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18.09.2016

12:41 Uhr

Jürgens Weinlese

„Auf Mallorca war nicht immer alles rosig"

VonJürgen Röder

Prof. Michael Popp - Unternehmer des Jahres 2008 - hat auf der spanischen Insel ein Weingut hochgezogen. Im Interview erklärt er, warum der Verkauf von pflanzlichen Arzneimitteln und Wein kein Widerspruch sind.

Im  Einklang mit der Natur leben - das will der Unternehmer Michael Popp - hier bei der Begutachtung der Trauben auf seinem mallorquinischen Weingut Bodega Castell Miquel.

Prof. Michael Popp

Im Einklang mit der Natur leben - das will der Unternehmer Michael Popp - hier bei der Begutachtung der Trauben auf seinem mallorquinischen Weingut Bodega Castell Miquel.

DüsseldorfSchon als Schüler hat Prof. Dr. Michael Popp bei Bionorica gejobbt, Flaschen von einer Maschine in die andere gelegt und sich bis ins Labor hochgearbeitet. Ende der 80er Jahre stieg er in die Nürnberger Firma seiner Tante und seines Vaters ein. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte: Seit seinem Amtsantritt hat Popp den Umsatz von Bionorica auf 240 Millionen Euro mehr als verzwanzigfacht. Vor allem das Erkältungsmittel Sinupret machte das Unternehmen Bionorica bekannt. Es fasziniert den studierten Pharmazeut seit jeher, die Schätze der Natur zu erforschen und in modernen Medikamenten nutzbar zu machen. Im Einklang mit der Natur zu leben und zu arbeiten – für den heute 57-Jährigen ein wichtiges Ziel seines Unternehmertums. Er wurde 2013 in die „Handelsblatt Hall of Fame“ der Familienunternehmen aufgenommen. Der Unternehmer des Jahres 2008 entdeckte in de 90er Jahren bei einem Besuch auf Mallorca ein Verfall bedrohtes Landgut in den Tramunta Bergen und baute es zu einem exklusiven Weingut mit modernster Kellertechnik um Im September 2002 wurde die neue Bodega Castell Miquel eingeweiht. Das Interview über die Bedeutung des Weinguts für Popp entstand bei einem Besuch auf Mallorca.

Hallo Herr Prof. Popp: Ist ihr Weingut Bodegas Castell Miquel hier in Mallorca ein Hobby für Sie, oder betreiben Sie das als eigenständiges Unternehmen, das später auch eine Rendite erzielen muss?Anfangs war es Hobby, weil ich meinen eigenen Wein haben wollte. Aber am Ende soll daraus schon ein richtiges Unternehmen entstehen. Ich bekam im Laufe der Zeit den Ehrgeiz, aus diesen ersten Anfängen mit vielen Investitionen und einem Auf und Ab qualitativ etwas richtig Gutes zu machen. Spätestens dann, als ich die ersten Auszeichnungen für die Weine erhalten habe. Später kam das Ziel hinzu, zumindest eine gute schwarze Null zu erreichen.

Haben Sie die schon erreicht?
Wir investieren noch. Das Weingut wächst und Landwirtschaft auf Mallorca ist teuer, ein Hektar kostet rund 100.000 Euro. Zudem habe ich noch Flächen in Penedes, eine Region in der Nähe von Barcelona, gepachtet.

Was bedeutet denn solch ein Weingut für Sie?'
Es ist die Verbindung von Lebensqualität und Genuss, die ich immer hier auf Castell Miquel erlebe. Wir stellen hier auch andere Produkte wie Marmelade, Paprikapaste und beispielsweise Meersalz her. Es passt alles zusammen: Wie bei meinen Arzneimitteln werden immer Naturprodukte verwendet. So betrachtet passt das Weingut auch ins Marketingportfolio meiner pharmazeutischen Aktivitäten, auch da geht es um Lebensqualität – wie beispielsweise Wirkstoffe aus Cannabis für Schwerkranke, um deren Leiden zu lindern. Wir veranstalten beispielsweise auf Mallorca auch wissenschaftliche Konferenzen. Und mich freut besonders, wenn mann sieht, dass  der Wein auch anderen schmeckt.

Die teuersten Weine

Rang 10

Weingut Lafite (Bordeaux), Lafite 1825 (Rotwein), 17.676,82 €, Quelle: Wine-Stocks, nur 0,75 l Flaschen.

Rang 9

Weingut D'Yquem (Bordeaux), D'Yquem 1929 (Weißwein), 22.704,00 €, Quelle: Wine-Stocks, nur 0,75 l Flaschen.

Rang 8

Weingut Domaine de la Romanee Conti, Romanee Conti 1926 (Rotwein), 23.275,20 €

Rang 7

Weingut Sine Qua Non (Kalifornien), Queen of Hearts 1995 (Rotwein), 27.123,59 €

Rang 6

Weingut Jayer-Henri (Burgund), Richebourg 1959 (Rotwein), 28.750,00 €

Rang 5

Weingut Domaine de la Romanee Conti, Romanee Conti 1945 (Rotwein), 30.892,65 €

Rang 4

Weingut Penfolds (Australien), Bin 1 1951 (Rotwein), 30.892,65 €

Rang 3

Weingut Jura No Name (Jura), Vin Jaune 1774, (Weißwein), 33.300,00 €

Rang 2

Weingut D'Yquem (Bordeaux), D'Yquem 1784 (Weißwein), 43.947,00 €

Rang 1

Weingut D'Yquem (Bordeaux), D'Yquem 1811 (Weißwein), 70.888,00 €

Ist das nicht ein Widerspruch: Einerseits verkaufen Sie Arzneimittel auf pflanzlicher Basis, andererseits Alkohol?
Ich verkaufe keinen Alkohol, sondern Wein. Wein war immer Bestandteil bestimmter Therapien, bereits Ende des 19. Jahrhunderts hatte die damalige Ortskrankenkasse Heidelberg die Kosten für Wein auf Kassenrezept erstattet. Wein wurde immer verwendet, ohne ihn ist vieles nicht vorstellbar. Gerade im Mittelalter war Wasser oftmals ungenießbar. Das war auch einer der Gründe warum Seefahrer dem Wein den Vorzug gegeben haben. Wein hat immer eine entscheidende Rolle im Leben des Menschen gespielt.

Bei der Größe von gut 40 Hektar: Wie sieht denn ihre Verkaufsstrategie aus?
Wir sind organisch gewachsen, praktisch aus der Garage heraus wie ein Start-Up. Wir haben zunächst 2000 Liter Wein verkauft und dafür Trauben zugekauft, damals mit einem mallorquinischen Önologen.

Das hat funktioniert?
Ja, hat es. Danach haben  wir mit dem Pflanzen von Reben begonnen, auf rund drei Hektar. 40 Hektar zu kaufen und einfach zu bepflanzen, das ist nicht meine Art. Sowohl für mein Weingut als auch für die Pharmafirma Bionorica gilt: Wir wachsen organisch, dafür halt langsamer.

Und wie verkaufen Sie Ihre Weine?
Meine Idee war es immer, meinen Kunden ein Weihnachtsgeschenk zu überreichen. Früher wurden die oft mit Geschenken „zugemüllt“, da wussten viele nicht wohin damit. Mit dem Wein ist das anders:  Ich habe meine Marketingabteilung gefragt, ob sie Interesse an dem Wein haben. Sie war erfreut. Dadurch habe ich bereits einen Großabnehmer.

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