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18.05.2014

11:59 Uhr

Jürgens Weinlese

Ab heute bin ich Winzer!

Handelsblatt-Online-Weinliebhaber Jürgen Röder will seinen ersten Wein herstellen. Keine einfache Aufgabe, schließlich ist seine Methode nach dem deutschen Weinrecht nicht zulässig.

Jürgen Röder: Der Weinliebhaber freut sich schon auf seinen selbst hergestellten Weißwein.

Jürgen Röder: Der Weinliebhaber freut sich schon auf seinen selbst hergestellten Weißwein.

Darf ich mich bald Winzer nennen? Denn in wenigen Monaten kann ich (hoffentlich) meinen ersten selbst hergestellten Wein trinken. Es wird sogar ein Biowein. Und ich brauche dafür weder eine Anbaufläche für die Trauben noch eine Kellerei mit Stahltanks oder Holzfässern und auch keine Abfüllanlage.

Denn ich habe vom Bio-Weingut Gustavshof in Rheinhessen ein Paket „My own organic“ gekauft. Darin ist eine Flasche hochwertiger Traubensaft mit jeweils einem Paket Biohefe und Schwefel. Mit der Hefe starte ich den Gärungsprozess, mit dem Schwefel stoppe ich diesen wieder.
Das Ergebnis darf strenggenommen nicht Wein heißen, denn nach dem deutschen Weinrecht ist es verboten, aus Traubensaft Wein zu erzeugen. Dieses ist nur aus Most erlaubt. Most wiederum darf aber in Deutschland nicht an Endverbraucher verkauft werden. Eine komplizierte Angelegenheit.

Winzer Andreas Roll vom Gustavshof nennt sein Produkt, das einem echten Biowein sehr nahe kommen soll, aus rein rechtlichen Gründen „Gustel“. Doch ich möchte keinen Gustel herstellen und schon gar nicht trinken. Deswegen trinke ich auf das Weinrecht und bleibe bei der Herstellung eines Weines.

Die wichtigsten Weißwein-Rebsorten in Deutschland

Riesling

Riesling ist unbestritten die deutsche Vorzeige-Rebsorte und gehört zu den wirtschaftlichen Stützen der Weinwirtschaft. Mit einer Rebfläche von 23.700 Hektar (23,1 Prozent der gesamten Anbaufläche, Stand 2016) besitzt Deutschland die größte Rieslingrebfläche weltweit und verweist somit Australien und Frankreich mit großem Abstand auf die Plätze zwei und drei. Die Farbe des Rieslingweins ist grünlich gelb bis hell goldgelb. Sein Aroma erinnert an Äpfel, Pfirsiche oder Aprikosen. Geschmack: feinfruchtig, meist säurebetont. Körper, Gehalt: leicht bis mittelkräftig.

Müller-Thurgau (Rivaner)

2In der deutschen Weinlandschaft gab der Müller-Thurgau seine Führungsposition in den 1990er Jahren an den Riesling ab. Doch mit einem Flächenanteil von 12,3 Prozent (Stand 2016) hat der Rivaner nach wie vor eine überragende Bedeutung im deutschen Weinbau. Dass er heute auf ca. 12.623 Hektar wächst, verdankt er unter anderem seinen vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und seiner Zugänglichkeit auf für Nichtweinkenner. Die unkomplizierten Müller-Thurgau-Weine sind geschmacklich leicht zugänglich. Meist sind es jugendliche. Leichte und frische Weine für jeden Tag. Farbe: helles Gelb, Aroma: erinnert an zarte Kräuter, Äpfel und Birnen. Geschmack: säuremild. Körper, Gehalt: mittelkräftig.

Grauburgunder

Grauburgunder zählt zu den besten Sorten in Deutschland. Hier hat die Rebsorte wieder zunehmend an Bedeutung gewonnen. Im weltweiten Vergleich steht Deutschland nach Italien und den USA an dritter Stelle im Grauburgunderbereich. Zur Zeit sind mehr als 6170 Hektar – das entspricht sechs Prozent der deutschen Rebfläche (2016) – mit dieser Sorte bestockt. Farbe: farbintensiv, hell- bis goldgelb, Aroma: erinnert an Mangos, Nüsse, Mandeln. Der Geschmack ist mild bis säurebetont, der Körper (Gehalt) kräftig und gehaltvoll.

Weißburgunder

Weißburgunder zählt zusammen mit dem Grauburgunder zu den Weißweinsorten mit der derzeit größten Rebflächenzunahme. Mehr als 5160 Hektar oder fünf Prozent der deutschen Rebfläche sind montan mit der Sorte bestockt. Weißburgunder, trocken ausgebaut, mit frischer Säure und feiner Frucht sind ideale Menüweine, aber auch leichte Sommerweine. Farbe: hell- bis strohgelb. Geschmack: etwas säurebetont. Das Aroma: erinnert an Äpfel, Birnen, Mangos, Nüsse und Quitten, der Körper (Gehalt) ist mittelkräftig.

Silvaner

,Silvaner galt bis Mitte des Jahrhunderts als wichtigste deutsche Rebsorte; mehr als jede zweite Rebe war ein Silvanerstock. Der kontinuierliche Anbaurückgang der letzten Jahrzehnte, insbesondere zugunsten des Müller-Thurgaus, ließ den Flächenanteil auf derzeit 4,8 Prozent (Jahr 2016) sinken. Insgesamt werden 4900 Hektar mit diesen Rebsorten bepflanzt. Silvanerreben liefern im Duft eher verhaltene Weine mit einer milden Säure. Farbe: sehr helles bis intensives Gelb, Aroma: erinnert an Äpfel, Birnen oder frisches Heu, Geschmack: milde bis mittlere Säure, Körper, Gehalt: leicht bis mittelkräftig.

Meine Kollegen haben schon über den Namen gewitzelt: „Röders Roter“, lautete ein Vorschlag . Doch es wird kein Rot-, sondern ein Weißwein, eine Cuvee aus Johanniter und Müller-Thurgau, hierzulande eher bekannt als Rivaner. Weil die Traube Müller-Thurgau in Deutschland so ein schlechtes Image hat, wurde sie einfach umbenannt. Ganz nebenbei: Bei einer Verkostung habe ich es selbst erlebt, wie jemand einen Schluck Rivaner nahm und sich freute: „Schmeckt viel besser als ein Müller-Thurgau“.

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