Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.12.2013

13:43 Uhr

Jürgens Weinlese

„Champagner ist ein prickelndes Investment“

VonJürgen Röder

Wie investiere ich in Wein? Welche Regionen, welche Weingüter sind derzeit attraktiv? Mit den Daten von allen wichtigen Auktionen weltweit bietet Diplom-Sommelier Ron Freund profunde Antworten auf diese Fragen.

Champagner ist eine prickelnde Geldanlage. Die Wertentwicklung bei guten Champagnern lag in den vergangenen Jahren durchschnittlich bei rund 13 bis 14 Prozent jährlich. Imago

Champagner ist eine prickelnde Geldanlage. Die Wertentwicklung bei guten Champagnern lag in den vergangenen Jahren durchschnittlich bei rund 13 bis 14 Prozent jährlich.

Investieren in Wein kann sich lohnen. Doch der Markt ist derzeit intransparent. Das behauptet Ron Freund, Diplom-Sommelier und Vorstandsvorsitzender von Wine Stocks. Mit dieser Online-Plattform soll der Weinmarkt transparenter gestaltet werden. Seinen Angaben nach verfolgt Wine Stocks jede wichtige Weinauktion weltweit. Und die Daten werden täglich mit bis zu 50.000 neuen Datensätzen  von über 100 Online- und Präsent-Auktionen aktualisiert. Die 26 Millionen Auktionspreise bis in das Jahr 1996 beziehen sich auf mehr als 58.000 Weine von über 9000 Weingütern. Über das Thema Wein als Investment generell und welche Weingüter sich für die Geldanlage eignen, sprach ich mit Ron Freund.

Handelsblatt Online: Sollten Anleger jetzt in der Vorweihnachtszeit in Wein investieren?
Ron Freund: „Nein, momentan ist kein guter Zeitpunkt. Die Preise für Weine, die als Investment infrage kommen, sind in der Vorweihnachtszeit höher als sonst. Schließlich ist die Nachfrage aktuell höher als in den restlichen Monaten.  Auch während der Subskriptionsphase der Bordeaux-Weine, wenn diese quasi auf Termin gekauft und erst zwei Jahre später geliefert werden, sind die Preise teurer. Und zum Jahresende ist Champagner immer eine feste Größe für eine Wertsteigerung. Darüber freut man sich natürlich, wenn man vorher die Flaschen gekauft hat. Daraus geschlussfolgert: Der Gewinn liegt im Einkauf.

Welchen Einkaufsweg empfehlen Sie? Über Auktionen oder beim Raritätenhändler? Sollten Anleger beispielsweise per Subskription Bordeaux-Weine erwerben?

Da kann ich nur antworten: Die Quelle, bei der sie den besten Preis bekommen, ist für den Einkauf die richtige. Wir raten dazu, sowohl beim Hersteller als auch bei Weinauktionen, aber auch bei Händlern und beim Privatkunden Weine zu erwerben. Da wir mit den Daten von Wine-Stocks jedes Weingut, jeden Wein, inklusive Jahrgang und Flaschengröße analysieren, haben wir die definitiven Preise. Unsere Algorithmen bestimmen täglich Trends und Performancedaten.  Mit diesen Analysen können wir Prognosen über eine Wertentwicklung abgeben. Das ist auch notwendig: Man bekommt nicht jeden Wein zu jedem Zeitpunkt, daher benötigt man ein breites Spektrum mit aktuellen Daten. Ein konkretes Beispiel: Wir beraten und bewerten beispielsweise einen großen Weinfonds aus Italien, das Konzept ist eine Diversifizierung des Einkaufs. Der Einkauf wird dementsprechend über einen längeren Zeitraum gehen.

