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07.06.2015

14:53 Uhr

Jürgens Weinlese

„Aldi möchte natürlich die Preisführerschaft“

VonJürgen Röder

Top-Winzer Fritz Keller verkauft seit sieben Jahren Weine unter seinem Namen bei Aldi. Im Handelsblatt-Interview verrät er Details über die Größe des Mammutprojekts und wie er mit dem Preisdruck des Discounters umgeht.

Winzer Fritz Keller im Keller seines Weinguts Franz Keller Schwarzer Alder im badischen Kaiserstuhl. PR

Fasskeller im Weingut Franz Keller

Winzer Fritz Keller im Keller seines Weinguts Franz Keller Schwarzer Alder im badischen Kaiserstuhl.

Fritz Keller ist  einer der einflussreichsten deutschen Winzer und Weinhändler Deutschlands. In seinem Sternerestaurant  „Schwarzer Adler“ in Oberbergen am Kaiserstuhl hat die Weinkarte mehr als 2000 verschiedene Weine, unter anderem auch eine der besten Bordeaux-Angebote in Deutschland. Seit sieben Jahren verkauft er aber auch Weine unter dem Namen Edition Fritz Keller an Aldi, mit einem Marktanteil von 22 Prozent der großte Weinhändler in Deutschland. Wie passt das zusammen? Top-Winzer mit teuren Tropfen und gleichzeitig mit seinem Namen Wein beim Discounter verkaufen?

Das Interview kam telefonisch zustande. Und es war ein besonderes. Denn Fritz Keller ist auch noch Präsident des Fußballclubs SC Freiburg. Und der war wenige Tag vor dem Interview aus der ersten Bundesliga abgestiegen.

Hallo Herr Keller, wie sind sie eigentlich als Spitzenwinzer auf die Idee gekommen, ausgerechnet beim Discounter Aldi Wein zu verkaufen?
Aldi hatte angefragt, ob ich Weine von meinem Weingut Franz Keller in ihren Filialen verkaufen könnte. Das konnte ich nicht, meine Weinguts-Weine sind meist schnell ausverkauft, wir konnten zwischenzeitlich keine Neukunden mehr aufnehmen. Zudem wollte ich durch den Verkauf bei Aldi auch meine Marke nicht beschädigen. 

Kaufen sie dann einfach die Trauben zu?
Nein, ich kaufe keine Trauben zu, wie es die meisten anderen machen. Aus der Anfrage von Aldi ist ein Gemeinschaftsprojekt mit vielen anderen Winzern entstanden.

Wieviel Winzer arbeiten denn mit?
Insgesamt 435 aus der badischen Weinregion. Die Winzer sind per Vertrag verpflichtet, die Trauben nach bestimmten Vorgaben anzubauen. Unsere Flächen für die Aldi-Weine sind von uns vorher begutachtet, anschließend werden die Arbeiten im Weinberg und die Einhaltung unserer hohen Qualitätskriterien streng von rund 40 Personen kontrolliert. Die Rebstöcke müssen ein bestimmtes Alter haben, die Erntemenge liegt deutlich unter dem, was der Gesetzgeber zulässt, wodurch wir unter anderem wertvolle alte Rebflächen wie Terrassen- und Steillagen erhalten konnten. Die Trauben werden per Hand gelesen, was für solch ein Projekt meines Wissens einzigartig ist.

Die wichtigsten Weißwein-Rebsorten in Deutschland

Riesling

Riesling ist unbestritten die deutsche Vorzeige-Rebsorte und gehört zu den wirtschaftlichen Stützen der Weinwirtschaft. Mit einer Rebfläche von 23.700 Hektar (23,1 Prozent der gesamten Anbaufläche, Stand 2016) besitzt Deutschland die größte Rieslingrebfläche weltweit und verweist somit Australien und Frankreich mit großem Abstand auf die Plätze zwei und drei. Die Farbe des Rieslingweins ist grünlich gelb bis hell goldgelb. Sein Aroma erinnert an Äpfel, Pfirsiche oder Aprikosen. Geschmack: feinfruchtig, meist säurebetont. Körper, Gehalt: leicht bis mittelkräftig.

