Spitze des Adelshauses getreten. Karl Friedrich Prinz von Hohenzollern wird nun - ehrenhalber - als Fürst angeredet.

Tausende Zaungäste säumten die Straßen, um den Ururenkel des letzten Deutschen Kaisers und seiner Braut zu winken. Wenige Meter entfernt hallten Protestrufe von einer Gegendemonstration. Laut Polizei blieb es aber friedlich. Auch die Vertreter des deutschen und europäischen Hochadels, größtenteils zu Fuß unterwegs, kamen ungehindert zur Kirche.

Das Brautpaar

Die Braut

Sophie Prinzessin von Isenburg wurde am 7. März 1978 in Frankfurt/Main geboren. Sie stammt aus einem Fürstenhaus, dessen Wurzeln sich bis ins Jahr 963 zurückverfolgen lassen. Ihre Eltern sind Franz Alexander, Fürst zu Isenburg, und Christine, Gräfin von Saurma. Sie hat zwei Brüder, Erbprinz Alexander und Prinz Viktor, und zwei Schwestern, Prinzessin Katharina und Prinzessin Isabel.

Kindheit und Schullaufbahn

Die 33-Jährige ist im hessischen Birstein aufgewachsen und besuchte dort die Grundschule, später ging sie auf ein Internat. Nach dem Abitur hat sie - wie ihr Verlobter - Betriebswirtschaft studiert. Während er im sächsischen Freiberg ausgebildet wurde, studierte sie in Freiburg im Breisgau an der Albert-Ludwigs-Universität und später an der TU Berlin.

Karriere

Die Diplom-Kauffrau war mehrere Jahre Mitarbeiterin der Bertelsmann Group, zunächst als Assistentin der Geschäftsleitung, dann als Managerin. Seit 2010 ist die Prinzessin in einem Berliner Unternehmen tätig, das gemeinnützige Organisationen berät.

Sonstiges

Ihren Verlobten kennt die Hessin bereits aus Kindheitstagen, weil zwischen den Adelsfamilien verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Die Prinzessin ist katholisch. Da die preußischen Hohenzollern traditionell evangelisch sind, wird die Hochzeit mit einem ökumenischen Gottesdienst gefeiert.

Der Bräutigam

Georg Friedrich Ferdinand Prinz von Preußen wurde am 10. Juni 1976 in Bremen geboren. Die Hochzeit seiner Eltern, Louis Ferdinand Prinz von Preußen und Donata Gräfin zu Castell-Rüdenhausen, ein Jahr zuvor war ein Medienereignis. Doch das junge Familienglück endete jäh: Kurz nach dem ersten Geburtstag des Prinzen starb sein Vater nach einem Unfall bei einer Wehrübung.

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Prinz Louis Ferdinand senior bestimmte seinen Enkel Prinz Georg Friedrich zum Nachfolger als Chef des Hauses. Die Anfänge seiner Schulzeit verbrachte Prinz Georg Friedrich zunächst in Fischerhude bei Bremen, dem Wohnsitz seiner Eltern. Später besuchte er Gymnasien in Bremen und Oldenburg, das Abitur machte er in Schottland.

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Mit dem Tod seines Großvaters, Prinz Louis Ferdinand senior, am 25. September 1994 wurde er Chef des Hauses Hohenzollern. Nach zwei Jahren Militärdienst bei den Gebirgsjägern in Mittenwald ging der Prinz nach Sachsen an die Bergakademie in Freiberg und studierte Betriebswirtschaftslehre. Parallel absolvierte der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers diverse Praktika bei Software-Firmen im In- und Ausland und einen sechsmonatigen Aufenthalt als Werkstudent in Ecuador. Seit 2009 arbeitet er in Rostock als Unternehmens- und Existenzgründungsberater mit Wissenschaftlern zur Verwertung neuer Ideen aus dem Hochschulbereich.

Sonstiges

Dem Prinzen, der Südamerika und die spanische Sprache liebt, liegen Geschichte und Tradition am Herzen, allerdings in zeitgemäßer Form. Als Major der Reserve dient er bei der 10. Panzerdivision der Bundeswehr in Sigmaringen. Besonders wichtig ist ihm die von seiner Großmutter gegründete Prinzessin Kira von Preußen-Stiftung. Sie ermöglicht seit einem halben Jahrhundert erholungsbedürftigen Kindern Ferien auf der Burg Hohenzollern, dem Stammsitz der Familie.

Sämtliche großen Adelshäuser hatten Vertreter geschickt, besonders stark vertreten waren die Hessen und die Bayern. Zu den Gästen zählten aber auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (beide SPD), der das Paar am Donnerstag standesamtlich getraut hatte. Griechenlands Ex-Nationaltrainer Otto Rehagel und Ehefrau Beate gehörten zu dem Kreis der privaten Freunde des Paares.

