Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.10.2014

11:02 Uhr

Jürgens Weinlese

Discounter verkauft Wein für 349 Euro

VonJürgen Röder

Lidl steigt in den Verkauf teurer Bordeaux-Weine ein. Mit Preisen, die den Fachhandel massiv unter Druck setzen. Dabei ist dieses Angebot nur die Spitze des Eisberges. Weitere Lebensmittelhändler werden folgen.

Die Discounter rüsten beim Verkauf von Wein auch optisch auf: Lidl bietet in seinen Filialen die Tropfen in einer Holzkiste an. PR

Die Discounter rüsten beim Verkauf von Wein auch optisch auf: Lidl bietet in seinen Filialen die Tropfen in einer Holzkiste an.

In seinem Krimi lässt Michael Böckler Weinliebhaber wegen einer Flasche Château d'Yquem aus dem legendären Jahrgang 1784 sterben. Dieser edelsüße Tropfen aus dem Bordeaux gilt als einer der teuersten Weine weltweit. Eine Flasche dieses Jahrgangs wurde übrigens laut der Online-Plattform Wine-Stocks während einer Auktion 1997 für 43.947,00 Euro versteigert.

Nun verkauft auch der Discounter Lidl diesen Wein des Jahrgangs 2011 online: Für 349 Euro pro Flasche. Daraus folgt die Frage: Stirbt als Folge dieser Produktoffensive nun der Wein-Fachhandel? Zumindest wird dies in der Branche als „Frontalangriff“ gewertet.

Denn das Spitzenprodukt ist kein Einzelfall: In seinem aktuellen Online-Prospekt „Reise durch das Bordeaux“ bietet Lidl mehrere französische Top-Produkte (Grand Crus) aus dieser weltweit größten zusammenhängenden Region für Spitzenweine an – zu Preisen, die deutlich unterhalb dessen liegen, was der Fachhandel verlangt. So kostet eine Flasche Château Montrose 2011 nur 89,99 Euro und ist damit gegenüber anderen Angeboten 30 Euro preiswerter. Der Château d'Yquem des gleichen Jahrgangs ist bei manchen Wein-Händlern 40 Euro teurer.

Auf die Frage, ob Lidl bald hochpreisige Weine aus anderen Regionen verkaufen will, verspricht Carsten Schmitz, Geschäftsführer des Onlineshops: „Das Thema wird weitergehen“. Diese Top-Weine könnte der Discounter nach eigenen Angaben auch in größeren Mengen kurzfristig liefern, da er nicht wie andere Anbieter erst beim Weingut orden müsste.

Bei dem Angebot profitiert das Unternehmen vor allem von seiner Internationalität. So sei die Idee, französische Top-Weine in andere Ländern zu verkaufen, bei Lidl Frankreich entstanden. „Wir verkaufen online auch hochwertige Weine aus Portugal und Spanien aufgrund der Zusammenarbeit mit den dort beheimateten Lidl-Unternehmen“, erläutert Schmitz.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×