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01.05.2014

18:04 Uhr

Jürgens Weinlese

Die neuen Goldgräber

VonJürgen Röder

Vor rund 150 Jahren suchten Abenteurer noch im Süden von Neuseeland nach Gold. Nun produzieren dort Winzer in der malerischen Landschaft einzigartige Rotweine. Eine Reise durch das südlichste Weinanbaugebiet der Welt.

Blick auf das neuseeländische Weingut Felton Road: Auf 32 Hektar Fläche werden rund 150.000 Flaschen produziert. Seine Pinot Noirs verkauft das Weingut in Deutschland zu einem Preis zwischen 50 und 80 Euro. PR

Blick auf das neuseeländische Weingut Felton Road: Auf 32 Hektar Fläche werden rund 150.000 Flaschen produziert. Seine Pinot Noirs verkauft das Weingut in Deutschland zu einem Preis zwischen 50 und 80 Euro.

„Dös is a total technischer Wein“. Die Verärgerung ist Rudi Bauer bei einer  Verkostung von verschiedenen Rotweinen aus dieser Region anzumerken. Was der österreichische Winzer damit meint: Die Geschmackseindrücke des Weins in seinem Glas sind nicht im Weinberg entstanden, sondern im Weinkeller hinzugefügt worden. Das ist für einen Winzer mit hohen Ansprüchen wie Bauer nicht gut genug. Für ihn wird ein guter Wein im Weinberg gemacht - und nicht im Keller.

Der Wein, den der Salzburger kritisiert, stammt nicht vom Neusiedlersee oder von Weinreben an der Wachau, sondern wird auf der Südinsel von Neuseeland produziert, im südlichsten Weinanbaugebiet der Welt: Central Otago. Dort besitzt Rudi Bauer ein eigenes Weingut mit Namen Quartz Reef.

In der Region, rund 2000 Kilometer von der Antarktis entfernt, herrscht „Goldgräberstimmung". Doch anders als vor rund 150 Jahren, als viele nach Central Otago kamen, um mit der Suche nach dem Edelmetall schnelles Geld zu machen, sind die neuen „Goldgräber“ gekommen, um zu bleiben. Mittlerweile haben dort rund 65 Weingüter ihre Flächen für den Weinbau aufbereitet, Reben gepflanzt und bewirtschaftet, um daraus Wein herzustellen.

Die neuseeländischen Weinanbaugebiete

Northland

Die ersten Rebstöcke Neuseelands wurden in der Bay of Islands im Jahr 1819 gepflanzt. Im späten 19. Jahrhundert kamen kroatische Kauri-Harz-Sammler, Gumdiggers genannt, nach Northland ganz im Norden der Nordinsel und brachten ihre europäische Weinbautradition mit. Dies war der Beginn der neuseeländischen Weinindustrie, und viele der heute erfolgreichen Weingüter können ihre Anfänge bis nach Northland zurückverfolgen.
Seine nördliche Lage und die Nähe zum Meer (an keiner Stelle der Region ist das Meer weiter als 50 Kilometer entfernt) bescheren Northland ein fast subtropisches Klima – feucht, sonnig und warm. Die Region weist die höchste Jahresdurchschnittstemperatur Neuseelands auf, so dass die zur Ausreifung der Trauben verfügbare Wärme während der Vegetationsperiode in Northland höher ist, als in allen anderen neuseeländischen Weinanbaugebieten. Die Böden sind größtenteils Lehmböden auf einer kompakten Tonschicht und befinden sich zumeist weniger als 150 Meter über Meereshöhe.

Auckland

Henderson, Kumeu und Huapai im Nordwesten von Aucklands Stadtzentrum verfügen über eine lange Weinbautradition und dürfen sich einer Vielzahl sowohl weltbekannter als auch kleiner Boutique-Weingüter rühmen. Die Weinberge der Region Auckland haben sich in den letzten Jahren zunehmend auch außerhalb des nordwestlichen Teils von Auckland ausgebreitet, nach Waiheke Island, Matakana und Clevedon.  Klimatisch gesehen genießt Auckland ein warmes, quasi frostfreies Klima mit verhältnismäßig hohen Niederschlagsmengen. Die Weinberge Aucklands befinden sich auf Tonböden, vulkanischen Böden, Grauwacke oder gemischten Schwemmlandböden.

Waikato

Die Regionen Waikato und Bay of Plenty südlich von Auckland stellen eine kleine, aber stetig wachsende Weinanbaufläche dar, die sich auf kleine, verstreute Nischen im sanft geschwungenen Ackerland verteilt.

