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13.12.2015

10:18 Uhr

Jürgens Weinlese

Die Schaumwein-Weltmeister

VonJürgen Röder , Matthias Stelzig

Prickelnd, aber billig. So wollen es viele Deutsche. Doch zum Jahresende wird mehr Champagner verkauft. Das edle Getränk ist ein Wirtschaftsindikator und kann eine Geldanlage sein. Auch der Klimawandel spielt eine Rolle.

Champagner ist eine prickelnde Geldanlage. Die Wertentwicklung bei guten Champagnern lag in den vergangenen Jahren durchschnittlich bei rund 13 bis 14 Prozent jährlich. Imago

Champagner ist eine prickelnde Geldanlage. Die Wertentwicklung bei guten Champagnern lag in den vergangenen Jahren durchschnittlich bei rund 13 bis 14 Prozent jährlich.

Deutschland ist Weltmeister. Nicht nur im Fußball, sondern auch im Trinken von Schaumwein. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund vier Liter pro Jahr wurden 2014 hierzulande über 400 Millionen Flaschen getrunken. „Der Großteil davon ist jedoch nicht unbedingt qualitativ hochwertiger Schaumwein“, meint Madeleine Jendryssek, Einkäuferin bei der börsennotierten Hawesko Holding, dem größten Anbieter von hochwertigen Weinen in Europa.

Denn bei einem Blick in die Regale stellen sich nicht nur Branchenkenner die Frage: Wie kann ein Hersteller seinen Schaumwein im Handel für unter drei Euro verkaufen, wenn allein schon die Sektsteuer inklusive Mehrwertsteuer rund 1,20 Euro pro Flasche beträgt?

Sektmarken

Platz 1

Auf die Frage, welcher Sekt in den vergangenen drei Monaten getrunken wurde, gaben 15,4 Prozent an: Rotkäppchen.

Platz 2

Auf die Frage, welcher Sekt in den vergangenen drei Monaten getrunken wurde, antworteten 10,9 Prozent: Freixenet.

Platz 3

Auf die Frage, welcher Sekt in den vergangenen drei Monaten getrunken wurde, gaben 7,2 Prozent an: Asti Cinzano.

Platz 4

Auf die Frage, welcher Sekt in den vergangenen drei Monaten getrunken wurde, gaben 7,1 Prozent an: Mumm.

Platz 5

Auf die Frage, welcher Sekt in den vergangenen drei Monaten getrunken wurde, gaben 4,9 Prozent an: Aldi-Schaumwein.

Platz 6

Auf die Frage, welcher Sekt in den vergangenen drei Monaten getrunken wurde, gaben 4,7 Prozent an: Söhnlein Brilliant.

Platz 7

Auf die Frage, welcher Sekt in den vergangenen drei Monaten getrunken wurde, gaben 4,5 Prozent an: Faber.

8

Auf die Frage, welcher Sekt in den vergangenen drei Monaten getrunken wurde, antworteten 4,3 Prozent: Fürst von Metternich.

9

Auf die Frage, welcher Sekt in den vergangenen drei Monaten getrunken wurde, gaben 4,2 Prozent an: Henkell Trocken.

Nichttrinker

Auf die Frage, welcher Schaumwein in den vergangenen drei Monate getrunken wurde, gaben 45,4 Prozent an: Keinen.

Welchen großen Einfluss der Preis von Schaumweinen in Deutschland hat, lässt sich am besten am italienischen Prosecco erläutern. Der zwischenzeitlich als Billiggetränk verschriene italienische Schaumwein hat eine erstaunliche Wandlung hinter sich.

2009 führten die Winzer eine Herkunftsbezeichnung ein. Was bedeutet: Prosecco darf ähnlich wie Champagner nur aus einer Region stammen, in diesem Fall aus dem Anbaugebiet Veneto nahe Venedig und Padua. Und der durfte – zumindest bis 2015, als die Regel etwas gelockert wurde – nur aus einer Traube erzeugt werden, aus der Rebsorte Glera. Und da die Nachfrage hoch blieb, das Angebot aber geringer wurde, haben sich die Preise in den letzten Jahren mehr als verdoppelt.

Zwar wird in Deutschland weiterhin Prosecco getrunken, aber fast nur in Form von Prosecco frizzante. Das ist ein Perlwein, weil er weniger 2,5 bar Druck hat. „Die Nachfrage nach Prosecco frizzante ist konstant hoch“, bestätigt Jendryssek. Denn für den müssen Verbraucher wegen des geringen Drucks keine Sektsteuer zahlen – im Gegensatz zum teureren Prosecco spumante mit einem Druck von mindestens drei Bar.

„Dafür besitzt der Spumante eine feinere Perlage und eine größere Nachhaltigkeit am Gaumen“ erläutert die Einkäuferin. Die Versandhandelssparte von Hawesko bietet aufgrund der Nachfrage hauptsächlich den Frizzante an, der Spumante findet vor allem beim Hawesko-Premiumanbieter Tesdorpf seine Kunden.

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