Wie seine Gäste, kam Georg Friedrich Prinz von Preußen zu Fuß zur Kirche. An seiner Seite winkten seine Mutter Donata Gräfin zu Castell-Rüdenhausen und seine Schwester Cornelie-Cécile. Die Braut fuhr in einem silbergrauen Rolls-Royce eines schwedischen Freundes vor. Unter dem Applaus der Schaulustigen zeigte sie Punkt 12.00 Uhr ihr prachtvolles Kleid des Potsdamer Designers Wolfgang Joop.

Der Adelsstand in Deutschland

Abschaffung des Adelsstandes

Majestäten, Hoheiten oder Durchlauchten sind in Deutschland passé. Vor mehr als 90 Jahren wurde mit der Weimarer Republik die konstitutionelle Monarchie abgeschafft und damit auch der Adelsstand. Die am 31. Juli 1919 von der Nationalversammlung beschlossene Verfassung sorgte dafür, dass die vielen „Vons“ künftig nur noch Bestandteil des bürgerlichen Namens waren. An dieser Rechtslage hat sich bis heute nichts geändert.

Gesetzesgrundlage

Die Grundnorm, die allen Deutschen die „Gleichheit vor dem Gesetz“ zuerkannte, war Artikel 109 der Weimarer Verfassung. Er hob auch alle Standesvorrechte auf und bestimmte: „Adelsbezeichnungen gelten nur als Teil des Namens und dürfen nicht mehr verliehen werden.“ Bestätigt wurde dies 1949 mit dem Gleichheitsgrundsatz in Artikel 3 des Grundgesetzes.

Namensrecht und Adelsprädikate

Nach dem deutschen Namensrecht sind Adelsprädikate wie „von“, „Freiherr“ oder „Graf“ Bestandteile des Familiennamens und sind ihm voranzustellen. Das heißt, sie stehen im Gesamtnamen immer hinter dem Vornamen. Wer die noch für viele exklusiv anmutenden Attribute führen darf, richtet sich nach den gesetzlichen Bestimmungen, wie sie für jeden Familiennamen gelten. Adelsprädikate der Eltern gehören automatisch zum Geburtsnamen des Kindes. Sie können auch durch Heirat oder Adoption erworben werden. Als fester Teil des Familiennamens dürfen sie im Rechtsverkehr nicht einfach weggelassen werden.

Anrede

Auch bei der Anrede gilt in Deutschland eigentlich bürgerliches Namensrecht und nicht adliges Standesrecht. Prinzessin, Fürst, Graf oder Freiin sind schlicht „Herr“ oder „Frau“ plus Familiennamen. Üblicherweise fallen in der mündlichen Anrede aber „Herr“ oder „Frau“ sowie das „von“ weg. Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt sagte zum verstorbenen früheren Wirtschaftsminister Otto Graf von Lambsdorff „Graf Lambsdorff“. Ex-Finanzminister Hans Matthöfer bevorzugte als überzeugter Republikaner „Herr Graf Lambsdorff“.

Zu Fanfaren zog die Braut an der Seite ihres Vaters Franz Alexander Fürst von Isenburg ein. Die Trauung erfolgte in einem ökumenischen Gottesdienst, weil der Prinz evangelisch ist und die Braut katholisch. Diesen Part übernahm der pensionierte Abt Gregor Henckel von Donnersmarck, Onkel des Oscar-Preisträgers Florian Henckel von Donnersmarck. Der evangelische Pastor Michael Wohlrab von der Auguste-Victoria-Stiftung gab dem Paar die Eheringe. Nach der Zeremonie verlas der Abt Glückwünsche und eine persönliche Botschaft von Papst Benedikt XVI.

Mit der Hochzeit krönte das Paar seine langjährige Beziehung. Der Hohenzollern-Nachfahre und die hessische Prinzessin kennen sich schon von Kindesbeinen an. Beide sind Betriebswirte und gelten als bodenständig. Wie die Braut im Interview mit dem rbb-Fernsehen sagte, wünscht sie sich eine Familie mit Kindern. „Zum Familienleben gehört dazu, das ein bisschen Trubel ist“, sagte die 33-Jährige.

Die Preußenkönige und deutschen Kaiser stammen aus dem Haus Hohenzollern, das seinen Stammsitz bis heute auf der Burg Hohenzollern bei Hechingen auf der Schwäbischen Alb hat.

Von

dpa

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

27.08.2011, 16:45 Uhr

Die Braut ist aber sehr hässlich!! Sorry

jomecklb.

27.08.2011, 18:10 Uhr

glanzvolle hochzeit-endlich mal etwas wo wir deutschen hinschauen können

Johannes

27.08.2011, 19:57 Uhr

@Silvercoin - tja, genau das dachte ich mir auch ... nix mit pippa usw :( - irgendwie wirkt das ganze ziemlich unspektakulär, noch nichteinmal 2. Liga. Einfach peinlich das Foto auf der Kutsche mit dem Kaisergruss, warum tut Handelsblatt dem jungen Paar nicht den Gefallen und lässt sie in Ruhe mit ihrem Eheglück? Die Fotos sind mehr als unvorteilhaft.

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