Die Weinproduktion konzentriert sich hauptsächlich auf Chardonnay, gefolgt von Cabernet Sauvignon und Sauvignon Blanc. Waikato und Bay of Plenty verfügen gleichermaßen über ein für neuseeländische Verhältnisse mäßig warmes Klima und schwere Lehmböden auf darunterliegenden Tonschichten.

Gisborne

Neuseelands drittgrößte Anbauregion ist  wegen seiner relativ abgelegenen Lage weniger bekannt als es die Größe erwarten ließe.

Die Mischung aus Sonnenschein, grünen Landschaften, faszinierender Geschichte, entspanntem Lebensstil und der aufregenden Auswahl an Weinsorten macht Gisborne zu einem Reiseziel für Weinliebhaber.  Das geschichtsträchtige Gisborne kann sich rühmen, der Ort zu sein, der von  Captain Cook zuerst entdeckt wurde und in dem in Neuseeland als erstes die Sonne aufgeht.

Hawke's Bay

Hawke’s Bay ist Neuseelands älteste und zweitgrößte Weinregion, deren Anfänge bis ins Jahr 1851 zurückreichen. Hawke’s Bay ist das größte Weinanbaugebiet Neuseelands für hochwertige Rotweine mit einem Anteil von über 80 Prozent an der neuseeländischen Gesamtproduktion von Cabernet, Merlot und Syrah. Rund 50 Prozent der Gesamtproduktion von Hawke’s Bay entfallen auf Chardonnay und die beiden Sorten Cabernet und Merlot. Weiß- und Rotwein wird zu etwa gleichen Anteilen produziert. Rotweine aus Hawke’s Bay verbinden die typischen Fruchtaromen der neuen Welt mit der Struktur der alten Welt und präsentieren sich  einzigartig und elegant. Aufgrund ihrer sehr hohen  Qualität, die mit den besten Rotweinen der Welt mithalten kann, und ihren wettbewerbsfähigen Preisen im Vergleich zu den hochpreisigen Weltklasseweinen, ist Hawke’s Bay kontinuierlich gewachsen. Heute beheimatet die Region 80 Weingüter und 170 Traubenproduzenten.

Wairarapara

Wairarapa befindet sich im rechten unteren Eck auf der neuseeländischen Nordinsel, etwa eine Stunde nordöstlich von Wellington. Das Weinanbaugebiet ist aufgeteilt in drei Unterregionen: Masterton im Norden, Gladstone in der Mitte und Martinborough im Süden. Die Entfernung zwischen Masterton und Martinborough beträgt etwa 35 Kilometer. Pinot Noir ist die meistangebaute und zweifellos angesehendste Rebsorte der Region. Klimatisch ist Wairarapa eher vergleichbar mit Marlborough auf der Südinsel als mit anderen Weinregionen der Nordinsel. Der Erfolg und Stil der Sauvignon Blancs aus Wairarapa beweist diese Verwandtschaft. Als offiziell sechstgrößte Weinregion Neuseelands ist Wairarapa produktionsmäßig vergleichsweise klein.

Marlborough

Man sagt, es gäbe nirgends auf der Welt einen Wein, der wie Wein aus Marlborough schmeckt – die Balance zwischen außergewöhnlicher Reinheit und Geschmacksintensität rund um eine imposante Nase mit ausgeprägten Fruchtaromen und einer ansprechend ausbalancierte Säure ist hervorragend.

Die Weine sind stilvoll, begeistern, überraschen. Genau wie in allen anderen Spitzenanbaugebieten auf der Welt liegt das Geheimnis in einer magischen Verbindung von Klima und Boden. Hier im nordöstlichsten Eck der neuseeländischen Südinsel, begrenzt vom Pazifischen Ozean im Osten und steil ansteigenden Gebirgsketten im Norden und Süden, erstreckt sich von der Küstenlinie leicht ansteigend eine Schwemmlandebene in die schmalen Täler mit günstiger Ausrichtung nach Norden. 

Marlborough ist als eine der besten Weinregionen der Welt anerkannt und erntet als Neuseelands führende Weinregion internationale Anerkennung in einem Ausmaß, das  seine geografische Größe bei Weitem übersteigt.

Nelson

Die von Kieselsteinen durchzogenen Tonböden In Nelson sind dafür bekannt, dass auf ihnen Weine mit Fülle und Textur entstehen. Pinot Noir präsentiert sich in Nelson besonders intensiv im Aroma, mit edlen Tanninen und Eleganz. Chardonnay entwickelt Komplexität und Vielschichtigkeit und eine exzellente Struktur. Die Winzer produzieren auch hervorragende Sauvignon Blancs, Rieslinge und Pinot Gris. Waimea bedeutet Flussgärten in der Sprache der Maori – mit steinigen Schwemmlandböden, vielen Sonnenstunden und mäßigenden maritimen Einflüssen verfügen die Waimea Plains über großartiges Terroir. Die aromatischen Weißweine sind lebhaft, oftmals mit einer Feuersteinnote, die sich als Gegenspieler der offenherzigen Fruchtaromen erweist. Während Chardonnay hier reichhaltig und ausdrucksvoll mit einer feinen Säurestruktur ist, zeigt sich Pinot Noir zart parfumiert und schön: Pflaumen- und Kirscharomen in der Nase, die Reife zieht sich durch bis zu den geschmeidigen Tanninen am Gaumen.

