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11.05.2013

13:49 Uhr

Jürgens Weinlese

Der richtige Tropfen für Feierbiester

VonJürgen Röder

Wein statt Bier im Fußballstadion – undenkbar. Oder? In der Münchener Allianz-Arena hat ein Mann eine Weinbar mit heimischen Tropfen etabliert. Zur Meisterschaftsfeier gibt es eine Spezialabfüllung – mit Rabatt.

Weinliebhaber Jürgen Röder.

Weinliebhaber Jürgen Röder.

DüsseldorfIch bin  Dortmunder und lebe in einer Stadt, die keine Weinkultur hat. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als der Dortmunder Bürgermeister seine Eröffnungsrede für ein Weinfest in der Innenstadt mit den Worten beendete: „Der beste Wein ist für mich das Pils danach“. Peinlich – aber auch ehrlich. Und irgendwie auch typisch für meine westfälische Heimatregion.

Als Dortmunder bin ich natürlich BVB-Fan – und kann kein Anhänger von Schalke 04 oder FC Bayern sein. Zumal der aktuelle Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern die treuen BVB-Fans in Rage bringt und somit alle Vorurteile gegen die reichen Bayern bestätigt.

Die wichtigsten Rotwein-Rebsorten in Deutschland

Spätburgunder

Was der Riesling qualitativ für die Weißweine bedeutet, verkörpert der Spätburgunder oder Pinot Noir unter den Rotweinen: die Spitze. In Deutschland sind 11.787 Hektar Rebfläche (Stand 2016) mit der Sorte Spätburgunder bestockt, das entspricht einem Anteil von 11,5 Prozent an der Gesamtrebfläche. Traditionell werden die besten Spätburgunder aus hochreifen Trauben gewonnen. Der Anbau der Rebsorte verlangt sehr viel Sorgfalt und stellt hohe Ansprüche an Klima und Boden. Seine Farbe ist rubinrot bis granatrot. Sein Geschmack erinnert an Brombeeren, Kirschen, Erdbeeren, Holunder und Pfeffer. Der Geschmack ist etwas gerbstoffbetont, der Körper (Gehalt) gehaltvoll bis körperreich.

Dornfelder

Längst ist die Neuzüchtung von 1955 zu einem deutschen Rotweinklassiker gereift und erfreut sich seit Jahren einer immensen Nachfrage. Heute sind 7741 Hektar mit der roten Traube bestückt (Stand 2016), das sind 7,6 Prozent der deutschen Rebfläche. Es gibt zwei unterschiedlich Ausbaustile. Der ersten betont die Fruchtaromen und wird jung auf den Markt gebracht. Andere Winzer bauen den Dornfelder im großen oder kleinen Holzfass aus und betonen mehr die Gerbstoffe. Die Farbe ist violett bis schwarzrot und sehr farbdicht, das Aroma erinnert an Holunder und Brombeeren. Der Geschmack ist gerbstoffbetont, der Körper (Gehalt) gehaltvoll bis körperreich.

Portugieser

Der Portugieser gilt als unkomplizierter, fruchtiger und frischer Wein für jeden Tag. Die Trauben sind im Alkohol meist leichter als andere Rotweine. Bei deutlicher Ertragsreduzierung sind auch tiefrote, füllige und kraftvolle Rotweine möglich. Die Anbaufläche liegt bei 3064 Hektar, rund drei Prozent der gesamten deutschen Rebfläche. Die Farbe ist hell- bis rubinrot, das Aroma erinnert an Johannisbeeren und Erdbeeren. Der Geschmack ist gerbstoffmild, der Körper leicht bis mittelkräftig.

Trollinger

In Württemberg ist der Trollinger die meistangebaute Rotweinsorte und hat sich zu einem „schwäbischen Nationalgetränk“ entwickelt. Es ist ein frischer und unkomplizierter Wein für jeden Tag. Eine gewisse Restsüße verleiht den harmonischen Trinkweinen zusätzliche Süffigkeit. In der warmen Zeit sollte man Trollinger unbedingt leicht gekühlt servieren. Die Rebsorte wird auf einer Fläche von 2230 Hektar angepflanzt (Stand 2016, 2,2 Prozent der gesamten Anbaufläche). Die Farbe ist ziegelrot bis helles rubinrot, das Aroma erinnert an Erdbeeren, Johannisbeeren und Kirschen. Der Geschmack ist gerbstoffmild, der Körper (Gehalt) leicht bis mittelkräftig.

Schwarzriesling (Müllerrebe)

Insbesondere bei den Württembergern, aber nicht nur dort, erfreut sich der Schwarzriesling großer Beliebtheit. In offiziellen Rebsortenlisten findet man die Bezeichnung „Müllerrebe“. In Frankreich heißt die Müllerrebe „Pinot Meunier“ und gehört zu den drei Champagnerrebsorten. In Deutschland beschränkt sich der Schwarzriesling-Anbau weitgehend auf Baden-Württemberg. Dennoch erreicht die Sorte einen Anteil von zwei Prozent der deutschen Rebfläche (1995 Hektar).Die Farbe ist rubinrot, das Aroma erinnert an Johannisbeeren, Kirschen, Himbeeren und Brombeeren. Der Geschmack weist mittlere Gerbstoffe auf, der Körper ist mittelkräftig und gehaltvoll.

Aber in einem Punkt bin ich auf die Bayern neidisch: Es gibt eine Weinbar in der Münchner Allianz-Arena – übrigens von eingefleischten BVB-Anhängern wird die Arena als Arroganz-Arena bezeichnet. Diese Weinbar ist keine anonyme Verkostungsstation, sondern die verschiedenen Winzer präsentieren ihre Tropfen und geben damit dieser Bar eine Seele, ein Gesicht. Auf einer Weinmesse habe ich den Mosel-Winzer Jürgen Weber kennengelernt, der das initiiert hat. Er konnte sich nicht damit abfinden, dass im Logenbereich der Arena nur ausländische Weine ausgeschenkt werden. 

Das war kein leichtes Spiel für Jürgen Weber. Zwei Jahre lang hat der Caterer des FC Bayern versucht, den Ball flach zu halten, konsequent die Weinbar-Initiative  von Weber ignoriert, und weiterhin seine zwei ausländischen Weine ausgeschenkt. Auch auf das Probierpaket, das Weber geschickt hatte, wurde zunächst ignoriert. Doch letztendlich musste selbst der Rekordmeister gegen solch einen Spieler mit Kämpferherz wie Weber passen.

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