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24.03.2017

19:42 Uhr

Jürgens Weinlese

Das milliardenschwere Champagner-Problem

VonJürgen Röder

Von wegen Champagner-Laune: Während das Geschäft mit dem Schaumwein grundsätzlich sprudelt, belasten Brexit und die Trump'sche Handelspolitik die Prognosen der Hersteller. Und auch beim Wein gibt es Wandel.

Die Champagnerhersteller hadern mit Trump und Brexit. dpa

Prickelnde Probleme

Die Champagnerhersteller hadern mit Trump und Brexit.

DüsseldorfDie Verkaufszahlen von Champagner gelten als guter Indikator für die Weltwirtschaft. So sank der Absatz etwa während der Finanzkrise dramatisch. Im Jahr 2007 wurden weltweit noch 338,8 Millionen Flaschen verkauft, ein bisher unerreichter Rekordwert. Zwei Jahre später verließen nur 293,3 Millionen Flaschen des Kultgetränks die französische Region. Einen ähnlichen Rückgang gab es, als Anfang des Jahrtausends die Internetblase platzte.

Mittlerweile hat sich der Markt erholt, auch wenn es 2016 im Vergleich zum Jahr davor einen Rückgang um weltweit 2,1 Prozent gab. 306 Millionen Flaschen gegenüber 312,6 Millionen im Jahr 2015. Ein genauer Blick auf das, was verkauft wurde, zeigt zwei Trends: Wer Champagner kauft, ist bereit für die prickelnden Tropfen mehr Geld zu zahlen. Denn der weltweite Absatz sank nur um 0,6 Prozent. Und die Rosé-Farbe ist gefragt, der Umsatz dieser Sorte stieg um 8,6 Prozent.

Begriffe aus der Champagnerwelt

Assemblage

Den Prozess der Zusammenstellung der Cuvées aus den verschiedenen Rebsorten nennt man Assemblage. Nach der Festlegung welche Grundweine in welchen Anteilen in die jeweiligen Champagner eingehen, werden diese in große Tanks zusammengeführt und dann auf Flaschen gefüllt. Quellen: Eichelmann Champagnerführer, Bureau du Champagne

Tirage

Jede Flasche erhält dann den sogenannten „Liquer de Tirage“, eine Mischung aus Zucker und Hefen. Dieser „Liquer de Tirage“ bewirkt, dass die Weine eine zweite Gärung durchlaufen, durch die aus profanem Wein Champagner wird. Denn die Kohlensäure, die bei dieser zweiten Gärung freigesetzt wird, bleibt in der Flasche.

Das Rütteln

Durch die zweite Gärung entsteht in der Flasche ein Depot, das aus abgestorbenen Hefen besteht. Dieses Depot muss wieder aus der Flasche entfernt werden. Diesem Zweck diente das Rütteln der Flaschen – dadurch sammelt sich dieses Depot unter dem Korken. Heutzutage erfolgt dieser Prozess überwiegend computergesteuert.

Degorgement

Sind die Flaschen gerüttelt, wird der Flaschenhals kurz vereist. Dann wird die Flasche entkorkt und das Hefedepot herauskatapultiert. Durch das Degorgieren wird also die abgestorbene Hefe aus der Flasche entfernt, aufgefüllt wird mit einem so genannten „Liqueur de Dosage“, auch Liqueur d’Expedition genannt. Wie dieser erzeugt wird, ist oft Geheimnis des Hauses. Dafür verwendet werden beispielsweise Reserveweine, Traubensaftkonzentrat oder konzentrierten Zuckersirup aus Traubenmost.

Dosage

Nach der Höhe der Dosage, dem Zuckergehalt pro Liter Wein, unterscheidet man verschiedene Champagnertypen. Die meisten Champagner werden heute „brut“ angeboten, immer beliebt werden Brut Nature (ohne Dosage) und Extra Brut.

Brut ohne Jahrgang – der wichtigste Champagner

Der Gros der Produktion macht der Brut ohne Jahrgang aus, der in der Regel aus zwei oder drei verschiedenen Rebsorten und aus verschiedenen Jahrgängen erzeugt wird. Ziel der großen Häuser ist es, den Stil ihres Brut ohne Jahrgang über Jahre hinweg konstant zu halten. Es ist der Einstiegschampagner jedes Hauses, in der Regel auch der preisgünstigste.

Blanc de Blancs

Der Blanc de Blancs ist ein Champagner, der ausschließlich aus weißen Trauben hergestellt wird, das heißt im Normalfall Chardonnay.

Jahrgangschampagner

Dabei stammt der Grundwein aus einem einzigen Jahr. Jahrgangschampagner müssen mindestens drei Jahre auf der Hefe lagern, bevor sie in den Verkauf kommen dürfen. Früher hat man Jahrgangschampagner durchschnittlich in drei von zehn Jahren erzeugt, heute gibt es Produzenten, die fast jedes Jahr Jahrgangschampagner herstellen.

Prestigecuvées

Jeder Erzeuger kann seinen Champagner Prestigecuvées nennen. In der Regel bezeichnet man damit die Spitzenchampagner der großen Häuser, die sich durch einen Spitzenpreis auszeichnen. Die meisten davon haben auch eine Jahrgangsbezeichnung.

Für Deutschland galt immer: prickelnd, aber billig. Denn mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund vier Liter pro Jahr wurden 2014 hierzulande über 400 Millionen Flaschen getrunken. Deutsche gelten als Schaumwein-Weltmeister, die meisten Tropfen waren jedoch nicht sehr hochwertig. Das scheint sich inzwischen zu wandeln.

Im Gegensatz zum sinkenden Umsatz weltweit stieg er hierzulande um 4,9 Prozent auf 12,5 Millionen Flaschen im vergangenen Jahr. Deutschland ist damit nach Absatzmenge weltweit der Exportmarkt Nummer drei. Nur in Frankreich selbst, in Großbritannien und in den USA wird mehr Champagne getrunken.

Das zeigt wiederum, vor welchen Risiken die Industrie steht. „Unsere Probleme lauten Brexit und Trump“, meint Jean-Marie Barillère, Co-Präsident des Verbandes. Schließlich erzielen die Champagner-Häuser mit Großbritannien und den USA zusammen einen Umsatz von knapp einer Milliarde Euro.

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