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08.05.2016

12:22 Uhr

Jürgens Weinlese

„Das ist ein Markt für Stock-Picker“

VonJürgen Röder

Jahrelang galten Luxustropfen aus Bordeaux im Vergleich zu investmentfähigen Weinen aus anderen Anbaugebieten als überteuert. Doch die Relation hat sich geändert – so manchen Rothschild-Wein gibt es zum Schnäppchenpreis.

Gereifte Luxusweine aus dem Bordeaux: Die Preise sind in der vergangenen Jahren nicht mehr gestiegen.

Bordeaux

Gereifte Luxusweine aus dem Bordeaux: Die Preise sind in der vergangenen Jahren nicht mehr gestiegen.

DüsseldorfDie französische Region Bordeaux ist nicht nur die größte Anbaufläche für Spitzenweine weltweit, sondern auch dafür bekannt, Spitzenpreise für die leckeren Tropfen zu nehmen. Und diese Preise sind von Jahrgang zu Jahrgang fast immer gestiegen – teilweise sogar drastisch, als die 2009er und 2010er auf den Markt kamen. Doch in den vergangenen Jahren hat sich das deutlich verändert. Die Preise für die Spitzenweine aus dieser Region sind entweder gleich geblieben oder deutlich gefallen.

Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig. Ein wichtiger: Die Preise waren einfach überteuert. „Die Bewertungen der Experten hatten nichts mehr mit der Realität zu tun“, meint Ron Freund, CEO von Wine Stocks. Das Unternehmen sammelt weltweit die Preise, die auf Weinauktionen erzielt werden, bildet daraus Indizes und analysiert Wertbeständigkeit und Perspektiven von Weinpreisen.

Entscheidend für die Preisbildung ist vor allem die Bewertung von Robert Parker, dem weltweit einflussreichsten Weinkritiker. Er hat ein eigenes Bewertungssystem entwickelt mit einer maximalen Zahl von 100 Punkten. Ebenfalls Einfluss haben, wenn auch mit deutlichem Abstand, Weinkritiker wie Rene Gabriel und ausländische Magazine wie „Decanter“ und „Wine Spectator“.

Jürgens Weinlese: „Kennen Sie den Witz: Wie wird man in Bordeaux Millionär?“

Jürgens Weinlese

„Kennen Sie den Witz: Wie wird man in Bordeaux Millionär?“

Ein Interview mit Stephan Graf von Neipperg, der ungekrönte deutsche Reben-König im Bordeaux.

„Auch bei den faszinierenden Weinen aus dem  Bordeaux gab eine Grenze, die Kunden nur noch selten überschritten haben“, ergänzt Freund.  Die für Bordeaux-Weine wichtigen Händler in London hatten beispielsweise schriftlich die französischen Chateaus gebeten, die Preise zu senken. Doch die Bitte lief ins Leere, erst der Markt regelte das mit geringeren Erlösen auf den anschließenden Auktionen.

„Auf der anderen Seite sind die Preise für Weine aus anderen Regionen um bis zu 20 Prozent gestiegen“, erläutert Freund. Laut dem Experten verzeichneten rare Tropfen aus dem Burgund und Italien, aber auch Champagner und deutsche Beeren- und Trockenbeerenauslesen von den Weingütern JJ Prüm, Egon Müller und Robert Weil „unglaubliche Preissteigerungen“.  Für einen neuen deutschen Rekord sorgte beispielsweise im vergangenen Jahr Egon Müller. Für seine Scharzhofberger Trockenbeerenauslese, Jahrgang 2004, fiel während einer Auktion in Trier der Hammer bei 12.000 Euro für eine 0,75-Liter-Flasche.

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