Müller-Thurgau (Rivaner)

2In der deutschen Weinlandschaft gab der Müller-Thurgau seine Führungsposition in den 1990er Jahren an den Riesling ab. Doch mit einem Flächenanteil von 12,3 Prozent (Stand 2016) hat der Rivaner nach wie vor eine überragende Bedeutung im deutschen Weinbau. Dass er heute auf ca. 12.623 Hektar wächst, verdankt er unter anderem seinen vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und seiner Zugänglichkeit auf für Nichtweinkenner. Die unkomplizierten Müller-Thurgau-Weine sind geschmacklich leicht zugänglich. Meist sind es jugendliche. Leichte und frische Weine für jeden Tag. Farbe: helles Gelb, Aroma: erinnert an zarte Kräuter, Äpfel und Birnen. Geschmack: säuremild. Körper, Gehalt: mittelkräftig.

Grauburgunder

Grauburgunder zählt zu den besten Sorten in Deutschland. Hier hat die Rebsorte wieder zunehmend an Bedeutung gewonnen. Im weltweiten Vergleich steht Deutschland nach Italien und den USA an dritter Stelle im Grauburgunderbereich. Zur Zeit sind mehr als 6170 Hektar – das entspricht sechs Prozent der deutschen Rebfläche (2016) – mit dieser Sorte bestockt. Farbe: farbintensiv, hell- bis goldgelb, Aroma: erinnert an Mangos, Nüsse, Mandeln. Der Geschmack ist mild bis säurebetont, der Körper (Gehalt) kräftig und gehaltvoll.

Weißburgunder

Weißburgunder zählt zusammen mit dem Grauburgunder zu den Weißweinsorten mit der derzeit größten Rebflächenzunahme. Mehr als 5160 Hektar oder fünf Prozent der deutschen Rebfläche sind montan mit der Sorte bestockt. Weißburgunder, trocken ausgebaut, mit frischer Säure und feiner Frucht sind ideale Menüweine, aber auch leichte Sommerweine. Farbe: hell- bis strohgelb. Geschmack: etwas säurebetont. Das Aroma: erinnert an Äpfel, Birnen, Mangos, Nüsse und Quitten, der Körper (Gehalt) ist mittelkräftig.

Silvaner

,Silvaner galt bis Mitte des Jahrhunderts als wichtigste deutsche Rebsorte; mehr als jede zweite Rebe war ein Silvanerstock. Der kontinuierliche Anbaurückgang der letzten Jahrzehnte, insbesondere zugunsten des Müller-Thurgaus, ließ den Flächenanteil auf derzeit 4,8 Prozent (Jahr 2016) sinken. Insgesamt werden 4900 Hektar mit diesen Rebsorten bepflanzt. Silvanerreben liefern im Duft eher verhaltene Weine mit einer milden Säure. Farbe: sehr helles bis intensives Gelb, Aroma: erinnert an Äpfel, Birnen oder frisches Heu, Geschmack: milde bis mittlere Säure, Körper, Gehalt: leicht bis mittelkräftig.

Was ist für sie der Vorteil der teureren Handlese, anstatt preisgünstiger mit einer Maschine zu ernten?
Durch die Handlese bekommen wir bessere Trauben als Basis für gute trockene Weine, die wir damit erzeugen können. Die meisten Weine in dieser Kategorie werden süßer verkauft und sind dadurch besser zu verstehen. Unser Projekt ist immer noch einzigartig, obwohl es viele Nachahmer gibt. Viele versuchen es zu kopieren, weil es erfolgreich ist.

Wie groß sind denn die Flächen?
Die genaue Größe darf ich Ihnen nicht sagen. Aber die liegt in der Größenordnung eines großen Weinbaubetriebes.

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