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08.01.2004

20:20 Uhr

Hunderte Flüge gestrichen

Verkehrschaos in Italien

In Italien streiken die Fluglotsen. Daher sind am Donnerstag hunderte Flüge gestrichen worden. Die Lotsen wollten mit der Arbeitsniederlegung, die bis zum Abend dauern sollte, Gehaltsforderungen durchsetzen. Weiteres Verkehrschaos droht Italien am Freitag, wenn Mitarbeiter des öffentlichen Verkehrs streiken wollen.

HB ROM. Allein die staatliche Fluggesellschaft Alitalia strich am Donnerstag 334 Verbindungen, darunter auch internationale und interkontinentale Flüge. Betroffen seien etwa 22 000 Passagiere. 74 weitere Flüge würden verschoben, hieß es. Die Lufthansa sagte 54 Flüge zwischen Deutschland und Italien ab. Die mit der Lufthansa verbundene Billig-Fluglinie Germanwings verschob Flüge zwischen Köln/Bonn und Rom sowie zwischen Köln/Bonn und Venedig auf den Abend. Die Abflugzeiten für Verbindungen von und nach Mailand blieben unverändert, hieß es. British Airways strich elf Flüge.

Am Flughafen in Rom bildeten wartende Passagiere lange Schlangen in den Abfertigungshallen. Viele Flugreisende zeigten sich wenig erbaut von dem Streik. „Ich habe gestern telefonisch nachgefragt und zu meiner Beruhigung mitgeteilt bekommen, dass mein Flug nach Manchester nicht abgesagt worden sei“, sagte Margherita Acampora, die am Donnerstag ihre neue Arbeit in England antreten sollte. „Aber als ich am Flughafen ankam, habe ich die schreckliche Nachricht gehört, dass mein Flugzeug nicht starten wird. Ich habe mich eingereiht und bete, dass ich morgen abfliegen kann.“

Der Fluglotsenstreik ist bereits der zweite Arbeitsausstand bei Alitalia in zwei Monaten. Am 19. Januar droht der Fluggesellschaft ein weiterer Streik. Gewerkschaftlich organisierte Angestellte wollen dann gegen einen Drei-Jahres-Plan der Gesellschaft protestieren. Dieser sieht ein Einfrieren der Gehälter sowie Stellenstreichungen vor, um das Unternehmen wieder in die Gewinnzone zu bringen.

Am Freitag wollen in Italien die Fahrer des öffentlichen Nahverkehrs die Arbeit niederlegen. Busse, U- und Straßenbahnen sollen dann in den Depots bleiben. Die Fahrer nehmen damit ihren Streik aus der Vorweihnachtszeit wieder auf und wollen sich so für eine neuen Lohn- und Gehaltsabschluss stark machen. Der Tarifvertrag für den öffentlichen Verkehr war 2001 ausgelaufen. Gewerkschaften und Arbeitgeber hatten sich daraufhin in einem Kompromiss auf eine Lohnerhöhung von 81 € monatlich und eine Einmalzahlung von 970 € verständigt. Viele Arbeitnehmer kritisieren allerdings, dies decke nicht ihren Kaufkraftverlust seit Auslaufen des Tarifvertrages ab.

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