Canterbury

Canterbury besteht aus zwei Hauptanbaugebieten: der Ebene  rund um die Stadt Christchurch (inklusive Banks Peninsula) und der erst vor wenigen Jahren zur Weinregion ausgebauten Tälerregion Waipara, eine Autostunde nördlich von Christchurch. Während die ersten Rebstöcke in Akaroa bereits 1855 gepflanzt wurden und die ursprünglichen Lincoln-Pflanzungen in den 1960er Jahren erfolgten, begannen kommerzielle Pflanzungen von Reben in Canterbury erst in den späten 1970er Jahren.

Im südlichen Gebiet sind die Böden überwiegend angeschwemmte schlickige Lehme über kieselhaltigem Sockel, während in Waipara kreidige Lehmböden mit oftmals hohem Kalksteinanteil dominieren. Lange, trockene Sommer, ergiebige Niederschläge und relativ kühle Wachstumsbedingungen sind ein besonderes Merkmal beider Unterzonen, wenngleich es in Waipara, das von der Küste durch eine niedrige Hügelkette abgeschirmt wird, deutlich wärmer werden kann. Canterbury ist Neuseelands viertgrößte Weinregion.

Central Otago

Central Otago ist Neuseelands höchstgelegenes Weinanbaugebiet. Mit seiner Lage auf dem 45. südlichen Breitengrad ist die Region gleichzeitig das südlichste Weinanbaugebiet der Welt. Umgeben von Bergen und übersät mit Gebirgsseen und tiefen Stromschluchten ist Central Otago zugleich das spektakulärste Weinanbaugebiet Neuseelands. Die Lage innerhalb der Gebirgsketten führt zu einem halbkontinentalen Klima mit sehr kalten Wintern, heißen Sommern, kühlen Nachttemperaturen und sehr niedrigen Niederschlagsmengen.

Dieses einzigartige Klima in Verbindung mit Böden zumeist glazialen Ursprungs, mit reichhaltigen Einlagerungen an Glimmer und Schiefer, bietet perfekte Bedingungen besonders für Pinot Noir. Mit dieser Rebsorte sind 80 Prozent der Fläche bepflanzt, die hier ausdrucksvolle, elegante Weine hervorbringt. Die Region produziert außerdem sehr erfolgreich Weißweine: vor allem Riesling, Pinot Gris und Chardonnay. Die Weine aus Central Otago reflektieren mit ihrer Reinheit, Intensität und Ausstrahlung das spezielle Terroir der Region und die absolut reine, klare Gebirgsluft.

Quelle: New Zealand wines

All das in einem spektakulären Anbaugebiet mit Weinbergen auf malerischen Plateaus, umgeben von Bergen, übersät mit Gebirgsseen und tiefen Stromschluchten. Die Lage innerhalb der Gebirgsketten sorgt für sehr kalte Winter, heiße Sommer, kühle Nachttemperaturen  und sehr niedrige Niederschlagsmengen.  Frost ist aufgrund der Nähe zum Ozean selten. Dieses eher kontinentale als mediterrane Klima zusammen mit den schiefer- und glimmerhaltigen Böden bildet eine ideale Grundlage für die rote Rebsorte Pinot Noir, die in Deutschenland  Spätburgunder genannt wird und hierzulande die wichtigste Rotweintraube ist.

Diese Rebsorte gilt als Diva, weil sie nicht einfach anzubauen ist. Sie braucht viel Aufmerksamkeit und Fingerspitzengefühl und ist anfällig gegenüber Krankheiten. Die Haut der Trauben ist sehr dünn, so dass diese schnell verletzt werden kann, was zum Eindringen von Krankheitserregern sowie zur frühzeitigen Gärung führen kann.  Es ist keine Traube für mediterranes Klima, sondern entwickelt die besten Aromen in kühleren Regionen wie Deutschland oder wie hier Neuseeland.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

02.05.2014, 08:36 Uhr

Die Äste der Weinstöcke werden an Drähte gebunden, die alle 3-4 m an chemisch behandelte Holzstämme befestigt werden (H4 Klassifikation).
Eine Art 'slow release' von Giftstoffen sozusagen.
Na dann mal Prost!

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