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21.01.2012

17:16 Uhr

Internationaler Jogginghosentag

Wenn eine Schlabberhose zum „Streetstyle“ wird

Die Jogginghose ist längt zum modischen Trend geworden. Von der abfällig betrachteten Beinkleidkatastrophe ist sie in manchen Kreisen zum „must“ geworden. Fans spendieren der Hose daher einen internationalen Gedenktag.

So bitte nicht: Die Jogginghose funktioniert nur, wenn sie nicht vom Grabbeltisch kommt. dpa

So bitte nicht: Die Jogginghose funktioniert nur, wenn sie nicht vom Grabbeltisch kommt.

Pforzheim„Dicker Sweatshirtstoff, Gummizug, gerades Bein und Bündchen am Fußende: So sieht sie aus, die klassische Jogginghose“, sagt Johann Stockhammer, Mode-Experte von der Hochschule Pforzheim. Ein wirklich feines Beinkleid ist das nicht - und trotzdem: Irgendwo im Kleiderschrank hat fast jeder so ein Modell. Ausgeblichen, verbeult - aber eben bequem - und nur das zählt. „Für viele ist die Jogginghose einfach Freizeit. Ich bin entspannt, fläze rum, es ist Wochenende. Da stört mich auch die Patina nicht, die das Teil mit der Zeit abbekommt“, sagt der Mode-Experte.

Noch vor einiger Zeit holte man die Jogginghose eher verstohlen hervor, daheim, nach der Arbeit und vor den Vorabend-Serien. Dann, wenn man ganz bestimmt ganz unbeobachtet war. Doch die Zeiten sind vorbei. Die Jogginghose drängt auf die Straße: „Von der klassischen Urform bis zu den heutigen Modellen hat sich viel bewegt“, beobachtet Stockhammer. „Wir Designer interpretieren ja auch gern mal was Klassisches ganz neu.“

Für Freitag und Samstag (20./21. Januar) haben Anhänger der Jogginghose den „Internationalen Jogginghosentag“ ausgerufen.

Modischer Fehltritt und verächtliche Blicke? Da lächeln Streetstyle-Anhänger müde. Mode findet nicht mehr nur in Hochglanz-Magazinen statt. Fashion-Blogger haben das Ruder übernommen. „Die Hipster mixen multikulturell, da gibt es keine Vorgaben“, erzählt der Mode-Professor. „Klassisches Sakko, indisches Hemd - und Jogginghose: Nichts dagegen zu sagen, wenn es zum Typ passt. Bevor man sich in einen schlechten Anzug quetscht, lieber auf Ausgefallenes zurückgreifen!“

Schauspieler wie Ashton Kutcher und Sienna Miller, Sängerin Madonna oder Fußballstar David Beckham gelten als Stil-Ikonen. Und auch sie frönen dem Schlabber-Trend, beim Spaziergang im Central Park oder beim Shoppen. Völlig in Ordnung, sagt Stockhammer. „Da brezelt man sich nicht auf, da will man einfach mal easy going aussehen.“

Bei all der Begeisterung, eine kleine Relativierung bringt der Mode-Professor dann doch noch: „Zum Gala-Dinner bleibt die Jogginghose im Schrank. Da gibt es wahrlich Passenderes. Am Tag danach können Sie mich dann aber wieder beim Bäcker treffen, in Jogginghose mit Mantel drüber.“

Von

dpa

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