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31.08.2013

14:39 Uhr

Jürgens Weinlese

„Deutscher Wein hat sehr gute Zukunftsperspektive“

VonJürgen Röder

Wie führt eine frühere Beraterin für Private-Equity-Fonds ein Weingut? Wird sie als „Heuschrecke“ die Branche konsolidieren? Ihr Weingut hat Tradition, viele Staatsmänner aus aller Welt haben die Weine schon getrunken.

Carmen von Nell-Breuning hat seit Mitte des Jahres das Weingut von ihren Eltern übernommen.

Carmen von Nell-Breuning hat seit Mitte des Jahres das Weingut von ihren Eltern übernommen.

Über „Effizienz von Banken“ schrieb Carmen von Nell-Breuning  ihre Doktorarbeit. Und arbeitete zehn Jahre lang in der  Finanzbranche in Luxemburg. Seit Mitte des Jahres ist aus der erfolgreichen Beraterin für Private-Equity-Fonds eine Unternehmerin geworden: Die 36-Jährige übernahm das elterliche Dominikaner Weingut C. von Nell-Breuning im Ruwertal vor den Toren Triers.

„Wein fasziniert mich, und ich bin überzeugt, dass deutscher Wein eine sehr gute Zukunftsperspektive hat“, begründet die promovierte  Betriebswirtin ihren Wechsel. Hinzu kommt bei einem Weingut, dessen Tradition als Winzerfamilie bis ins Jahr 1670 zurückreicht, auch die Verneigung vor dem Lebenswerk der Familien. 

Deutsche Weinanbau-Gebiete II

Ahr – Reich der Rotweine

Die Ahr ist mit rund 560 Hektar Rebfläche eines der kleineren Anbaugebiete Deutschlands. Seine Besonderheit: Mit 85 Prozent liegt der Anteil roter Rebsorten viel höher als in allen anderen deutschen Anbaugebieten. Vor allem Spätburgunder (Pinot Noir), Portugieser und Frühburgunder werden angebaut, bedeutendste weiße Sorte ist der Riesling.

Quelle: Deutsches Weininstitut

Baden – unter südlicher Sonne

Mit knapp 16 000 Hektar Anbaufläche ist es das drittgrößte Anbaugebiet des Landes. Es zeichnet sich durch ein besonders mildes Klima aus. Baden ist Burgunderland, heißt es. Der Weißweinanteil liegt bei 56 Prozent. Die wichtigsten Rebsorten sind Spätburgunder, Müller-Thurgau, Grauburgunder, Weißburgunder und Riesling. Eine lokale Spezialität ist der roséfarbene Wein Badisch Rotgold, keine Rebsorte, sondern eine besondere Cuvée aus Grauburgunder und Spätburgunder (also ein „Rotling“).

Franken – Bocksbeutelland

Franken ist das einzige deutsche Anbaugebiet, das sich komplett in Bayern befindet. Auf rund 6100 Hektar werden hier Reben kultiviert, die meisten befinden sich rund um die Barockstadt Würzburg. In Franken dominieren mit 81 Prozent die weißen Rebsorten. Der Silvaner gilt als klassische fränkische Rebsorte, gefolgt von Müller-Thurgau. Eine rote Spezialität aus Franken ist die Rebsorte Domina.

Hessische Bergstraße – Frühlingserwachen

Die 436 Hektar Rebfläche des kleinsten deutschen Anbaugebietes erstrecken sich zum größten Teil längs des Rheines an den sanften Ausläufern des Odenwaldes. „König der Bergstraße“ ist der Riesling. Er macht knapp die Hälfte der angebauten Rebsorten aus und gedeiht wegen der langen Vegetationszeiten an der Bergstraße besonders gut. Die restlichen 53 Prozent der Rebfläche teilen sich verschiedenste Sorten, vom Müller-Thurgau über den Gewürztraminer bis hin zum seltenen Gelben Orleans.

Mittelrhein – Riesling und Romantik

Die Anbaufläche des Mittelrheins, 456 Hektar, erstreckt sich zwischen Bingen und dem Siebengebirge über rund 110 Kilometer entlang des Rheins bis vor die Tore Bonns. Von der Gesamtfläche der Region sind über 300 Hektar mit Riesling bestockt. Der Weißweinanteil insgesamt beträgt 81 Prozent. Spätburgunder, Müller-Thurgau, Blauer Portugieser und Kerner vom Mittelrhein werden meistens schon „vor Ort“ genossen und finden daher selten den Weg in den Handel.

Mosel – Rasse und Klasse von der Terrasse

Die älteste deutsche Weinbauregion erstreckt sich mit insgesamt fast 9000 Hektar Rebfläche auch auf Anbauflächen an den Nebenflüssen Saar und Ruwer. Der Weißweinanteil beträgt 91 Prozent. Auf den Schieferböden an Mittel- und Untermosel gedeiht vor allem der Riesling vorzüglich, der hier tief wurzeln muss und so reichlich Mineralität und Finesse aus dem kargen Untergrund zieht. An der Obermosel herrschen Muschelkalk und Keuperböden vor, die für Burgundersorten und den heimischen Elbling guten Untergrund bieten.

Den Doppelnamen von Nell-Breuning trägt das Weingut seit dem Jahr 1987, als der bekannte Theologe und Sozialphilosph Oswald von Nell-Breuning („Nestor der Katholischen Soziallehre“) seinen Namenszusatz an seinen Neffen und Patensohn Christoph von Nell übergeben hat, der damals das Weingut leitete.

Carmen von Nell-Breuning arbeitete zuletzt bei der Wirtschaftsprüfungs- und -beratungsgesellschaft EY (vormals: Ernst & Young) in leitender Funktion im Bereich Private Equity. Aber wird sie auch als „Heuschrecke“ andere Weingüter übernehmen? „Nein“, lacht die Betriebswirtin, „das habe ich nicht vor.“ Vergrößern will sie ihr Weingut aber schon. Das hat derzeit mit einer Fläche von sieben Hektar, ausschließlich in Steillagen, eine mittlere Größe. Vergrößern will sie aber nur durch Zukäufe von weiteren Flächen. 

Das Ruwertal bietet ideale Voraussetzungen für erstklassige Rieslingweine, weil das enge Tal  für ein optimales Klima sorgt. Die Schieferverwitterungsböden sind zudem ein ausgezeichneter Wärmespeicher, was für eine lang reifende Traube wie den Riesling entscheidend ist. Darüber hinaus produziert das Weingut auch Riesling-Sekte nach Champagner-Methode in traditioneller Flaschengärung mit mehrjährigem Hefelager sowie feinfruchtige Spätburgunder-Rotweine. Erst dieser Tage errang das Weingut auf der Berliner Wine Trophy drei Mal Gold.

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