Wie sind denn die aktuellen Preise für investmentfähige Weine?
Die Preise für Bordeaux-Weine standen in den letzten 24 Monaten stark unter Druck. Wir haben beobachtet, dass die Preise für manche Jahrgänge schon vor vier bis fünf Monaten sehr günstig waren, da haben wir unseren Kunden klar zum Kauf bestimmter Weine geraten. In den letzten 30 Tagen ist der Bordeauxindex  um 14 bis 15 Prozent gestiegen, daher würden wir im Moment eher wieder zu Burgund und Champagner raten. Aber auch Piemont und die Toskana haben starke Abschläge hinnehmen müssen und sind wieder interessant. Die neue Welt, also Kalifornien und Australien entwickeln sich prächtig und auch da sehen wir gutes Potential. Die deutschen Rieslinge sind mit einer Performance von bis zu 40 Prozent die Gewinner der letzten zwölf Monate. Hier ist der Markt wohl etwas überhitzt.

Was bei Weininvestments zu beachten ist

Verkauf der Weine

Verkäufe der gelagerten Flaschen sind natürlich an spezielle Weinhändler möglich, von denen einige sogar alle Flaschen eines Kellers aufkaufen, um sie anschließend wieder verkaufen können. Eine Alternative sind Auktionshäuser – zum Beispiel die internationalen Sotheby‘s  oder Christie‘s. In Deutschland bietet beispielsweise Marktführer Koppe und Partner  Online- und Präsenz-Auktionen für Wein an. Über Weincash kann man beispielsweise nur Online verkaufen und verkaufen.

Depotverwahrung

Anders als an der Börse ist die Lagerung des Investments ein entscheidender Faktor.  Voraussetzung für einen hohen Verkaufswert ist eine exzellente Lagerung:  Der Keller muss feucht, dunkel  und erschütterungsfrei sein sowie keine großen Temperaturschwankungen aufweisen. Der gelagerte Wein muss im perfekten Zustand sein und möglichst noch im Originalgebinde mit perfektem Etikett und unbeschädigter Kapsel liegen. Einige Firmen bieten einen Lagerservice, in den USA und England gibt  es schon entsprechende Palettenstellplätze.

Investmentfonds

Neben einigen Weininvestmentfonds, die teilweise fünfstellige Summen als Mindestanlage nehmen, hatten sich Anfang des Jahrhunderts Anleger zu Investmentpools  zusammengeschlossen und mehrere zehntausend Euro  in Wein investiert. Doch letztlich waren die Interessen der Anleger zu unterschiedlich, um sich beispielsweise auf ein Verkaufsdatum zu einigen.  Die meisten dieser Investmentpools sind wieder verschwunden. Offenbar sind Weininvestments nur etwas für Individualisten.

Future

Auch in der Weinwelt  gibt es einen Terminkontrakt. Nur heißt der Subskription und gilt ausschließlich für die Bordeaux-Region.  Im Frühjahr nach der Ernte finden in Bordeaux die Primeurverkostungen für Händler und Fachjournalisten statt. Von April bis ca. Anfang Juni geben ca. 200 Château die Preise für ihre Weine bekannt und verteilen eine bestimmte Menge der Produktion an Courtiers (Makler).  Früher diente die Subskription dazu, den Weinbauern das Überleben zu sichern, heute ist dies eine enorme Einnahmequelle.

In welche Weine sollten Anleger investieren? Nur Weine, die vom sogenannten Weinpapst Robert Parker mit der maximalen Punktzahl 100 bewertet worden sind?

Da zeigen unsere Daten eine interessante Entwicklung. Bei diesen hochbewerteten Weinen, diesen sogenannten Blue Chips, stagnieren die Preise eher. Und um in der Börsensprache zu bleiben: Die Nebenwerte habe sich besser entwickelt. Ein Grundsatz gilt dabei allerdings immer:  Wein ist ein langfristiges Investment. Anleger müssen die Weine mindestens drei bis fünf Jahre lagern. Und Wein ist ein zyklisches Geschäft. Man muss anschließend den richtigen Zeitpunkt zum Verkauf wählen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×