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23.03.2014

09:20 Uhr

Jürgens Weinlese

Aldi und Co. sind die Gewinner

VonJürgen Röder

Supermärkte auf der einen und der Online-Verkauf auf der anderen Seite nehmen den Weinfachhandel in die Zange. Dieser Branche stehen in den nächsten Jahren offenbar dramatische Umwälzungen bevor.

Ohne Discounter und Supermärkte liegt der jährliche Umsatz des Weinfachhandels bei etwa einer Milliarde Euro.

Ohne Discounter und Supermärkte liegt der jährliche Umsatz des Weinfachhandels bei etwa einer Milliarde Euro.

Auf den ersten Blick sehen die Zahlen gut aus: Fast die Hälfte der Weinfachhändler hat 2013 mehr Umsatz als im Jahr davor erzielt. Das ergab die Umfrage von Macrom Marketingresearch & Consult, ein auf den Weinmarkt spezialisiertes Beratungsunternehmen. Weitere 46 Prozent konnten im vergangenen Jahr zumindest ihre Umsätze stabilisieren. Fazit der Umfrage: Der Deutsche Weinfachhandel profitiert von der steigenden Konsumlaune.

Doch der zweite Blick offenbart: Die höheren Umsätze sind zustande gekommen, weil eine Reihe von Fachhändlern aus dem Markt ausgeschieden ist. Und deren Umsatz hat sich auf die verbliebenen Händler verteilt.
Für den Fachhandel erwartet Michael W. Pleitgen, Leiter der Weinakademie Berlin, eine dramatische Umwälzung. „In den nächsten Jahren wird sich die Spreu vom Weizen trennen: in professionelle Fachhändler und die, die einfach nur ein Faible für Wein haben“, sagt er in einem Handelsblatt-Online-Interview.

Jürgens Weinlese: „Tolles Sortiment allein reicht nicht mehr“

Jürgens Weinlese

„Tolles Sortiment allein reicht nicht mehr“

Michael W. Pleitgen, Experte für Weinmarketing, in einem Interview über die finanzielle Lage des Weinfachhandels und dessen große Herausforderungen. Und warum ihn viele 50-Jährige anrufen.

Der jährliche Umsatz des Weinfachhandels – ohne Discounter und Supermärkte – liegt bei etwa einer Milliarde Euro. Von den rund 2000 Weinfachhändlern in Deutschland zählen 500 zu einem Systemhandel. Also teilen sich 1.500 Geschäfte den Rest, rund 340 Millionen Euro. Macht 230.000 Euro pro Geschäft pro Jahr. Bei einer Marge von 45 bis 50 Prozent bleiben zwischen 100.000 bis 115.000 Euro übrig.

„Davon müssen Ladenmiete, Strom, Heizung, die Gehälter von Angestellten, Werbung usw. abgezogen werden. Und auch der Inhaber möchte noch etwas verdienen. Das ist aber nur eine Durchschnittsrechnung, viele machen weniger Umsatz und realisieren eine geringere Marge. Für Investitionen bleibt da nicht viel übrig“, meint Pleitgen angesichts der Herausforderungen der Branche

Gewinner beim Weinverkauf sind Aldi, Rewe & Co., der klassische Lebensmitteleinzelhandel mit einer Fläche von weniger als 5000 Quadratmetern. Dessen Absatz stieg allein im vergangenen Jahr um rund fünf Prozent, der Umsatz sogar um acht Prozent. Mittlerweile wird fast jede zweite Flasche beim Discounter gekauft, Aldi ist der größte deutsche Weinhändler. Der gesamte Lebensmitteleinzelhandel inklusive der SB Warenhäuser (über 5000 Quadratmeter) kommt nach Angaben des Deutschen Weininstituts, der Kommunikations- und Marketingorganisation der deutschen Weinwirtschaft, auf einen Marktanteil von 74 Prozent von allen verkauften Weinen in Deutschland.

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