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29.04.2013

11:53 Uhr

Jürgens Weinlese

Der Solidaritätstropfen

VonJürgen Röder

Udo Jürgens sang in den 70er-Jahren „Griechischer Wein, komm schenk ihn ein“. Für Weinliebhaber Jürgen Röder war dieser Wein damals kein Genuss. Doch in dem europäischen Krisenland hat sich nun vieles verändert.

Weinliebhaber Jürgen Röder.

Weinliebhaber Jürgen Röder.

DüsseldorfAn meinen ersten Schluck griechischen Rotwein erinnere ich mich noch genau: Es war bei meiner Mutter, sonntags zum Mittagessen in der Familienrunde. Eine bittere Erfahrung für mich, auch wenn ich zu dem Zeitpunkt noch kein absoluter Weinfan war, und der Wein eigentlich nach dem genauen Gegenteil schmeckte: Einfach nur süß, hart an der Grenze zu Zuckerwasser. Es war ein halbtrockener Imiglykos, den meine Mutter mir stolz präsentierte. Und meine „Beziehung“ zu griechischem Wein sofort für eine längere Zeit beenden ließ.

Doch das hat sich mittlerweile geändert. Zum einen hat mir mein griechischer Freund Georgios einen exzellenten Wein aus seinem Heimatland mitgebracht, und zum anderen konnte ich mich während der Fachmesse Prowein 2013 in Düsseldorf, die größte Messe ihrer Art in Europa, von der Qualität griechischer Weine überzeugen.

Griechische Weißwein-Rebsorten

Aidani

Geradlinige, elegante und blumige Weine, mit erfrischender Säure und rundem Körper. Vor allem auf Santorini (Inselgruppe im südlichen Ägäischen Meer, etwa 120 km nördlich von Kreta) als Verschnittpartner in Cuvées verwendet, um die strenge, säuerliche und oft alkoholreiche Assyrtiko-Traube auszugleichen.

Quelle: New Wines of Greece, nationale Weinorganisation

Assyrtiko

Gute Struktur, mit frischer klarer Säure und hohem Alkoholgehalt.  Das Geschmacksprofil weist typische Zitrusaromen und mineralische Noten aus. Gealterte Weine zeichnen sich durch einen noch solideren Körper und eine große aromatische Komplexität aus.

Athiri

Frische elegante, fruchtige Weine mit mittlerem bis hohem Alkoholanteil, moderatem Körper und weicher Säure. Athiri verleiht dem etwas kantigeren Assyrtiko oft eine gewisse Subtilität. Es gibt aber auch viele gut Weine aus reinem Athiri.

Debina

Zitrusaromen, hoher Säureanteil, leichter Körper und ungewöhnlich geringer Alkoholgehalt prägen den Charakter dieser Sorte. Sehr elegant. Überzeugt als stiller Tafelwein, aber auch moussierend (trocken oder halbsüß)

Malagousia

Intensiv und komplex, mit einem eigenen aromatischen Profil, das reifen Pfirsich und Aprikose mit frischen grünen Pfeffer verbindet. Gemäßigter Säuregehalt, extraktreich und voll im Gaumen. Im Eichenfass gelagert, weist der Wein hervorragende Ausbaumöglichkeiten auf und kann lange altern.

Moschofilero

Intensiv blumiger Charakter, mit ausgeprägten Aromen von frischem Obst. Im Gaumen frisch, mit klarer Säure und mittlerem Alkoholgehalt.

Muscat von Samos

Außerordentlich komplex, intensive Aromen von Rosenblättern, reifem Obst und Bergamotte. Reichhaltig und dicht, mit mäßiger Säure, gut strukturiert. Großes Alterungspotenzial. Im Eichenfass gereift, erreicht der Wein eine komplexe Würzigkeit, ohne seine erstaunliche Frische zu verlieren.

Robola

Aromatische, frische Weine von außerordentlicher Qualität, mit feinen Zitrus- und mineralischen Aromen. Sehr ausgeglichen, mit einer frischen, an Zitronen erinnernde Säure und moderatem Körper. Eine lange Flaschenreife führt zu interessanten Ergebnissen.

Roditis

Rosafarbene Traube. Ausgeprägte Fruchtnoten, die oft an reife Melone und Honig erinnern, intensiv in Aroma und Geschmack. Mit ausladender, dichter Struktur im Gaumen und einem erfrischenden, an den Sauvignon Blanc erinnernden Abgang.

 

Savatiano

Hat das Potential für sehr aromatische Weine, mit vielen Fruchtnoten und ausgeglichener, breiter Struktur im Gaumen. Überraschend elegant und aromatisch, wenn die Trauben von kühlen Hängen oder aber von alten Reben stammen.

Vilana

Moderates bis intensiv blumiges und würziges Aroma, besonders wenn der Wein von ertragsarmen Weinbergen stammt. Mittlerer bis hoher Alkoholgehalt, ausbalancierte Säure. Außerordentlich frisch im Gaumen.

Eigentlich ist das keine Überraschung: Es gibt auf Griechenland etwa 300 autochthone Rebsorten. Die meisten Namen habe ich noch nie gehört. 70.000 Hektar Rebflächen stehen zur Verfügung. Die Terroirs und Kleinklimata sind so vielfältig wie das ganze Land; an Sonnenstunden fehlt es ebenso wenig wie an einer jahrtausendealten Tradition. Und nach vielen Jahren, in denen Billig-Retsina und Rotwein-Verschnitte in großen Flaschen die Gastronomie in Hellas wie auch in ihren Ablegern im Ausland bestimmten, hat in den beiden vergangenen Jahrzehnten auch nach Meinung von Experten eine echte Qualitätsrevolution stattgefunden.

65 griechische Winzer waren auf der Prowein – so viele wie noch nie. Ein Ergebnis der Euro-Krise. Ähnlich wie in Spanien und Portugal können die Winzer ihre teuren Qualitätsweine seltener im Heimatland verkaufen und müssen verstärkt auf den Export setzen. Viele der kleineren Weingüter waren auch auf der Messe, um einen Großhändler im deutschsprachigen Raum zu finden.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

29.04.2013, 14:22 Uhr

selbst wenn sie noch so gut sind, dazu sind deutsche Wein noch hochwertiger, unterliegen strengeren Kontrollen und das wichtigste, ich kauf nix mehr von Ländern die uns als Hitler darstellen und dann noch groß tönen nie wieder deutsche Produkte zu kaufen (wobei bei Ihren Schwarzgeld Benz ne Ausnahme gemacht wird)

Leser

29.04.2013, 14:24 Uhr

Wollen wir hoffen, dass Sie das auch so machen.

Account gelöscht!

29.04.2013, 16:51 Uhr

Lumières.

Le souffle
d'une pensée,
le son de la
neige qui
chante le matin,
l'amour, la
poésie, la tendre
lumière d'une
aube enchantée...

Francesco Sinibaldi

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