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30.03.2014

19:19 Uhr

Jürgens Weinlese

Das Mekka der Weinprofis

VonJürgen Röder

Handesblatt-Online-Weinliebhaber Jürgen Röder war drei Tage auf der weltweit größten Messe für Fachhändler. Und er hat bei diversen Verkostungen interessante Entdeckungen gemacht.

Auf der Messe Prowein zeigt die Hand eines Fachbesuchers auf die Weinflasche die er verköstigen möchte. Mehr als 4830 Aussteller aus 47 Ländern haben in Düsseldorf ihre Weine und Spirituosen präsentiert. dpa

Auf der Messe Prowein zeigt die Hand eines Fachbesuchers auf die Weinflasche die er verköstigen möchte. Mehr als 4830 Aussteller aus 47 Ländern haben in Düsseldorf ihre Weine und Spirituosen präsentiert.

Es ist das Mekka der Weinprofis: Die Messe Prowein in Düsseldorf. Und es ist eine sehr gut organisierte Veranstaltung angesichts von 48.000 internationalen Fachbesuchern (ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr) und 4.830 Ausstellern aus 47 Ländern.  Vor 20 Jahren fiel der Startschuss für die Düsseldorfer Messe, mit damals nur 312 Ausstellern.

Die italienischen Winzer schwärmten sogar überschwänglich von der Veranstaltung in Düsseldorf 2014. Denn während ihrer alljährlichen Messe, der Vinitaly in Verona, fiel einmal die komplette Nacht der Strom aus, so dass die Weißweine am anderen Tag nicht ausgeschenkt werden konnten.

Ich war alle drei Tage auf der Prowein und konnte dementsprechend viele Weine verkosten.  Hier meine ganz persönlichen Eindrücke, die auch nicht annähernd einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Sie können sich bestimmt vorstellen, dass ich innerhalb von drei Tagen nicht alle 4.830 Aussteller besuchen konnte.

Der deutsche Riesling ist weltweit bekannt und bereits ein Exportschlager, vor allem in den USA. Weniger bekannt sind die deutschen Rotweine. Kein Wunder, dass das Deutsche Weininstitut - die Marketingorganisation für deutsche Weine - Rotweine in den Vordergrund stellte. „Rote Favoriten“ nannte sie die Auswahl von 24 Weinen in vier verschiedenen Preiskategorien – von 5,40 Euro bis 31 Euro.

Deutsche Weinanbau-Gebiete II

Ahr – Reich der Rotweine

Die Ahr ist mit rund 560 Hektar Rebfläche eines der kleineren Anbaugebiete Deutschlands. Seine Besonderheit: Mit 85 Prozent liegt der Anteil roter Rebsorten viel höher als in allen anderen deutschen Anbaugebieten. Vor allem Spätburgunder (Pinot Noir), Portugieser und Frühburgunder werden angebaut, bedeutendste weiße Sorte ist der Riesling.

Quelle: Deutsches Weininstitut

Baden – unter südlicher Sonne

Mit knapp 16 000 Hektar Anbaufläche ist es das drittgrößte Anbaugebiet des Landes. Es zeichnet sich durch ein besonders mildes Klima aus. Baden ist Burgunderland, heißt es. Der Weißweinanteil liegt bei 56 Prozent. Die wichtigsten Rebsorten sind Spätburgunder, Müller-Thurgau, Grauburgunder, Weißburgunder und Riesling. Eine lokale Spezialität ist der roséfarbene Wein Badisch Rotgold, keine Rebsorte, sondern eine besondere Cuvée aus Grauburgunder und Spätburgunder (also ein „Rotling“).

Franken – Bocksbeutelland

Franken ist das einzige deutsche Anbaugebiet, das sich komplett in Bayern befindet. Auf rund 6100 Hektar werden hier Reben kultiviert, die meisten befinden sich rund um die Barockstadt Würzburg. In Franken dominieren mit 81 Prozent die weißen Rebsorten. Der Silvaner gilt als klassische fränkische Rebsorte, gefolgt von Müller-Thurgau. Eine rote Spezialität aus Franken ist die Rebsorte Domina.

Hessische Bergstraße – Frühlingserwachen

Die 436 Hektar Rebfläche des kleinsten deutschen Anbaugebietes erstrecken sich zum größten Teil längs des Rheines an den sanften Ausläufern des Odenwaldes. „König der Bergstraße“ ist der Riesling. Er macht knapp die Hälfte der angebauten Rebsorten aus und gedeiht wegen der langen Vegetationszeiten an der Bergstraße besonders gut. Die restlichen 53 Prozent der Rebfläche teilen sich verschiedenste Sorten, vom Müller-Thurgau über den Gewürztraminer bis hin zum seltenen Gelben Orleans.

Mittelrhein – Riesling und Romantik

Die Anbaufläche des Mittelrheins, 456 Hektar, erstreckt sich zwischen Bingen und dem Siebengebirge über rund 110 Kilometer entlang des Rheins bis vor die Tore Bonns. Von der Gesamtfläche der Region sind über 300 Hektar mit Riesling bestockt. Der Weißweinanteil insgesamt beträgt 81 Prozent. Spätburgunder, Müller-Thurgau, Blauer Portugieser und Kerner vom Mittelrhein werden meistens schon „vor Ort“ genossen und finden daher selten den Weg in den Handel.

Mosel – Rasse und Klasse von der Terrasse

Die älteste deutsche Weinbauregion erstreckt sich mit insgesamt fast 9000 Hektar Rebfläche auch auf Anbauflächen an den Nebenflüssen Saar und Ruwer. Der Weißweinanteil beträgt 91 Prozent. Auf den Schieferböden an Mittel- und Untermosel gedeiht vor allem der Riesling vorzüglich, der hier tief wurzeln muss und so reichlich Mineralität und Finesse aus dem kargen Untergrund zieht. An der Obermosel herrschen Muschelkalk und Keuperböden vor, die für Burgundersorten und den heimischen Elbling guten Untergrund bieten.

Mein roter Favorit war die Cuvée „Johannes G“, der ab Hof des Weingutes Eckehart Gröhl in Rheinhessen nur 11,90 Euro kostet. Bei den ersten Aromen in der Nase hatte ich sofort auf einen Wein getippt, der mindestens 20 Euro kostet.  Die im Holzfass gereifte Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Dorsa und Merlot ist ein beeriger, weicher und voller, auf den Punkt  gereifter Wein.

Die deutschen Weißweine, die ich probierte, waren fast alle sehr gut. Das Weingut Klumpp aus Baden hat beispielsweise gezeigt, warum die Juroren des Weinführers Eichelmann es zum Aufsteiger des Jahres 2014 gewählt haben. Bereits die einfachen Gutsweine gefielen mir sehr gut. Ein erstaunliches Aroma aus dieser Region bieten auch die Weine aus der Traube Chardonnay, die eigentlich keine typisch deutsche Traube ist. Der Kirchberg Chardonnay 2012 von Klumpp ist ein kraftvoller Wein, aber dennoch frisch und klar. Er hat eine feine Säure und ist sehr harmonisch – kostet aber 19 Euro.

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